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D&O und Cyber: Österreich ist keine „Insel der Seligen“

6.6.2024 – Moderate Preisreduktionen gebe es im Bereich der D&O-Versicherung, auch bei Cyberversicherungen gibt es eine gewisse Entspannung, Kapazitäten für Grundsicherung seien wieder vorhanden, so Experten beim Financial Lines Summit. Ein Voting ergab: Für die Teilnehmer der Veranstaltung ist die Qualität der Schadenregulierung am wichtigsten.

Financial Lines Summit über den Dächern von Wien (Bild: VJ)
Diskutierten am Financial Lines Summit über den Dächern von Wien (v.l.n.r.): Severin Gettinger (Allianz), Oliver Delvos (Corvus) und Frederik Wulff (Markel). (Bild: VJ)

Die Finlex GmbH, Betreiberin der gleichnamigen Plattform für Gewerbe- und Industrieversicherungen, lud gestern zu ihrem ersten „Financial Lines Summit Austria“ in das K47 am Wiener Franz-Josefs-Kai und konnte mehr als 100 Branchenvertreter begrüßen.

In der einleitenden Panel-Diskussion diskutierten Frederik Wulff, Vorstandsvorsitzender der Markel Insurance SE, Severin Gettinger, Head of Underwriting Financial Lines für die Region CEE bei Allianz Commercial, und Oliver Delvos, Head of International bei Corvus Insurance, über aktuelle Trends und Entwicklungen in den Financial-Lines-Märkten.

Die bei der Veranstaltung anwesenden Branchenexperten nannten Marktschätzungen für Österreich, die sich bei der D&O-Versicherung zwischen 40 und 100 Millionen Euro bewegen, bei Cyber zwischen 30 und 60 Millionen; Statistiken gebe es derzeit keine, so Finlex-Österreich-Chef Peter Loisel.

D&O: hauptsächlich „klassische“ Schäden

Gettinger betonte, Österreich sei auch im Bereich der Financial Lines „keine Insel der Seligen“, auch hierzulande gebe es im Bereich der D&O-Versicherung Großschäden. Er sieht einige Ähnlichkeiten zur globalen Lage, was natürlich mit der globalisierten Wirtschaft zusammenhänge.

Aktuell sei eine „moderate Preisreduktion“ nach den Anpassungen während der Hartmarktphase zu beobachten. Für Versicherer seien Portfolios mit höherem KMU-Anteil im internationalen Vergleich profitabler, Voraussetzung sei aber, dass man die Inflation im Griff hat.

Eine Herausforderung würden die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen darstellen, bei den Schadenursachen seien die „Klassiker“ dominant. Hauptsächlich gehe es um Organisations- und Überwachungsverschulden, während Fälle mit Bezug zu Environmental und Social noch selten seien.

Cyber: Sanierungsmaßnahmen wirken

Im Bereich der Cyberversicherung gebe es eine gewisse Aufweichung bzw. Entspannung am Markt, auch große Kunden könnten wieder eine Grunddeckung erhalten. Sanierungsmaßnahmen wie Kapazitätsmanagement, höhere Selbstbehaltsniveaus und Risikoverbesserungsmaßnahmen würden wirken, so Gettinger.

Auch bei Cyberversicherungen seien KMU für Versicherer tendenziell profitabler als Großkunden, bei den Schäden handle es sich fast ausschließlich um Eigenschäden: „Haftpflichtschäden sind bisher unbedeutend.“

Einen Trend sieht Gettinger in Richtung „Komplettanbieter von Cyber-Ökosystemen“, inklusive Risikoerfassung und -analyse, Risikotransfer und Risikokommunikationsberatung.

Cyberversicherungen als Chance für die Branche

Das erste Mal seit langer Zeit verfüge die Versicherungsindustrie mit „Cyber“ über eine neue Sparte, betonte Wulff. Dies sei eine „absolute Chance“ für Versicherer, für Kunden wieder relevanter zu werden, „wenn wir sauber beraten und saubere Produkte“ anbieten.

Allerdings erkennt Wulff vor allem bei Cyberversicherern eine „lustige Zauberei mit Obliegenheiten“. Und für Makler sei bei der Auswahl des Partners die Stabilität des Versicherers das Schlüsselkriterium – was nicht nur die finanzielle Stärke, sondern auch die Zeichnungspolitik betreffe.

Einen Wermutstropfen sieht Gettinger hierzulande aber in Bezug auf die Marktdurchdringung: „Es dauert in Österreich länger als in anderen Ländern, bis Innovationen bei Kunden Anklang finden“.

Die Rolle der Automatisierung

Mit „neuen Wegen im Underwriting“ beschäftigte sich Delvos. Cyber-Scans könnten als ergänzende Underwriting-Daten dienen, sinnvoll sei eine Kombination aus Technologie und klassischer Underwriting-Expertise.

Möglichkeiten zur Automatisierung gebe es im Underwriting, aber auch bei Tarifierung und Dokumentation, bei Transparenz und Prävention ebenso wie im Bereich der Vertragserneuerung und im Schaden-Management.

Das würde nicht nur zu einer besseren Risikoselektion und Prämienfindung, sondern auch zu höherer Kundenzufriedenheit führen, ist Delvos überzeugt. Und schließlich erwartet er auch positive Auswirkungen auf Schadenhöhe und -häufigkeit.

Qualität der Schadenregulierung am wichtigsten

Abschließend konnten die Teilnehmer der Veranstaltung im Rahmen eines Votings noch ihre Meinung zur Bedeutung bestimmter Eigenschaften von D&O- sowie Cyberversicherungen auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht wichtig) bis 10 (extrem wichtig) abgeben.

Wichtigstes Kriterium in der D&O-Versicherung ist demnach mit einem Score von 8,8 die Qualität der Schadenregulierung vor „weitreichender Deckungsumfang“ (8,6) und einfachem Antragsprozess (8,2). Weniger wichtig sind attraktive Prämien (7,1) oder die Bekanntheit und der Ruf des Versicherers (5,7).

Ähnlich das Ergebnis für die Cyberversicherung: Am wichtigsten ist den Teilnehmern mit 9,2 von 10 Punkten die Qualität der Schadenregulierung noch vor dem Deckungsumfang (8,9) und dem einfachen Antragsprozess (8,0). Auf 6,2 Punkte kommt die attraktive Prämie, Schlusslicht ist der Ruf des Versicherers (4,9).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Cyberversicherung · Managerhaftpflicht · Schadenregulierung · Sozialhilfe
 
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