Der unaufhaltsame Anstieg der Internetkriminalität

20.9.2018 – Einen rasanten Anstieg der Fälle von Cyberkriminalität verzeichnete das Bundeskriminalamt im Vorjahr. Neue Kriminalitätsphänomene würden in immer kürzeren Intervallen auftreten und es sei auch zukünftig mit einer rasanten Änderung der Technologien der Internetkriminalität zu rechnen. Große Risiken gebe es bei vernetzten Geräten und Kryptowährungen.

Cybercrime 2008 bis 2017 (Grafik: Bundeskriminalamt)
Cyberkriminalität: angezeigte Fälle 2008 bis 2017
Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: Bundeskriminalamt).

„In immer kürzeren Intervallen treten neue Kriminalitätsphänomene auf“, schreibt das Bundeskriminalamt im soeben veröffentlichten „Lagebericht Cybercrime 2017“.

Eine Zunahme der Cyberkriminalität sei sowohl im niederschwelligen als auch im Intensivtäter-Bereich zu beobachten. Dazu komme, dass Ermittlungsmaßnahmen durch den technischen Fortschritt erschwert werden.

Oberste Priorität habe die Weiterentwicklung des Cybercrime-Competence-Centers im Bundeskriminalamt; daneben gehe es auch um die Verankerung der Wissensweitergabe in der Polizeibasis und die Sicherstellung der Nachhaltigkeit durch Prävention.

Steigende Fallzahlen

Das Bundeskriminalamt unterscheidet zwischen Cybercrime im engeren und weiteren Sinn. Zu ersterem zählen alle direkten Angriffe auf Daten oder Computersysteme wie Datenbeschädigung oder Hacking.

Im weiteren Sinn seien unter Cybercrime jene Delikte zu verstehen, in denen die Informations- und Kommunikationstechnik Teil herkömmlicher Straftaten ist. Beispiele dafür sind Betrugsdelikte, die Weitergabe von Kindesmissbrauchsmaterial oder Cyber-Mobbing.

Insgesamt hat sich die Zahl der angezeigten Fälle von 3.291 im Jahr 2008 auf 16.804 im Jahr 2017 mehr als verfünffacht. Allein im Vorjahr gab es einen Zuwachs um 28,2 Prozent gegenüber 2016. Überproportional gestiegen sind Cybercrime-Fälle im engeren Sinn: auf Jahressicht um 34,8 Prozent auf 3.546.

Verbessert haben sich die Aufklärungsquoten von Cybercrime im engeren Sinn, sind aber immer noch niedrig. 2017 konnten 28,2 Prozent der Fälle aufgeklärt werden, im Jahr davor waren es nur 18 Prozent gewesen. Rückläufig war dagegen die Aufklärungsquote von Cybercrime im weiteren Sinn: von 43,9 auf 41,3 Prozent.

Schwerpunkte der Cyberkriminalität

Eine „epidemische“ Ausbreitung von Schadsoftware ortete das Bundeskriminalamt 2017. Ransomware wie Petya/NotPetya oder WannaCry verschlüsselt Daten von infizierten Computersystemen. Daraufhin werde Lösegeld erpresst, die Daten würden aber trotz Zahlung meist nicht wiederhergestellt. 2017 wurden in Österreich 1.014 Fälle angezeigt, davon 697 allein im Februar und März.

Waren es zuvor vorwiegend Phishing-Mails, bei denen durch das Öffnen von Links oder Dateianhängen Schadsoftware aktiviert wurde, so würden seit Ende 2017 Angriffe vermehrt über die Remote-Desktop-Protokoll-Schnittstelle erfolgen. Die Täter würden über diese üblicherweise zur Fernwartung von Computern benötigten Schnittstellen in das System eindringen, um Daten zu verschlüsseln.

Ein neues kriminelles Phänomen sei im Zusammenhang mit der zunehmenden Verbreitung von Kryptowährungen („Bitcoin“) entstanden: „Cryptojacking“, das Kapern fremder Rechenleistung für Crypto-Mining. Darüber hinaus spielen Kryptowährungen auch bei der Begehung klassischer Delikte zunehmend eine Rolle.

Prävention

Geeignete Präventivmaßnahmen könnten gerade Straftaten, die mit dem Internet und Computersystemen zusammenhängen, verhindern, so das Bundeskriminalamt.

Aufgabe der Kriminalprävention sei die Beratung und Information der Bevölkerung. Schwerpunkte seien dabei einerseits Jugendliche und deren Umgang mit neuen Medien, andererseits Erwachsene, die bisher keine Ausbildung auf diesem Sektor erhalten haben.

Es sei geplant, Polizeibedienstete auszubilden, um ein flächendeckendes Wissen über den Schutz von IT-Systemen, aktuelle Bedrohungen und die richtige Anwendung von Geräten vermitteln zu können.

Aktionen und Projekte

Mit dem Projekt „IO-Threats“ befassen sich das Cybercrime-Competence-Center, Joanneum Research, das Austrian Center for Law Enforcement Sciences und das Polizei- und Justizforschungszentrum der Universität Wien mit dem Internet of Things und den damit einhergehenden Bedrohungen.

Dabei geht es um mögliche Angriffsszenarien auf den österreichischen Smart-Home-Markt und die aktuelle Rechtslage. Das Projekt läuft noch bis März 2019.

Ein weiteres Projekt, das Präventionsprogramm „Click & Check“, wurde überarbeitet und an die Altersgruppe der zehn- bis 17-Jährigen angepasst, so das Bundeskriminalamt. Ziel sei die Förderung eines verantwortungsvollen Umgangs mit digitalen Medien, Themen sind unter anderem Chats und Soziale Netzwerke, Cybermobbing, Grooming und Sexting.

Zu den Schwerpunkten der Initiative „Gemeinsam.sicher in Österreich“ zählten 2017 Datensicherung und Vorbeugung von Cybercrime. Im Bereich der Wirtschaft standen unter anderem Maßnahmen für die Datensicherheit im Zusammenhang mit der Datenschutzgrundverordnung im Fokus.

Ausblick.

Das Bundeskriminalamt geht davon aus, dass sich die Technologien der Internetkriminalität weiterhin rasant ändern werden. Ein Problem sei dabei, dass bei manchen Produkten „die Benutzerfreundlichkeit an erster Stelle und die Sicherheit an letzter“ stehe.

Die starke Zunahme der Anzahl vernetzter Geräte verstärke den kontinuierlichen Anstieg von Cybercrime-Fällen massiv. Sie seien ein „attraktives Angriffsziel für Kriminelle“, ein Umdenken sei bei Anwendern und Herstellern erforderlich.

Auch im Bereich Künstlicher Intelligenz steige das Missbrauchspotenzial, es sei zukünftig mit automatisierten Angriffen durch KI-Systeme zu rechnen. Und schließlich würden auch Blockchain-Technologien und Kryptowährungen weiterhin „einen maßgeblichen Anteil an kriminellen Geschäftsmodellen bilden“.

Weiterführende Informationen

Der „Lagebericht Cybercrime 2017“ kann von der Website des Bundeskriminalamts (456 KB) heruntergeladen werden.

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Ausbildung · Nachhaltigkeit
 
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