Fonds: Wo es 2023 Chancen und Risiken gibt

20.1.2023 – Für den Fondsmanager Alois Wögerbauer sind die derzeitigen Konjunkturerwartungen zu negativ. Anleihen seien wieder interessant, bei Aktien würden die Treiber fehlen. Im Fall einer geopolitischen Entspannung gäbe es vor allem für österreichische Aktien aber einen großen Hebel nach oben.

Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken Generali KAG (links) mit VersicherungsJournal-Herausgeber Marius Perger (Bild: VJ)
Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken Generali KAG (links) mit VersicherungsJournal-Herausgeber Marius Perger (Bild: VJ).

Fondsgebundene Lebensversicherungen bieten Kunden meist die Möglichkeit zu „switchen“, also das Fondsvermögen umzuschichten. Für Kunden ebenso wie für Berater ist es deshalb gerade in Zeiten wie diesen interessant zu wissen, wie sich die Märkte entwickeln könnten.

Das VersicherungsJournal sprach mit dem Fondsmanager und Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.h. Alois Wögerbauer über seine Erwartungen für das heurige Jahr und wo er Chancen und Risiken sieht.

Insgesamt glaubt Wögerbauer, dass die Konjunkturerwartungen derzeit zu negativ seien. Die Rezession werde in Europa höchstens „mild bis sehr mild“ verlaufen und der „Zinsgipfel“ sei in Sicht, was sowohl für Anleihen als auch für Aktien wichtig sei.

Anleihen wieder interessant

Die „spannendste Anlageklasse“ derzeit seien Anleihen. Nachdem es seit 2017 Negativzinsen gegeben hatte, bestünden nun wieder Chancen: Anleihen bester Bonität mit fünf bis sieben Jahren Laufzeit brächten derzeit Renditen von knapp mehr als vier Prozent.

Damit würde „nach vorne gerechnet“ zumindest die Inflationsrate erreicht werden. Das sei sehr attraktiv, zuletzt habe es solche Renditen für Corporate Bonds in der Eurokrise 2012 gegeben. Damals seien aber die Unternehmensbilanzen bei weitem nicht so gut gewesen wie heute.

Sei man allerdings bereit, ein Aktien-ähnliches Risiko in Kauf zu nehmen, also Hochzinsanleihen oder Hybridanleihen zu kaufen, dann seien Renditen von sechs Prozent möglich, so Wögerbauer. Fazit: „Die Assetklasse ist zurück, es gibt wieder eine Alternative.“

Value-Aktien bevorzugen

Was Aktien betrifft, zeigt sich Wögerbauer weniger optimistisch: Es gebe nur zwei mögliche Treiber für Aktienmärkte – Gewinnwachstum und niedrige Zinsen.

Für das laufende Jahr erwartet er kein sehr großes Gewinnwachstum, in Europa sei ein leichtes Minus möglich, insgesamt sei nur mit einem kleinen Plus zu rechnen: „Dieser Treiber fehlt bis aus Weiteres“. 2024 könnte die Situation aber bereits wieder anders sein.

Was den zweiten möglichen Treiber betrifft, die Zinslandschaft, sieht Wögerbauer Aktien für das aktuelle Zinsumfeld „fair bewertet“, kurzfristig seien Bonds attraktiver. Positiv sei allerdings, dass es bei Aktien derzeit keine Übertreibungen mehr gebe.

Noch zu früh sei es für Wachstumsaktien. So lange die Zinsen nicht wieder sinken, werden diese leiden. Chancen gebe es derzeit aber im Bereich „Value“: Wögerbauer sieht hier „viele schöne Investments“, vor allem Banken und Rohstoffaktien seien attraktiv.

Wieder optimistischer für Schwellenländer

Schwellenländer mögen weder einen steigenden US-Dollar noch steigende US-Zinsen, sagt Wögerbauer. Weil er aber den Zinsgipfel noch im ersten Halbjahr erwartet und der Dollar 2023 etwas schwächer werden dürfte, sollte dies den Schwellenländern helfen: „Wir werden optimistischer“.

Zuerst sollte man dabei aber auf Anleihen schauen: Emerging Market Bonds seien mit Renditen von rund sieben Prozent wieder interessanter.

Unter den sogenannten „BRIC-Staaten“ müsse man Russland „abhaken“, Brasilien sei aus Investorensicht nicht sehr interessant und China sei „unberechenbar“. Einzig Indien laufe derzeit gut.

Was Mittel- und Osteuropa betrifft, gebe es nicht viele liquide, interessante Aktien. Wögerbauer: „Wenn ich für Tschechien optimistisch bin, dann kaufe ich Erste Bank.“

Österreich-Aktien: zyklischer Markt

Der Wiener Aktienmarkt zähle immer entweder zu den am besten oder den am schlechtesten performenden Märkten. Das liege daran, dass er „zu 100 Prozent zyklisch“ ist, es gebe hier fast nur Unternehmen, die von der Konjunktur abhängig sind.

Derzeit seien heimische Aktien günstig bewertet und bieten eine hohe Dividendenrendite. Größtes Risiko sei eine weitere Eskalation in der Ukraine. Käme es wider Erwarten doch zu einer Rezession, so würde die Wiener Börse zu den am stärksten betroffenen Finanzplätzen zählen.

Im Fall einer geopolitischen Entspannung würde Wien aber stark profitieren, auch weil dann das Auslandskapital wieder zurückkäme: Immerhin stammen 75 Prozent der Investoren der Wiener Börse aus dem Ausland. Entwickle sich die Konjunktur besser als erwartet, besitze Wien den „größten Hebel nach oben“.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Fondspolicen · Konjunktur · Lebensversicherung
 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
21.12.2021 – Im zweiten Teil des Jahresrückblicks haben wir Ereignisse aus den Monaten Mai bis August im Überblick zusammengestellt. mehr ...
 
21.4.2021 – Mehr Prämien in allen drei Sparten, weniger Gewinn vor Steuern: Die Wiener Städtische hat ihre Geschäftszahlen für das letzte Jahr vorgestellt und wirft einen Blick auf die nahe Zukunft. 2021 werde wohl nicht einfacher als 2020, Generaldirektor Ralph Müller gibt sich aber zuversichtlich. (Bild: Ian Ehm) mehr ...
 
18.3.2019 – Gibt es den „richtigen Zeitpunkt“ für den Einstieg in das Vorsorgeinvestment? Sind die Anlagerisiken beherrschbar? Was dem Kunden sagen, wenn die Märkte nach unten gehen? Sollte man sich von der Abschlussprovision „verabschieden“? Und bieten manche Produkte bereits so viel Vielfalt, dass es vielleicht zu viel des Guten ist? (Bild: VersicherungsJournal) mehr ...
 
15.5.2018 – Wo erzielen Versicherungskonzerne derzeit in Österreich Zuwächse? Ein Vergleich der Sparten-Trends mehrerer größerer Anbieter gibt eine gewisse Orientierungshilfe. mehr ...