Corona-Auswirkungen auf Unfallgeschehen noch nicht klar

5.6.2020 – Das KFV hat am Donnerstag die Unfallstatistik für 2019 vorgelegt. Im laufenden Jahr sei die Frequenz in den Ambulanzen während der Ausgangsbeschränkungen gesunken, bei Prognosen für 2020 übt man sich dennoch in Vorsicht.

2019 erlitten in Österreich 781.400 Menschen (mit Wohnsitz in Österreich) bei Unfällen Verletzungen, die eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich machten. Davon galten nach vorläufigen Daten 27.500 als Schwerverletzte.

Gegenüber 2018 ist das ein leichter Rückgang, damals wurden 782.200 Verletzte gezählt. In den letzten zehn Jahren sank die Zahl um zehn Prozent.

Dies teilte das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) auf Basis von Hochrechnungen am Donnerstag mit.

Anzahl der Unfalltoten geht langfristig zurück

Weitere 2.551 Personen starben im vergangenen Jahr an den Folgen eines Unfalls. Davon kamen 416 durch einen Verkehrsunfall ums Leben; das sei gegenüber 2018 ein Anstieg um 1,6 Prozent, längerfristig verringere sich diese Zahl aber.

Die Zahl der Unfalltoten stagniere gemäß der Todesursachenstatistik der Statistik Austria „seit Jahren auf hohem Niveau“, stellt das KFV fest.

Zuhause und nähere Wohnumgebung sind die Haupt-Unfallorte

Rund 40 Prozent (308.600) haben sich bei Haushaltsunfällen verletzt, 35 Prozent (273.000) bei Freizeit- und Freizeitsportunfällen.

Wirft man einen näheren Blick auf das Segment „Sport“, so zeigt sich, dass der relativ größte Teil der Unfälle auf dem Fußballfeld geschah: Von den 189.100 Personen, die sich beim Sport verletzten, waren fast ein Viertel Fußballer.

Die häufigsten Sportunfälle 2019

Sportart

Anzahl

Sportart

Anzahl

Fußball

44.000

Fahrrad, Mountainbike

18.600

alpiner Skilauf

25.900

Turnen, Leichtathletik

13.100

anderer Mannschafts-ballsport

20.500

Gesamt (einschließlich anderer Sportarten)

189.100

117.800 oder zirka 15 Prozent der Verletzten sind dem Bereich Arbeit und Schule zuzuordnen.

81.900 Verletzte gab es 2019 auf der Straße. Die Verkehrsunfallzahlen „geben in diesem Bereich Grund zur Sorge“, sagt Klaus Robatsch, Leiter der KFV-Verkehrssicherheitsforschung. „Vor allem die Zahl der getöteten Kinder im Straßenverkehr war 2019 sehr hoch.“ (VersicherungsJournal 14.5.2020)

Corona-Auswirkungen auf Unfallgeschehen noch nicht klar

Inwieweit sich die Coronakrise auf das Unfallgeschehen ausgewirkt hat, lasse sich derzeit noch nicht klar einordnen, heißt es vom KFV. Im Verkehrsbereich habe der Stillstand des öffentlichen Lebens Mitte März zu einem Rückgang der Verletzungen im Straßenverkehr in diesem Zeitraum geführt.

„Die eingeschränkte Mobilität bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Zahlen der getöteten Verkehrsteilnehmer in diesem Jahr tatsächlich sinken werden“, schränkt Robatsch ein.

Aus Erhebungen des KFV in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen gehe hervor, dass die Bevölkerung „tendenziell vorsichtiger bei Haushalts- oder Sportaktivitäten“ vorgegangen ist, berichtet das KFV weiter.

Diese Tendenz spiegle sich in niedrigeren Ambulanzfrequenzen wider, sagt KFV-Direktor Othmar Thann.

Hemmschwelle für Spitalsbesuch dürfte „sehr hoch“ gewesen sein

Der Rückgang in den Ambulanzen bedeute dennoch nicht, dass es keine Verletzungen gab, relativiert Thann.

„Tatsächlich wurden in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen besonders schwere Unfälle von Handwerkstätigkeiten, Forstarbeiten, Garten- oder Radunfälle behandelt, während leichtere Verletzungen nicht im Krankenhaus behandelt wurden.“

Thann: „Hier kann davon ausgegangen werden, dass die Hemmschwelle, in ein Krankhaus zu gehen, sehr hoch war.“

 
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