Die Naturkatastrophen-Bilanz des ersten Halbjahres

12.8.2026 – Naturkatastrophen verursachten im ersten Halbjahr global Gesamtschäden in Höhe von rund 112 Milliarden Dollar, wovon rund 40 Prozent versichert waren, meldet Munich Re. Damit liegt die erste Jahreshälfte 2026 leicht unter dem Zehnjahresschnitt. Schwerstes Ereignis war das Doppel-Erdbeben in Venezuela. Für das zweite Halbjahr muss laut Munich Re mit einem „Super-El Niño“ und Wetterextremen in vielen Regionen der Welt gerechnet werden.

Gewitter (Bild: Max LaRochelle/Unsplash)
Bild: Max LaRochelle/Unsplash

Im ersten Halbjahr 2026 haben Naturkatastrophen weltweit Werte von etwa 112 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 97 Milliarden Euro) zerstört. Versichert waren davon nur 44 Milliarden Dollar (rund 38 Milliarden Euro).

Diese Bilanz zog Rückversicherer Munich Re Ende Juli über das Naturkatastrophen-Geschehen der ersten sechs Monate.

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 beliefen sich die Schäden inflationsangepasst auf 154 Milliarden Dollar, wovon 95 Milliarden versichert waren.

Das Schadenvolumen lag laut Munich Re im ersten Halbjahr 2026

  • leicht unter den inflationsbereinigten Durchschnittswerten der vergangenen zehn ersten Halbjahre (Gesamtschäden: 113 Milliarden Dollar, davon 50 Milliarden versichert und
  • deutlich unter denen der vergangenen fünf ersten Halbjahre (136 bzw. 66 Milliarden Dollar).

Die Naturkatstrophen des ersten Halbjahres forderten rund 8.200 Opfer.

Erdbeben in Venezuela größte Katastrophe im ersten Halbjahr

Die, so Munich Re, zerstörerischste Naturkatastrophe war ein Doppel-Erdbeben in Venezuela am 24. Juni.

„Innerhalb weniger Minuten ereigneten sich etwa 200 km westlich der Hauptstadt Caracas nahe der Stadt Morón zwei schwere Erdstöße der Magnituden 7,2 und 7,5. Nach Angaben der US-Erdbebenbehörde USGS war es das schwerste Erdbeben in der sehr erdbebengefährdeten Region seit 1900. Tausende Menschen kamen ums Leben.“

Nach ersten Einschätzungen werde der Gesamtschaden auf etwa 30 Milliarden Dollar (rund 26 Milliarden Euro) geschätzt, wovon weniger als 1 Milliarde (rund 0,9 Milliarden Euro) versichert gewesen sei.

Zweitgrößtes Naturkatastrophenereignis war der Wintersturm Kristin in Portugal und Spanien im Jänner. Er hinterließ Schäden in Höhe von 7,7 Milliarden Dollar (rund 6,7 Milliarden Euro), davon 1,8 Milliarden (rund 1,6 Milliarden Euro) versichert.

Naturkatastrophen in Europa

Von den Schäden aus allen Naturkatastrophen in Europa im ersten Halbjahr entfielen alleine auf die neun Winterstürme rund 80 Prozent der Gesamtschäden und 70 Prozent der versicherten Schäden.

In Summe übertrafen die Gesamtschäden von rund 22 Milliarden US-Dollar (rund 19,1 Milliarden Euro; Anm.) und die versicherten Schäden von gut 7 Milliarden US-Dollar (rund 6,1 Milliarden Euro; Anm.) die Durchschnittswerte der vergangenen zehn Jahre (inflationsbereinigt 18 Milliarden US-Dollar/6,6 Milliarden US-Dollar [rund 15,6/5,7 Milliarden Euro; Anm.]).

Stürme und schwere Gewitter dominieren Liste versicherter Schäden

Für Versicherer seien jedoch, „wie häufig“, Schwergewitter in den USA der größte Schadentreiber gewesen. Munich Re beziffert den Gesamtschaden der US-Gewitterereignisse mit 30 Milliarden US-Dollar, den versicherten Schaden mit 22 Milliarden Dollar.

