Inflation als Risikofaktor für Versicherungen

25.11.2022 – Das hohe Preis(steigerungs)niveau könnte negative Folgen für Versicherungen haben, macht die FMA aufmerksam. Sie spricht von Stornogefahr und spartenspezifischen Effekten. Beispielsweise könnten andere Produkte attraktiver wirken als die Lebensversicherung oder die Krankenversicherung zum „Luxusprodukt“ werden.

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Zerknitterte Euro-Scheine (Bild: Sara Kurfeß auf Unsplash)
Bild: Sara Kurfeß auf Unsplash

Im Oktober hat die Inflationsrate (Verbraucherpreisindex, VPI) in Österreich einen Wert von 11,0 Prozent erreicht, nach 10,6 Prozent im September. Dies teilte die Statistik Austria kürzlich mit.

Rechnet man Haushaltsenergie und Treibstoffe heraus, hätte die Inflation 7,3 Prozent betragen. „Bei den beiden wichtigsten Preistreibern, der Haushaltsenergie gefolgt von den Treibstoffpreisen, hat der Aufwärtstrend ein vorläufiges Ende erreicht“, fügte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas hinzu.

Dafür erfasse die Teuerungswelle immer mehr Ausgabenbereiche. „Bei Bekleidung, die in den letzten Monaten kaum Teuerungen aufwies, gab es im Oktober einen markanten Preissprung“, so Thomas.

„Zudem dreht sich die Preisspirale bei Möbeln immer schneller, bei Nahrungsmitteln und in der Gastronomie hingegen etwas weniger dynamisch.“

Inflationsprognosen für 2023/24/25

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hält in ihrem vor kurzem erschienenen Bericht zur Lage der Versicherungswirtschaft fest, dass die Inflationsprognosen für 2023 „deutlich nach oben revidiert“ worden seien.

Die Mehrzahl der Institutionen sehe sie zwischen vier und sechs Prozent: „Ab 2024 werden wieder geringere Inflationsraten (maximal 3%) prognostiziert; ab 2025 liegt die Schätzung des IWF bei 2%. Dies würde dem langfristigen Inflationsziel der EZB exakt entsprechen.“

Inwieweit die Prognosen tatsächlich eintreffen, steht freilich auf einem anderen Blatt. Vor einem Jahr, im November 2021, war die Europäische Zentralbank (EZB) noch „zuversichtlich, dass die Inflation im Laufe des Jahres 2022 zurückgehen wird“. Drei Monate später griff Russland die Ukraine an.

Risikofaktor für Versicherungen

Allgemein bedeute eine hohe Inflation für Versicherer, „dass durch geringere reale Haushaltseinkommen das Prämienwachstum durch Unsicherheit sinken könnte“, schreibt die FMA in ihrem Bericht.

Je nach Sparte kann sich Inflation als Risikofaktor unterschiedlich auswirken, wie sie in der Folge darlegt. In der Lebensversicherung könnten zinsbedingte Storni eintreten, „da die Attraktivität anderer Anlageformen steigt“.

Auch die Krankenversicherung könnte wegen der Inflation von Storni betroffen sein: Sie könnte zu einem „Luxusprodukt“ werden, das sich die Konsumenten nicht mehr leisten können.

In Nicht-Leben könnte zusätzlich zur Stornogefahr ein Prämienwettkampf entstehen. Das Resultat zunehmender Schadenskosten könnten zu geringe Reserven für die Verpflichtungen sein, so die FMA weiter. „Außerdem ergibt sich die Gefahr einer Unterversicherung. Es stellt sich auch die Frage nach der künftigen Leistbarkeit der Prämien.“

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Lebensversicherung · Versicherungsaufsicht
 
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