Greenpeace: Versicherungen bei Klimaschutz auf gutem Weg

16.10.2019 – Greenpeace hat die jeweils zehn größten Versicherungen und Banken in Österreich gefragt, wie sie Reiseaufwand reduzieren, den Fuhrpark umweltfreundlicher machen und damit zur Verkehrswende beitragen wollen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Finanzbranche bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt hat. Damit könne sie für andere Branchen ein Vorbild sein.

In einer „Best-Practice-Analyse“ hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace die Rolle der Finanzbranche bei der „Verkehrswende“ untersucht. Dabei ging es vor allem um den Fuhrpark, um Dienstreisen, die Gestaltung der Arbeitswege und um mögliche Anreize für Kunden.

Insgesamt würden in Österreich 14 Prozent aller Fahrzeuge Firmen gehören, deren Fahrleistung sei doppelt so hoch wie jene von Privatautos. Damit seien Firmenfahrzeuge für rund 30 Prozent der CO2-Emissionen aller Autos verantwortlich, was rund vier Millionen Tonnen pro Jahr entspreche.

Mit mehr als 10.000 Fahrzeugen gehöre der Finanzsektor zu den Branchen mit den meisten Firmen-Pkw. Dazu komme, dass diese überwiegend für den Transport von Personen genutzt werden, was eine gute Voraussetzung für Elektromobilität sei.

Finanzbranche teilweise vorbildlich

Mit den Ergebnissen zeigt sich Greenpeace „insgesamt zufrieden“: Die Finanzwirtschaft sei auf einem guten Weg. Allerdings gebe es einen hohen Anteil an Diesel-Fahrzeugen, eine sehr hohe Anzahl an Dienstautos zur privaten Nutzung und nur teilweise eine Reduktion von Flügen, kritisiert Greenpeace.

Die meisten anderen Branchen hätten nach Greenpeace-Recherche in Österreich bisher aber „deutlich weniger Maßnahmen im Bereich der betriebsinternen Mobilität“ umgesetzt. Damit könnte die Finanzbranche anderen Branchen mit vielen Fahrzeugen und Dienstreisen als Vorbild dienen.

Gefordert sei aber auch die Politik; Greenpeace wünscht sich Förderungen für die Ladeinfrastruktur, Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger im städtischen Bereich, eine Reform des Steuerrechts und ein Verbot neuer Diesel- und Benzinfahrzeuge ab 2028 ebenso wie einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs.

Mögliche Maßnahmen

Greenpeace hat sieben Maßnahmen definiert, mit denen Unternehmen zur Verkehrswende beitragen können. Vor allem müssten Ziele bezüglich CO2-Reduktion, Reduktion des Verkehrsbedarfs und des Ausstiegs aus Verbrennungsmotoren definiert werden.

Weitere notwendige Maßnahmen seien die Reduktion des Reiseaufwands, die Ökologisierung des Fuhrparks, die Nutzung von Mikromobilität speziell im städtischen Raum sowie die Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel bei Dienstreisen.

Schließlich gehe es auch darum, Anreize für Mitarbeiter für einen Auto-freien Weg zur Arbeit zu schaffen; ebenso sollte es Anreize für Kunden geben, weniger Autos zu verwenden oder auf Elektromobilität umzusteigen, so Greenpeace.

Befragte Unternehmen

Greenpeace hat nach eigenen Angaben die jeweils zehn größten, in Österreich vertretenen Banken und Versicherungen um Informationen gebeten. Aus der Versicherungsbranche waren dies:

Keine Antworten habe man von Ergo, Grazer Wechselseitiger und Wüstenrot erhalten. Allerdings gebe es bei Ergo und Wüstenrot öffentlich verfügbare Informationen zu den Themen Klimaschutz und Mobilität, die im Report berücksichtigt worden seien.

Ambitionierte Ziele

Das Bewusstsein über die Klimakrise sei in der Finanzbranche schon länger vorhanden, nicht zuletzt deshalb, weil gerade Versicherungen durch die Zunahme klimabedingter Schäden auch selbst zu den Betroffenen zählen.

Greenpeace-Bericht zu Klimaschutz-Maßnahmen in der Finanzbranche (Quelle: Greenpeace)
Greenpeace-Bericht zu Klimaschutz-Maßnahmen
bei Banken und Versicherungsunternehmen
(Quelle: Greenpeace)

Zur Formulierung von Zielen nennt Greenpeace beispielsweise die Allianz, die bis 2020 konzernweit pro Mitarbeiter 30 Prozent der CO2-Emissionen und 30 Prozent des Energiebedarfs gegenüber 2010 einsparen will.

Die Zürich Versicherung wolle die gesamten CO2-Emissionen sowie jene aus Reisen zwischen 2015 und 2025 um 20 Prozent pro Mitarbeiter senken.

Reiseaufwand reduzieren

Zur Reduktion des Reiseaufwandes dienen beispielsweise Videokonferenzen oder die Forcierung von Home Offices, wie Greenpeace erläutert. So setze die Wiener Städtische auf Webinare, um den Reiseaufwand für Schulungszwecke zu senken.

Darüber hinaus können auch Pkw- durch Bahnreisen ersetzt werden. Damit habe die Generali 2018 in Österreich 100 Tonnen CO2 eingespart, die Allianz 70 Tonnen und die Wiener Städtische 50 Tonnen. Bei letzterer gibt es auch eine Betriebsvereinbarung, die die Bahnnutzung unterstützt.

An einem Projekt für Mitfahrgelegenheiten für Pendler arbeitet derzeit die Uniqa, während die Wiener Städtische unter bestimmten Voraussetzungen Mitarbeitern Kosten für öffentliche Verkehrsmittel ab 20 Kilometer Pendel-Entfernung ersetzt.

Fuhrpark wird grüner

Bei der Uniqa sind sämtliche 18 Pool-Autos der Landesdirektionen Elektrofahrzeuge; die Allianz besitzt sieben E-Autos, auch Wüstenrot verfügt laut ihrem „Nichtfinanziellen Bericht 2019“ über solche, so Greenpeace.

Helvetia will in Kürze mit dem Aufbau einer Ladeinfrastruktur an ihren Standorten beginnen, um Elektrofahrzeuge in den Fuhrpark aufnehmen zu können. Zumindest teilweise aus der Diesel-Technologie aussteigen wollen Helvetia und Wiener Städtische, bei denen auch Benzinfahrzeuge im Einsatz sind.

Einen anderen Weg beschreitet die Uniqa: Mitarbeiter sollen sich in Zukunft zwischen einem Dienstwagen und einem Mobilitätsbudget, beispielsweise für Bahnkarten oder Leihautos, entscheiden können.

Weitere Maßnahmen

Darüber hinaus gebe es in der Wiener Zentrale der Uniqa E-Scooter und E-Fahrräder für innerstädtische Dienstfahrten. Auch bei der Generali könnte es in Zukunft Dienst-E-Bikes geben.

Verkleinert hat ihren Fuhrpark in den letzten Jahren die Generali; dazu beigetragen hätten verstärkte Telekommunikation und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Die Uniqa wiederum habe den Flottenverbrauch von 119 Gramm CO2 pro Kilometer im Jahr 2015 auf 100 Gramm reduziert.

Mit Rabatten bei der Versicherungsprämie schaffen mehrere Versicherungen auch Anreize für ihre Kunden, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen. 25 Prozent günstiger sei die Prämie bei der Uniqa, je 20 Prozent Rabatt bieten laut Greenpeace Allianz, Helvetia und Wiener Städtische.

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Dienstreise · Mitarbeiter · Pkw · Steuern
 
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