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Insolvenzen: Noch keine Entwarnung

8.10.2026 – Die Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen sank in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein knappes Prozent auf 5.115; stark gestiegen ist allerdings die Zahl der mangels Vermögens abgewiesenen Konkursanträge. Deutlich weniger Insolvenzen verzeichnete das Kredit- und Versicherungswesen.

Symbolbild (Foto: Chronomarchie auf Pixabay)
Symbolbild (Foto: Chronomarchie auf Pixabay)

Der Österreichische Verband Creditreform hat die Firmeninsolvenzstatistik für die ersten drei Quartale dieses Jahres veröffentlicht. Die Zahl der Pleiten sei zwar leicht rückläufig gewesen, für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh.

Die gesunkene Zahl der Insolvenzen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen weiterhin angespannt ist, kommentiert Creditreform-Geschäftsführer Gerhard M. Weinhofer. Für Unternehmen bestehe nach wie vor hoher Kosten- und Margendruck.

Eine leichte konjunkturelle Verbesserung reiche nicht aus, um die Belastungen der vergangenen Jahre vollständig zu überwinden. Vor allem für margenschwache Betriebe bleibe die finanzielle Widerstandsfähigkeit eine zentrale Herausforderung.

Kredit- und Versicherungswesen deutlich besser

Insgesamt gab es in Österreich in den ersten neun Monaten 13.012 Insolvenzen, davon 5.115 Unternehmens- und 7.897 Privatinsolvenzen. Während die Zahl im Firmenbereich gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 0,8 Prozent sank, stieg sie im Privatbereich um 12,2 Prozent.

Von den 5.115 Firmeninsolvenzen wurden 2.922 auch eröffnet. Deutlich gesunken ist die Zahl der Konkursverfahren (-8,5 Prozent auf 2.642), die Zahl der Sanierungsverfahren betrug 280 (Vorjahreszeitraum: 259). Um 9,2 Prozent auf 2.193 Fälle stark gestiegen sind mangels Vermögens abgewiesene Insolvenzverfahren.

Unter den sieben in der Statistik ausgewiesenen Sektoren entfiel die höchste absolute Zahl mit 889 Insolvenzen wie im Vorjahr auf „unternehmensbezogene Dienstleistungen“. Die wenigsten Insolvenzen gab es erneut im „Kredit- und Versicherungswesen“.

Bezogen auf jeweils tausend Unternehmen verzeichnete „Verkehr- und Nachrichtenübermittlung“ mit 32,6 Fällen die höchste Zahl an Insolvenzen (Vorjahreszeitraum: 38,2 Fälle). Kredit- und Versicherungswesen liegt mit 25,9 Insolvenzen pro tausend Betrieben auf Rang drei (Vorjahr: 33,4 Fälle, Rang zwei).

Unternehmensinsolvenzen Österreich, 1. Bis 3. Quartal 2026

Branche

Insolvenzen

+/- gegenüber
 Q1-3/2025

Insolvenz-
quote*

Verkehr- und Nachrichtenübermittlung

481

-11,3 %

32,6

Bauwesen

666

+2,8 %

27,6

Kredit- und
Versicherungswesen

145

-15,7 %

25,9

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

620

+5,3 %

14,0

Unternehmensbezogene Dienstleistungen

889

-0,3 %

11,9

Sachgütererzeugung

288

-7,4 %

10,1

Handel

757

-7,3 %

9,8

Übrige

1.269

+7,1 %

n.a.

Gesamt
- eröffnete 
  Insolvenzverfahren
- mangels Vermögens 
  abgewiesene
  Insolvenzverfahren

5.115

2.922


2.193

-0,89 %

-7,2 %


+9,2 %

13,9

Unterschiede nach Region und Rechtsform

Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den einzelnen Bundesländern: Am höchsten ist die Insolvenzquote mit 22,8 Fällen je 1.000 Unternehmen in Wien, gefolgt von Kärnten (13,8) und Niederösterreich (13,2).

Die relativ wenigsten Insolvenzen gab es in Tirol: Auf je 1.000 Betriebe entfielen dort in den ersten neun Monaten 7,2 Insolvenzen. An zweiter Stelle rangiert Vorarlberg (9,5), dahinter folgt Salzburg (10,2).

Am stärksten gestiegen ist die Zahl der Insolvenzen allerdings in Vorarlberg (+48,6 Prozent); Zuwächse verzeichneten auch Kärnten, die Steiermark und Niederösterreich. Deutlich rückläufig entwickelten sie sich in Tirol (-33,4 Prozent), Salzburg (-14,8 Prozent) und dem Burgenland (-12,7 Prozent).

Betrachtet man die Rechtsform der insolventen Unternehmen, so gibt es die höchste Zahl bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) mit 2.280 Fällen, auf Rang zwei folgen nicht protokollierte Einzelfirmen mit 1.962 Insolvenzen.

Weiterhin herausforderndes Umfeld

Österreichs Wirtschaft komme nur langsam aus der Schwächephase heraus, so Creditreform. Zwar sei im zweiten Halbjahr mit einer Rückkehr auf einen moderaten Wachstumspfad zu rechnen, die Wirtschaft befinde sich damit aber noch nicht in einer Phase kräftiger Expansion.

„Die kommenden Monate werde zeigen, wie nachhaltig die derzeit erwartete Konjunkturerholung tatsächlich ausfällt“, so Weinhofer. Mehr denn je gelte für Unternehmen, dass Liquidität der entscheidende Schutzschirm gegen wirtschaftliche Schocks ist.

Funktionierendes Risiko- und Forderungsmanagement seien deshalb wesentliche Bestandteile der Unternehmenssteuerung; insbesondere für Unternehmen mit geringen Margen können Forderungsausfälle rasch existenzbedrohend werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Darlehen · Konjunktur
 
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