DSGVO macht nach wie vor vielen zu schaffen

24.1.2020 – Selbst gut eineinhalb Jahre nach dem Start der Datenschutz-Grundverordnung hält sich erst eine Minderheit der Unternehmen für wirklich DSGVO-fit, besagt ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht. (Bild: Deloitte)

Deloitte-Bericht zur DSGVO-Umsetzung in Unternehmen (Cover; Quelle: Deloitte)
Deloitte-Bericht zur DSGVO-Umsetzung
in Unternehmen (Cover; Quelle: Deloitte)

Der 25. Mai 2018 markierte den Beginn des „DSGVO-Zeitalters“. Die neuen Datenschutzregeln sind also bereits seit mehr als eineinhalb Jahren anzuwenden.

Trotzdem arbeiten viele Unternehmen nach wie vor an der praktischen Umsetzung, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Unternehmensberatung Deloitte Österreich.

Er basiert auf einer Umfrage unter 191 Unternehmensvertretern in Österreich, die darin Auskunft über den Stand ihrer Datenschutzmaßnahmen gaben.

Gut die Hälfte der Befragten kommt aus Großunternehmen mit mehr als 249 Mitarbeitern, der Rest aus kleinen und mittleren Unternehmen.

Niedriger Umsetzungsgrad

Den Ergebnissen zufolge hat ein Drittel (32 Prozent) die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung nach eigenen Angaben vollständig hinter sich gebracht.

Damit habe sich die Lage gegenüber dem Vorjahr zwar leicht verbessert, sagt Deloitte.

Die Mehrheit gibt jedoch an, mit dem Implementierungsprozess noch nicht fertig zu sein: 54 Prozent haben ihn erst „größtenteils“ abgeschlossen. Zwölf Prozent befänden sich noch mitten in der Umsetzung.

Aufwand für die langfristige Einhaltung

Ein Problem scheine vor allem die langfristige Einhaltung der Anforderungen – beispielsweise die Verbesserung der technischen und organisatorischen Maßnahmen, die Etablierung einer Datenschutzorganisation mit Verantwortlichen, die Einhaltung von Löschfristen oder die Erfüllung der Informationspflichten gegenüber den Betroffenen – zu sein.

„Die Mehrheit der Unternehmen sieht darin eine große Herausforderung“, fasst Deloitte die Umfrageresultate zusammen. Im Schnitt schätzen rund sieben von zehn Befragten den Aufwand, den die Einhaltung der einzelnen Anforderungen in Zukunft verursacht, als sehr hoch oder eher hoch ein.

„Es mangelt häufig an strukturierten Prozessen“

Andreas Niederbacher, Senior Manager bei Deloitte Österreich (Bild: Deloitte/Feelimage)
Andreas Niederbacher,
Senior Manager bei
Deloitte Österreich
(Bild: Deloitte/Feelimage)

„Viele Unternehmen haben es schlichtweg versäumt, rechtzeitig ihre Hausaufgaben zu machen“, meint Andreas Niederbacher, Senior Manager bei Deloitte Österreich.

„Es mangelt häufig an strukturierten Prozessen, durch die sich der Aufwand deutlich reduzieren lassen könnte und die vor allem auch die Umsetzung der Anforderungen nachhaltig sicherstellt.“

Er empfiehlt Unternehmen, die sich noch im Umsetzungsprozess befinden, dass sie „dringend einen Gang zulegen“, zumal teilweise bereits empfindliche Strafen für Verstöße verhängt worden seien.

Bewusstsein vorhanden

Positiv vermerkt Deloitte, dass – auch wenn es an der Umsetzung mangelt – die Bedeutung des Datenschutzes „grundsätzlich erkannt“ worden sei.

So ist er bei 80 Prozent ein „Thema des Top-Managements“, und 88 Prozent geben an, dass er „bei Projekten und Entscheidungen des Unternehmens mitberücksichtigt“ wird.

Oft Unsicherheit unter Mitarbeitern

Eine Schwachstelle zeige sich eher im täglichen Umgang der Mitarbeiter mit Daten. Fast ein Drittel beobachte hier noch Unsicherheiten. Demgegenüber ist in den Augen der großen Mehrheit (67 Prozent) der korrekte Umgang mit Daten durch die eigenen Mitarbeiter sichergestellt.

Unternehmen, die sich noch im Umsetzungsprozess befinden, müssen dringend einen Gang zulegen.

Andreas Niederbacher, Senior Manager Deloitte

Für Niederbacher ist das dennoch kein zufriedenstellendes Ergebnis. „Oft lässt sich die Unsicherheit im Umgang mit Daten auf Unerfahrenheit der Mitarbeiter zurückführen. Hier braucht es ein breiteres Schulungsangebot.“

Ein Viertel sieht sich in Personalnöten

Einige Unternehmen sehen sich offenbar auch personell nicht gut genug ausgestattet, um den Datenschutzanforderungen gerecht zu werden.

61 Prozent, die sich diesbezüglich als gut aufgestellt erachten, stehen immerhin 28 Prozent gegenüber, die sagen: Es fehlt hierfür an Personal. Elf Prozent machten keine Angaben.

Auf technische Hilfsmittel zur Erfüllung der Datenschutzerfordernisse greifen sechs von zehn Unternehmen zurück, 30 Prozent gaben an, keine solchen zu nutzen.

„Der personelle Aufwand kann durch ein solches Support-Tool erheblich reduziert werden“, so Niederbacher. „Außerdem wird damit die unternehmensweite Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern besser strukturiert und dokumentiert.“

Zum Herunterladen

Der Bericht „Bestandsaufnahme nach 18 Monaten EU-DSGVO“ kann als PDF-Dokument (1,8 MB) von der Deloitte-Website heruntergeladen werden.

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Marktforschung · Mitarbeiter
 
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