Das Schadenvolumen sei damit aber unter den zehnjährigen Durchschnittswerten (34 bzw. 26 Milliarden Dollar) geblieben. „Dabei sprach die Anzahl von Tornados und Hagelschlägen im Rahmen der erwartbaren Spannen eigentlich für höhere Schäden.“

Die weltweit fünf größten versicherten Natkat-Ereignisse des ersten Halbjahres waren allesamt Sturmereignisse in den USA. Das größte war eine Serie schwerer Stürme und Tornados, die von 22. April bis 1. Mai anhielt und 5,8 Milliarden Dollar Gesamt- und 4,1 Milliarden Dollar versicherte Schäden verursachte.

Das erste Halbjahr 2026 brachte eine Atempause von Vorjahren mit sehr hohen Naturkatastrophenschäden. Aber der Klimawandel und der Wertezuwachs gehen weiter und erhöhen das Risiko höherer Verluste in der Zukunft.

Thomas Blunck, Vorstandsmitglied Munich Re

Hitzewellen in Europa und Nordamerika

Wie Munich Re weiter festhält, sei das erste Halbjahr in Nordamerika und Europa von „rekordbrechenden Hitzewellen“ geprägt gewesen.

Studien zufolge bestehe ein klarer Zusammenhang zwischen Hitzewellen und Klimawandel. „Für Europa stellte eine Studie fest, dass die jüngste Hitzewelle vor 50 Jahren etwa 3,5°C kühler gewesen wäre“, so Munich Re. Europa gelte als der Kontinent, der sich durch den Klimawandel am stärksten erwärme, doppelt so stark wie der globale Durchschnitt.

Hitzewellen gälten als jene Naturgefahr, bei der die meisten Menschen ums Leben kommen.

Die finanziellen Folgen von Hitzewellen seien schwer zu beziffern, weil sie meist keine direkten Sachschäden nach sich zögen. „Schäden entstehen durch sinkende Produktivität und Produktionsausfälle, aber auch durch Infrastrukturschäden, Transportunterbrechungen und Ernteausfälle.“

Im zweiten Halbjahr „Super-El Niño“ zu erwarten

Die zweite Jahreshälfte 2026 werde voraussichtlich zudem vom Klimaphänomen El Niño geprägt werden. Es bringe meistens noch höhere Temperaturen mit sich und beeinflusse Wetterextreme in vielen Weltregionen.

El Niño verursache tendenziell höhere globale Durchschnittstemperaturen, zusätzlich zum Klimawandel. „Die Meeresoberflächentemperaturen liegen im Schnitt schon jetzt auf Rekordniveau. Bei der globalen Mitteltemperatur dagegen hält bisher 2024 den Rekord mit rund 1,5°C über der vorindustriellen Zeit – es war ebenfalls ein El Niño-geprägtes Jahr“, so Munich Re.

Die besten Maßnahmen für weniger Schäden sind, Hochrisikogebiete nicht mehr für Menschen und Unternehmen zu erschließen sowie weiter in Prävention zu investieren.

Thomas Blunck, Vorstandsmitglied Munich Re

Die Prognosen deuteten derzeit auf „Rekord-El Niño-Bedingungen“ am Jahresende hin. Eine El Niño-Phase dauere üblicherweise sechs Monate bis ein Jahr, mit Schwerpunkt um den Jahreswechsel.

Tobias Grimm, Chef-Klimatologe von Munich Re, spricht von einer „gefährlichen Mischung“. Grimm: „Zur fortschreitenden Erderwärmung steuert die Welt auch noch auf einen Super-El-Niño zu, der zusätzlich aufheizt. Die Auswirkungen werden in der zweiten Jahreshälfte wahrscheinlich deutlich zu spüren sein. Wer rechtzeitig vorsorgt, rettet Menschenleben und begrenzt die wirtschaftlichen Schäden aus Naturkatastrophen.“

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