WERBUNG

„Enormer Bedarf an naturbasierten Versicherungslösungen“

24.9.2020 – Einer Reihe von Ländern droht der Kollaps natürlicher Ökosysteme, warnt das Swiss Re Institute. Zugleich gibt es zu bedenken, dass 55 Prozent des globalen BIP von funktionierenden „Biodiversity and Ecosystem Services“ (BES) abhängig seien, das sind Leistungen, die auf Ökosystemen basieren. Das Institut hat nun den „BES-Index“ entwickelt: Er soll es Unternehmen und Staaten ermöglichen, Fragen der Biodiversität und der Ökosysteme in wirtschaftliche Entscheidungen einzubeziehen.

Neuer SRI-Report zu Ökosystemen und Wirtschaft (Cover; Quelle: SRI)
Ein neuer SRI-Bericht befasst sich mit dem
Zustand von Ökosystemen und Implikationen
für die Wirtschaft (Cover; Quelle: SRI)

„Jedem fünften Land weltweit droht angesichts schwindender Biodiversität der Zusammenbruch seiner Ökosysteme“, warnt das Swiss Re Institute (SRI).

Die Forschungseinheit des Rückversicherers Swiss Re hat sich in einem neuen Bericht mit „Biodiversity and Ecosystem Services“ (BES) auseinandergesetzt, also Leistungen, deren Grundlage natürliche Ökosysteme sind.

Das schließt etwa eine sichere Nahrungsmittel- und Wasserversorgung und die Regulierung der Luftqualität, die für den Erhalt der Gesundheit und der wirtschaftlichen Stabilität wichtig sind, ein.

Die wirtschaftliche Größenordnung, um die es geht, ist beachtlich: Laut SRI hängen 55 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) – das entspreche 41,7 Billionen US-Dollar (umgerechnet 35,8 Billionen Euro) – von funktionierenden BES ab.

BES-Index

Um das Verständnis für die Thematik zu fördern, habe man im SRI nun den „BES-Index“ entwickelt. Mit diesem soll der Zustand lokaler Ökosysteme, auf denen die Wirtschaft basiert, verglichen werden können.

Der Index aggregiert Daten aus zehn verschiedenen Kategorien: Wassersicherheit, Holzversorgung, Nahrungsmittelversorgung, Intaktheit von Lebensräumen, Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Wasserqualität, Regulierung von Luftqualität und Mikroklima, Erosionskontrolle und Küstenschutz.

Die aggregierten Daten werden mit einer Auflösung von 1 km² zur Verfügung gestellt, und zwar im Rahmen des Online-Naturgefahrenatlas von Swiss Re, „CatNet“.

„Bedarf an naturbasierten Versicherungslösungen“

„Es besteht eine klare Notwendigkeit, den Zustand von Ökosystemen zu bewerten, damit die globale Gemeinschaft weitere negative Auswirkungen auf die Wirtschaft weltweit minimieren kann“, sagt Christian Mumenthaler, Group CEO von Swiss Re.

Die Erkenntnisse aus dem Index sollen aufzeigen, „wie wichtig der Schutz und die Wiederherstellung der Natur für das Funktionieren der Wirtschaft sind“, erklärt das SRI.

Versicherer sollen die Daten nutzen können, um Versicherungslösungen zum Schutz von Bevölkerungsgruppen zu entwickeln, die durch schlecht funktionierende BES gefährdet sind.

Jeffrey Bohn, Chief Research Officer von Swiss Re, betont denn auch den „enormen Bedarf an entsprechenden naturbasierten Versicherungslösungen“.

Entwicklungs- und Industrieländer betroffen

Dem SRI zufolge sind sowohl Entwicklungs- als auch Industrieländer gefährdet. In 39 Ländern seien Ökosysteme auf mehr als einem Drittel der Fläche fragil. „Malta, Israel, Zypern, Bahrain und Kasachstan belegen die letzten Plätze im BES-Ranking.“

Unter den Top Ten der Länder mit fragilen Ökosystemen und starker Abhängigkeit des BIP von BES stechen laut SRI die ressourcenreichen Entwicklungsländer mit großem Agrarsektor hervor, darunter Kenia, Vietnam, Pakistan, Indonesien und Nigeria.

Brasilien und Indonesien weisen innerhalb der G20 laut SRI den höchsten Prozentsatz intakter Ökosysteme auf. „Die starke wirtschaftliche Abhängigkeit dieser Länder von natürlichen Ressourcen verdeutlicht jedoch, wie wichtig nachhaltige Entwicklung und Naturschutz für die langfristige Tragfähigkeit ihrer Wirtschaft sind.“

Große Volkswirtschaften in Südostasien, Europa und Amerika, die bereits über eine diversifizierte Wirtschaft verfügen, seien gegenüber einem BES-Rückgang exponiert, weil wichtige Branchen von einzelnen BES-Faktoren beeinträchtigt werden können. „Wasserknappheit etwa kann sich disruptiv auf das verarbeitende Gewerbe, den Immobiliensektor und die Lieferketten eines Landes auswirken.“

Weltkarte, BES-Index (Quelle: SRI)
Zum Vergrößern Bild anklicken (Quelle: SRI).

Nutzen von Naturschutzmaßnahmen

Naturschutzmaßnahmen können wesentlich zur Bewältigung von BES-Herausforderungen beitragen, macht das SRI aufmerksam. „So könnte die Sanierung der Ökosysteme an der Küste von Louisiana die erwarteten Kosten infolge Überschwemmungen um jährlich 5,3 Milliarden US-Dollar reduzieren.“

Und: „Schritte zur weltweiten Sicherstellung funktionierender Korallenriffe könnten die geschätzten Hochwasserschäden bei Jahrhundertstürmen senken, die sonst weltweit um 91 Prozent zunehmen würden.“

Umweltkatastrophe Aralsee

Der Bericht führt auch ein Beispiel an, welche Konsequenzen der Zusammenbruch von Ökosystemen haben kann, nämlich die Zerstörung des Aralsees, „die zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch und einer Massenmigration aus dem umliegenden Küstengebiet geführt hat“.

Als weitere Beispiele führt das SRI die wirtschaftlichen Auswirkungen invasiver Arten, von Nährstoffabflüssen und Algenblüten oder die Folgen des Verschwindens von Bestäubern für die Landwirtschaft an.

„Auch die medizinische Forschung ist weltweit von der Dezimierung der Regenwälder stark bedroht, denn fast 50 Prozent aller Medikamente werden aus den natürlichen Ressourcen in diesem Lebensraum gewonnen.“

Zum Herunterladen

Der Bericht „Biodiversity and Ecosystem Services: A business case for re/insurance“ (60 Seiten, englisch) kann von der Website der Swiss Re heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Elementarschaden · Gesundheitsreform · Immobilie · Ranking
 
WERBUNG
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
17.1.2019 – Die Risikoeinschätzungen für 2019 stimmen wenig hoffnungsvoll. Für den Bericht des Weltwirtschaftsforums, an dem Zurich und Marsh & McLennan mitgewirkt haben, wurden rund 1.000 Experten und Entscheidungsträger befragt. (Bild: WEF) mehr ...
 
2.12.2016 – Wie Klein- und Mittelunternehmen Gefahren beurteilen, die sich aus dem Klimawandel für sie ergeben könnten, hat eine Umfrage unter 200 KMUs erhoben. (Bild: Zürich) mehr ...