WERBUNG

„Einheitlicher Versicherungsschutz“ für Freiwillige?

20.9.2022 – Laut einer Umfrage hat die Gefahrenlage in der Tätigkeit Ehrenamtlicher zugenommen. SPÖ-Abgeordnete wollten wissen, ob die Bundesregierung „Maßnahmen zur Sicherstellung eines einheitlichen Versicherungsschutzes für Freiwillige“, einschließlich Unfall- und Haftpflichtversicherung, plant. Die Antwort des Bundeskanzleramts liegt nun vor, ist inhaltlich aber wenig aufschlussreich. Sie verweist darauf, dass bis zum Frühjahr 2023 der Entwurf für eine Freiwilligenstrategie stehen soll.

Die Pandemie habe das Ehrenamt in Österreich „extrem gefordert“, stellte die „Zivilschutzagenda Österreich“ im Sommer auf Basis einer Erhebung fest, die das Marktforschungsinstitut Makam unter mehr als 2.000 Befragten aus der Bevölkerung und den Blaulichtorganisationen durchgeführt hat.

„Das Gefährdungs- bzw. Risikopotenzial für die über 3,5 Millionen freiwilligen Helferinnen und Helfer hierzulande hat während der Pandemie deutlich zugenommen“, hieß es damals. 55 Prozent der Einsatzkräfte aus Blaulichtorganisationen verspürten demnach pandemiebedingte Verschlechterungen im Rahmen ihrer Tätigkeit.

Rettungswagen des Roten Kreuzes (Bild: Erysipel/Pixelio.de)
Fast jeder dritte Ehrenamtliche beim Roten Kreuz
musste Erfahrungen mit verbalen oder körperlichen
Übergriffen machen (Bild: Erysipel/Pixelio.de).

Etwa 45 Prozent machten laut den Daten mittelbar Erfahrungen mit vor allem verbalen Übergriffen. Rund 25 Prozent der ehrenamtlichen Einsatzkräfte waren in den vergangenen zwei Jahren sogar persönlich mit verbalen oder körperlichen Übergriffen konfrontiert, bei der größten Rettungsorganisation, dem Roten Kreuz, sogar fast ein Drittel.

Zudem steige die Gefahrenlage – zum Beispiel wegen erhöhten Infektionsrisikos – generell, bei Rettungskräften stärker als bei Feuerwehrleuten.

Gedrückte Motivation

Die Folge ist, dass vier von zehn befragten ehrenamtlichen Einsatzkräften seit Beginn der Pandemie zumindest darüber nachgedacht haben, ihr Engagement zeitlich zu reduzieren oder überhaupt zu beenden.

Als wesentliche Gründe reduzierter Motivation wurden in der Umfrage schwindender Zusammenhalt, zu wenig Anerkennung der ehrenamtlichen Leistungen durch die Politik sowie zunehmende zeitliche und körperliche Mehrbelastungen im Rahmen der Tätigkeit genannt.

„Die Ergebnisse der Studie sind ein Appell an die Politik, notwendige Maßnahmen zu setzen, um das Ehrenamt in Österreich nachhaltig abzusichern. Denn die soziale Stärke eines Landes und der Zusammenhalt innerhalb der Zivilgesellschaft zeigen sich vor allem am freiwilligen Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger“, folgerte Dieter Siegel, Initiator der Zivilschutzagenda Österreich.

SPÖ-Anfrage an den Bundeskanzler

Im Nachgang haben Abgeordnete der SPÖ eine parlamentarische Anfrage an Bundeskanzler Karl Nehammer gerichtet und darin Auskünfte zu einigen Punkten rund um die Unterstützung der Tätigkeit Ehrenamtlicher gefordert.

In Frage 7 wollten die Mandatare wissen, ob die Bundesregierung „Maßnahmen zur Sicherstellung eines einheitlichen Versicherungsschutzes für alle Freiwilligen, inkl. einheitlicher Unfall- und Haftpflichtversicherung auf Bundesebene und für alle ehrenamtlichen Tätigkeiten“ plant. Wenn ja: welche? Wenn nein: warum nicht?

Die Antwort des Bundekanzleramts ist nun im Nationalrat eingelangt. Die Frage zum Versicherungsschutz wurde im Block mit anderen Fragen beantwortet – allerdings weder mit einem Ja noch mit einem Nein.

Strategieentwurf soll bis Frühjahr 2023 vorliegen

Zuerst verweist die Antwort auf die letzte Sitzung des Österreichischen Freiwilligenrates im Februar 2022, wo „die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Erstellung eines Vorschlags für eine Österreichische Freiwilligenstrategie“ beschlossen worden sei.

Ziel sei es, „wie im Regierungsprogramm vorgesehen“, gemeinsam mit dem Freiwilligenrat bis zum Frühjahr 2023 einen „Entwurf einer zukunftsorientierten Strategie“ für den Freiwilligenbereich zu entwickeln.

Ansonsten keine Details

Konkreter wird es nicht. Mit der Freiwilligenstrategie solle der Freiwilligensektor „nachhaltig gestärkt und für die Zukunft fit“ gemacht werden, heißt es weiter.

Es gelte, „bedeutende Veränderungen rechtzeitig zu identifizieren und Anpassungsprozesse zielgerichtet zu initiieren“, um die Quantität und Qualität des freiwilligen Engagements auch in Zukunft abzusichern bzw. auch ausbauen zu können.

„Vor diesem Hintergrund werden in der Arbeitsgruppe strategische Ziele und Maßnahmen ausgearbeitet.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Haftpflichtversicherung · Marktforschung · Motivation · Strategie
 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
18.12.2020 – Die Schlussrunde: ein Rückblick auf einige Höhepunkte der Monate September bis Dezember. mehr ...
 
16.2.2015 – Sie wusste schon als 13-Jährige, dass sie in die Versicherungswirtschaft will. Heute möchte sie die Innovation in der Branche vorantreiben: Erika Krizsan spricht im Interview darüber, was sich ihrer Meinung nach verbessern ließe, wie Kunden eingebunden werden können, Inspiration aus anderen Branchen und wie sie Beratung und Vertrieb im Internet sieht. (Bild: Krizsan) mehr ...