Hagelversicherung warnt vor Verlust der Ernährungssouveränität

28.6.2018 – Die Hagelversicherung spricht vom Anbruch eines „neuen Zeitalters der Unsicherheit“ und warnt vor steigender Auslandsabhängigkeit in Bezug auf die Nahrungsmittelversorgung. Die Österreicher seien auf Lebensmittelkrisen „überhaupt nicht vorbereitet“. 3,1 Millionen hätten im Krisenfall nach drei Tagen keine Vorräte mehr.

General Othmar Commenda (li.) und Hagelversicherungschef Kurt Weinberger (Bild: Hagelversicherung)
General Othmar Commenda (li.) und
Hagelversicherungschef Kurt Weinberger
(Bild: Hagelversicherung)

Pro Tag werden laut Österreichischer Hagelversicherung VVaG, im Schnitt der letzten Jahre, 20 Hektar an Agrarflächen dauerhaft der Produktion entzogen.

Schon früher hat die Hagelversicherung, regelmäßig nach Hochwasserschäden, zum einen darauf hingewiesen, dass mehr Bodenverbrauch weniger Absorptionsfähigkeit bedeute, sprich das Überschwemmungsrisiko steige – dies gerade auch vor dem Hintergrund des Klimawandels und der damit verbundenen Wetterextreme.

„Ernährungssouveränität“ geht verloren

Zum anderen gehe durch fortschreitenden Bodenverbrauch „zunehmend unsere Ernährungssouveränität“ verloren, betonte Vorstandsvorsitzender Kurt Weinberger beim jüngsten „Nachhaltigkeitsfrühstück“ der Hagelversicherung, wie das Unternehmen berichtet.

„Damit sind wir à la longue nicht mehr im Stande, das, was wir für das Leben brauchen, aus eigenen Ressourcen selbst zu erzeugen“, sagt Weinberger. Die Hagelversicherung hatte bereits in der Vergangenheit vor einer steigenden Auslandsabhängigkeit gewarnt (VersicherungsJournal 2.10.2017).

„Österreich ist von Konflikten im europäischen Umfeld, Massenmigration, Terrorismus, Cyber-Bedrohungen und Bedrohungen unserer Böden durch Verbauung zunehmend betroffen“, fügte General Othmar Commenda, Chef des Generalstabs des Bundesheeres, hinzu.

„Eine Investition in unsere Sicherheit“ sei heute „wichtiger denn je“, wird Commenda weiter zitiert. „Nur so ist die militärische Grundbefähigung gesichert.“

3,1 Millionen wären nach drei Tagen ohne Nahrungsvorräte

„Das in Summe veränderte Bedrohungsszenario“ erfordere ein sicherheitspolitisches Umdenken, meint man in der Hagelversicherung – und denkt dabei nicht nur an eine militärische Szenarien: Auch Terrorismus und Cyberattacken könnten Versorgungsengpässe herbeiführen.

„Wir sind in diesem Punkt unheimlich verwundbar“, sagt Commenda und empfiehlt auch jedem Einzelnen, Vorkehrungen zu treffen – ohne Vorräte bei einem Ausfall von Kühlgeräten oder Heizungen rasch zur Krise käme.

Im Ernstfall hätten in Österreich 3,1 Millionen Menschen nach drei Tagen ohne Wasser und Strom keine Nahrungsmittelvorräte mehr, wie es in dem Bericht der Hagelversicherung weiter heißt.

Menschen für Gefahren sensibilisieren

„Wir müssen die Menschen dafür sensibilisieren, dass es diese Gefahren nicht nur im Fernsehen oder weit weg gibt“, folgert Commenda.

Ein umfassender Bevölkerungsschutz und die Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Staat und Gesellschaft müssten dabei im Vordergrund stehen.

Wir verlieren durch den fortschreitenden Bodenverbrauch zunehmend unsere Ernährungssouveränität.

Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender Hagelversicherung

Die „Lebensmittelsouveränität im eigenen Land“ müsse „entsprechende Priorität“ genießen. Dies sei nur mit ausreichend großen Agrarflächen möglich. „Alles andere bedeutet Abhängigkeiten.“

Commenda rechnet mit Zunahme von Migration und Flucht

Er rechnet überdies mit weiteren Flüchtlingswellen: „Aufgrund der Erderwärmung per se, verbunden mit dem Raubbau an Grund und Boden durch ausländische Investoren, ist mit dem Verlust großer Teile des Agrarlandes in Subsahara-Afrika innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre zu rechnen.“

Die Konsequenz sei eine weitere Zunahme von Massenmigration und Flucht nach Europa. „Daher ist ein effektiver Grenzschutz unabdingbar“, fügt Commenda hinzu.

Ruf nach „Trendumkehr“ bei Bodenverbrauch

Österreich sei beim Bodenverbrauch im negativen Sinn Europameister, sagt Weinberger und erwartet, dass „der Kampf um die immer weniger verfügbaren Ressourcen“ in Zukunft weiter zunehmen wird.

Wer über Ressourcen verfüge, sei in einer besseren Lage als derjenige, der sie sich beschaffen muss. Das werde „zwangsläufig zu machtpolitischen Verschiebungen führen“, so der Versicherer. Profiteure seien jene, die über Ressourcen verfügen.

Weinberger und Commenda plädieren deshalb für eine rasche „Trendumkehr“ beim Bodenverbrauch. „Nur so können wir unseren zukünftigen Generationen einen einzigartigen Lebensraum weitergeben, Abhängigkeiten bei der Lebensmittelversorgung vermeiden sowie einen Beitrag zu Frieden und Sicherheit leisten.“

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Elementarschaden · Nachhaltigkeit
 
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