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Corona und eine neue Klausel – ÖVM kritisiert Versicherer

15.5.2020 – Der ÖVM würde sich angesichts der Corona-Krise mehr kooperatives Verhalten wünschen. Er stellt auch die Frage in dem Raum, ob sich mancher Versicherer selbst nicht ganz sicher ist, wenn eine Deckungsablehnung erfolgt. Das schließt der ÖVM aus einer neuen Klausel, die bei einem Neuantrag vorgefunden worden sei. Im Fall von Streitigkeiten rät Maklervereinigung Versicherungsnehmern, über rechtliche Schritte nachzudenken.

Der Österreichische Versicherungsmaklerring (ÖVM) ortet in der Versicherungswirtschaft nicht jenes Ausmaß an kooperativem Verhalten, das er sich vor dem Hintergrund der Corona-Krise wünschen würde. Das ließ die Maklervereinigung am Donnerstag in einer Aussendung wissen.

Der ÖVM bemängelt unter anderem, dass es ab Ausbruch der Krise einen Monat gedauert habe, bis der Versicherungsverband (VVO) reagiert habe. Der VVO hatte etwa Stundungen sowie Prämien- und Leistungsreduktionen als mögliche Maßnahmen genannt und eine freiwillige Hilfe avisiert (VersicherungsJournal 17.4.2020).

„Den Versicherungsschutz zu reduzieren oder ruhend zu stellen, halte ich für keine gute Lösung“, meint jedoch ÖVM-Präsident Alexander Punzl.

Denn auch wenn keine Umsätze generiert werden oder Arbeitslosigkeit drohe: „Die Betriebsstätte oder das Eigenheim kann von einem Feuer vernichtet werden, es kann zu einem Haftpflichtschaden oder aber auch einer Krankheit oder einem Unfall kommen“, so Punzl.

Problemfeld Betriebsunterbrechungsversicherungen

„Rasch“ seien hingegen Deckungsablehnungen bei BUFT- und Seuchen-Betriebsunterbrechungsversicherungen eingegangen, moniert die Maklervereinigung.

Mancher Versicherer biete „relativ geringe, freiwillige Pauschalentschädigungen“ an, dies „mit sehr kurzen Annahmefristen“ und in vielen Fällen nur, wenn man einen Verzicht auf weitere Ansprüche abgebe.

Im Übrigen stellt der ÖVM die Frage in den Raum, ob man sich auf Versichererseite selbst immer ganz sicher ist, wenn der Standpunkt vertreten wird, dass keine Deckung aus der Betriebsunterbrechungsversicherung bestehe.

Ausschluss-Klausel bei Neuantrag

ÖVM-Präsident Alexander Punzl (Bild: ÖVM)
ÖVM-Präsident
Alexander Punzl
(Bild: ÖVM)

Ein Indiz dafür ist es für den ÖVM, wenn man bei einem Neu- oder Konvertierungsantrag auf einen, wie er sagt, „Ausschluss von allem rund um Covid-19“ stoße. So heiße es in einem Schreiben eines Versicherers:

„In Abänderung der dem Vertrag zugrundeliegenden Versicherungsbedingungen Artikel 1, sind völlige sowie teilweise Betriebsunterbrechungen in Folge der aktuellen Coronavirus/Covid-19 Epidemie bzw. Pandemie vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Dieser Ausschluss umfasst sämtliche Quarantänemaßnahmen als auch eine Erkrankung sowie sämtliche Folgen und Beschwerden der versicherten Person in direktem Zusammenhang mit der Covid-19 Epidemie bzw. Pandemie.“

Aus Sicht des ÖVM legt das im Umkehrschluss nahe, dass bisher Deckung gegeben gewesen sein müsste.

ÖVM rät, im Streitfall rechtliche Schritte erwägen

In seiner Stellungnahme empfiehlt der ÖVM Versicherungsnehmern deshalb, „in diesbezüglichen Streitfällen den Rechtsweg zu beschreiten“, dies „selbstverständlich erst nach umfassender Beratung und Abwägung aller Für und Wider bzw. unter Beiziehung eines Rechtsbeistandes“.

Meist könne man sich dabei allerdings auch nicht auf eine Deckung durch eine Rechtsschutzversicherung stützen, da hier mit der „Ausnahmesituationsklausel“ argumentiert werde.

„Ich halte den Versicherern aber zugute, dass niemand bei der Gestaltung von diesbezüglichen Tarifen je an eine solche Pandemie gedacht hat und ein hohes Kumulrisiko wahrscheinlich ist“, sagt Punzl.

„Ich hoffe, dass es die Versicherungswirtschaft sportlich nimmt, wenn sie jetzt vermehrt mit diesbezüglichen Deckungsklagen konfrontiert wird.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Rechtsschutz · Versicherungsmakler
 
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