Keine Insolvenzwelle mehr, Niveau aber „historisch hoch“

12.8.2026 – Im ersten Halbjahr ist die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen laut Creditreform gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025 um 1,6 Prozent auf 3.443 gesunken. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Creditreform eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau.

Der Gläubigerschutzverband Creditreform meldet für das erste Halbjahr 2026 österreichweit 3.443 Unternehmensinsolvenzen, ein Rückgang um 1,6 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.

Davon waren 1.984 eröffnete Insolvenzverfahren (–8,2 Prozent), 1.459 mangels Vermögens abgewiesene Insolvenzanträge (+9,0 Prozent).

Damit setze sich zwar die „Dynamik der starken Insolvenzwelle der vergangenen Jahre“ nicht weiter fort, das Niveau bleibe jedoch „historisch hoch“.

Positives Signal, aber keine nachhaltige Entspannung

„Der leichte Rückgang ist zweifellos ein positives Signal. Von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein“, kommentiert Creditreform-Geschäftsführer Gerhard M. Weinhofer.

Die österreichische Wirtschaft befinde sich weiterhin in einer Phase der Konsolidierung. „Viele Unternehmen kämpfen nach wie vor mit schwacher Nachfrage, hohen Personal- und Energiekosten sowie einer insgesamt angespannten Ertragslage.“

Es zeige sich, dass sich die Unternehmen zunehmend an das schwierige wirtschaftliche Umfeld angepasst hätten, so Creditreform. Gleichzeitig würden aber nach wie vor jene Betriebe ausscheiden, deren Eigenkapitalbasis durch die Krisen der vergangenen Jahre nachhaltig geschwächt worden sei.

Wie sich die Branchen entwickelt haben

Creditreform weist für sieben Branchen detaillierte Zahlen aus. Die höchste Insolvenzquote – sie beschreibt die Anzahl der Insolvenzen je 1.000 Unternehmen eines Wirtschaftszweigs – hatte demnach der Sektor „Verkehr und Nachrichtenübermittlung“ (23,3).

An zweiter Stelle liegt das Bauwesen mit einer Insolvenzquote von 19,0. Knapp dahinter folgt das Kredit- und Versicherungswesen mit einer Quote von 17,5; die Anzahl der Insolvenzen hat sich hier aber um fast ein Viertel auf 98 verringert.

„Vor allem Branchen mit hoher Kostenbelastung und geringem Preissetzungsspielraum stehen weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Das gilt insbesondere für Bau, Transport und Teile des Tourismus“, stellt Weinhofer fest.

Insolvenzen nach Branchen

Branche

Insolvenzen

+/– ggü.
H1 2025

Insolvenz-quote

Verkehr und Nachrichtenübermittlung

344

–4,7 %

23,3

Bauwesen

458

+1,1 %

19,0

Kredit- und Versicherungswesen

98

–23,4 %

17,5

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

424

+5,7 %

9,6

Unternehmensbezogene Dienstleistungen

573

–4,7 %

7,7

Sachgütererzeugung

191

–9,9 %

6,7

Handel

491

–11,2 %

6,4

Übrige

864

+9,4 %

k.A.

Gesamt

3.443

–1,6 %

9,4

Weniger Großinsolvenzen, mehr KMU betroffen

Im ersten Halbjahr 2026 habe es, wenn auch mit rückläufiger Entwicklung, wieder mehrere größere Insolvenzen gegeben.

„Großinsolvenzen prägen regelmäßig die öffentliche Wahrnehmung. Tatsächlich besteht das Insolvenzgeschehen aber überwiegend aus kleinen und mittleren Unternehmen, deren wirtschaftliche Schwierigkeiten oftmals weit weniger öffentlich wahrgenommen werden“, sagt Weinhofer.

Nach Unternehmensformen betraf fast die Hälfte der Insolvenzverfahren GmbHs (1.532; –3,9 Prozent), 1.338 betrafen nicht protokollierte Gewerbebetriebe (+5,1 Prozent). An dritter Stelle folgten Einzelunternehmen (184; –15,6 Prozent).

Das Volumen an betroffenen Verbindlichkeiten beziffert Creditreform mit 4,4 Milliarden Euro, jenes der betroffenen Jobs mit rund 10.000.

Prognose für das Gesamtjahr: Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau

Für die zweite Jahreshälfte erwartet Creditreform keine grundlegende Veränderung des Insolvenzgeschehens: „Die Konjunktur dürfte sich zwar langsam stabilisieren, gleichzeitig bleiben Finanzierungskosten, schwache Investitionsbereitschaft und geopolitische Unsicherheiten belastende Faktoren.“

Weinhofer: „Wir rechnen für das Gesamtjahr 2026 mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau. Die österreichischen Unternehmen haben ihre Widerstandsfähigkeit erhöht, gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld anspruchsvoll. Eine Rückkehr auf das (niedrige) Insolvenzniveau der Vor-Krisen-Jahre ist derzeit nicht in Sicht.“

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Darlehen · Konjunktur
 
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