Hitze: Kfz-Hilfe im Dauereinsatz, Rekordschäden für Landwirte

8.8.2018 – Die Autofahrerclubs sind wegen der hohen Temperaturen derzeit gehäuft im Einsatz: Die Hitze setzt Batterien, Kühlsystemen und Elektronik in Fahrzeugen zu. Mit „Schäden wie noch nie“ kämpft indes die Landwirtschaft, die Hagelversicherung beziffert die Schätzungen bis dato mit 210 Millionen Euro. Sie warnt davor, dass eine Zunahme von Wetterextremen die Sicherheit der Lebensmittelversorgung gefährdet.

Die sommerliche Hitze macht so manchem zu schaffen – auch manchem Fahrzeug. So ließ der ÖAMTC jüngst wissen, man sei deswegen im Dauereinsatz.

„Die Hitzewelle fällt genau mit der Hauptreisezeit zusammen. Das spüren natürlich auch unsere Pannenfahrer, die seit 1. Juli österreichweit rund 60.100 Einsätze zu absolvieren hatten“, sagte Harald Mlinarik von der ÖAMTC-Pannenhilfe kürzlich.

In 23.600 Fällen war mit Pannenhilfe nichts mehr auszurichten – der Abschleppdienst musste ans Werk.

Batterie, Kühlsystem, Elektronik

Zu den typischen Pannenursachen zählt laut ÖAMTC, dass hohe Temperaturen zusammen mit städtischem Stop-and-go-Verkehr das Kühlsystem streiken lassen. Auch Probleme mit der Elektronik träten häufig auf.

Einen Mythos nennt Mlinarik den Glauben, dass die Batterie nur im Winter der stärkste Einsatzgrund sei: „Auch im Sommer entfällt gut ein Drittel der Pannenhilfen darauf.“ Autobatterien würden bei Hitze genauso instabil wie bei Kälte.

Erich Groiss, technischer Koordinator beim Arbö, bestätigt: „Durch die enorme Hitze kommt es in den Batteriezellen zum Kurzschluss. Außerdem ist die Selbstentladung der Batterie höher als bei kühlerem Wetter.“

Gerade vor längeren Fahrten sollte im Übrigen der Luftdruck in den Reifen angepasst werden, rät der Arbö. Durch zusätzliches Gewicht des Gepäcks und Mitreisender erhöhe sich die Auflagefläche des Reifens. „Daher überhitzt der Pneu, was zu einem Reifenplatzer führen kann“, erklärt der Arbö.

Landwirtschaft leidet: Regen blieb teils zu über 85 Prozent aus

Niederschlagsdefizit 2018 (Bild: Hagelversicherung)
Zum Vergrößern Bild anklicken (Grafik: Hagelversicherung)

Noch um einiges problematischer als eine streikende Autobatterie ist, was die Österreichische Hagelversicherung VVaG am Dienstag zu berichten hatte.

Sie spricht von landwirtschaftlichen Rekordschäden durch Hitze und Dürre, nachdem im Norden und Westen Österreichs von März bis August teilweise über 85 Prozent weniger Regen als im zehnjährigen Durchschnitt gefallen sei.

Beim Getreide gab es laut Hagelversicherung regional Ertragsausfälle sowie in weiten Teilen Österreichs massive Schäden am Grünland.

Rund 210 Millionen Euro Schaden

Nach derzeitigen Schätzungen belaufe sich der Gesamtschaden in der Landwirtschaft auf 80 Millionen Euro beim Getreide und 130 Millionen Euro beim Grünland. „Solche Dürreschäden gab es noch nie in Österreich.“

Abzuwarten sei allerdings erst noch die Entwicklung bei den Herbstkulturen wie Soja, Mais oder Zuckerrüben, um das gesamte Dürre-Schadensausmaß abschätzen zu können.

„Die Landwirtschaft ist zunehmend mit Dürrekatastrophen konfrontiert. Als Risikomanager gehe ich mit dem Begriff Katastrophe sehr vorsichtig um. Wenn ich mir aber die letzten Jahre anschaue, dann steuern wir auf eine Katastrophe hin bzw. sind schon mitten drinnen“, sagt Hagelversicherungschef Kurt Weinberger.

In den letzten sechs Jahren seien vier Mal massive Dürreschäden aufgetreten. 2018 bringe, nicht zuletzt auch nach einem trockenen Frühjahr, „Schäden wie noch nie“.

Problem für die Sicherheit der Lebensmittelversorgung

Kurt Weinberger (Bild: Hagelversicherung)
Kurt Weinberger
(Bild: Hagelvers.)

Weinberger sieht darin einen Beleg dafür, „welche fatalen Auswirkungen der Klimawandel auf das Wirtschaften in der freien Natur hat“.

Letztlich seien nicht nur die Landwirte betroffen. „Schlussendlich betrifft es die Lebensmittelversorgungs-Sicherheit Österreichs und somit die gesamte Bevölkerung“.

Mittlerweile sei Österreich von einem Getreideüberschussland zu einem Importland geworden (VersicherungsJournal 2.10.2017).

Weinberger: „Wir können die österreichische Bevölkerung nur noch zu 80 Prozent mit Getreide selbst versorgen. Österreich wird dadurch in Zukunft sehr verletzbar.“

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