Kein Winter wie früher, dafür Pandemiemanagement wie früher

23.11.2021 – Im Omnibus kann man immer wieder einmal beobachten, wie der eine oder andere Fahrgast beim Losfahren von der Wirkung des eigentlich seit längerem bekannten Trägheitsgesetzes verblüfft ist. Das österreichische Pandemiemanagement weckt über weite Strecken Erinnerungen an solche Szenen.

Emanuel Lampert, Chefredakteur (Bild: Lampert)
Emanuel Lampert,
Chefredakteur
(Bild: Lampert)

Es ist November, und die Regierung ist wieder einmal davon überrascht worden, dass Pandemie ist. Immerhin: Solange nicht aufgehört wird, die Lockdowns zu nummerieren, besteht wohl Hoffnung.

Hoffnungsfroh stimmt auch, dass es die Politik auch nach bald zwei Jahren Corona nicht verlernt hat, die Krisenstimmung dadurch erträglicher zu machen, dass sie am Höhepunkt des Dramas zum heiteren Rätselraten im engen Zeitkorsett lädt.

So haben Österreichs oberste Krisenmanager letzten Freitag wieder einmal einen traditionell kurzfristig anberaumten Startschuss zum „Was könnte für wen gelten, und zwar schon ab Montag“-Spiel gegeben.

Und wieder einmal konnte man dann auch schon am Sonntagabend mit Kundmachung der „5. Covid-19-Notmaßnahmenverordnung“ erfahren, wie die rechtliche Basis für die Zeit ab dem nächsten Tag aussieht.

Last-Minute-Vorschriften

Klar, die Entwicklung war auch in diesem Herbst in keiner Weise vorhersehbar, und Lockdown, so etwas hatten wir noch nie. Da dauert das Ausformulieren der neuen Vorschriften eben. Eh besser, denn wer will in einer Situation, die ohnehin schon aufs Gemüt drückt, früher als in letzter Sekunde mit Details belastet werden.

Auf der Website des Gesundheitsministeriums fand sich noch am 22. November im Abschnitt „Coronavirus – Häufig gestellte Fragen“ der Hinweis, dass mit 22. November besagte Verordnung in Kraft getreten ist – und dass die Informationen auf dieser Seite „in Kürze angepasst“ werden. In der Ruhe liegt die Kraft.

Positiv anzurechnen ist auch die Kontinuität vom letzten Wochenende. Bedenkt man die Entscheidungsfindungsprozesse der vorangegangenen Wochen, hätte man sich schließlich auch kaum mehr gewundert, wenn der Lockdown am Sonntag doch noch abgesagt worden wäre.

Impf-Europameister Österreich

Angesichts dessen kann es schon erstaunen, wenn das Pandemiemanagement mehrheitlich nicht goutiert wird. Sicher, Spanien hat eine Impfquote von fast 80 Prozent geschafft und befindet sich dementsprechend offenbar in einer weit komfortableren Lage als Österreich.

Dem können wir aber entgegenhalten, dass wir trotzdem Nummer eins sind, wie in der „ZIB 2“ am Sonntag vom Gesundheitsminister zu erfahren war: Uns gelingt das erstaunliche Kunststück, selbst mit einer im EU-Vergleich nur mittelmäßigen Impfquote „Impf-Europameister“ zu sein.

Als erfreuliche Aussicht bleibt für die Geimpften und Genesenen außerdem die Gewissheit, dass der Lockdown für sie nicht länger als noch knapp drei Wochen dauert. Außer, er dauert länger.

———

P.S.: Die „5. Covid-19-Notmaßnahmenverordnung“ ist im Rechtsinformationssystem des Bundes nachzulesen. Die Wirtschaftskammer stellt aktuelle Corona-Informationen und ihre Interpretation der neuen Verordnung auf einer eigenen Webseite zur Verfügung.

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