KMU: „Aktuelle Lage positiv, Erwartungen massiv schlechter“

21.11.2022 – Das Creditreform-„Klimabarometer“ für Österreichs KMU-Landschaft präsentiert sich im Herbst 2022 noch knapp positiv. Bei den Erwartungen für die weitere Entwicklung ist aus den Umfrageergebnissen jedoch wachsender Pessimismus abzulesen.

Die „Creditreform Wirtschaftsforschung“ hat im Herbst an die 1.400 österreichische Klein- und Mittelunternehmen nach der aktuellen Wirtschaftslage und den Ausblicken für die kommenden sechs Monate befragt. Die Bestandsaufnahme fällt dabei erfreulicher aus als die Prognose.

Denn: Die Unternehmen beurteilten ihre Geschäftslage in den letzten sechs Monaten aufgrund des „Post-Corona-Aufschwungs“ noch positiv. Die Geschäftserwartungen seien aber bei weitem pessimistischer als noch im Herbst 2021 oder im Frühling 2022, fasst Creditreform den Tenor zusammen.

Handel am pessimistischsten

„Inflation, steigende Zinsen und die Unsicherheiten, die der Ukraine-Krieg noch mit sich bringen kann, drücken auf die Stimmung der Unternehmen. Die Zeichen stehen auf den Beginn einer Rezession mit stark steigenden Insolvenzzahlen“, kommentiert die Wirtschaftsauskunftei.

In drei von vier Hauptwirtschaftsbereichen – siehe Tabelle – ist die Erwartungshaltung noch leicht positiv. „Im Handel hat sich der Erwartungsindex aber bereits in den negativen Bereich (–5,5 Indexpunkte) gedreht.“ Ein Abwärtstrend ist in allen vier Sektoren erkennbar.

Creditreform: Lage- und Erwartungsindizes

Sektor

Lageindex

Erwartungsindex

Herbst 2021

Frühjahr 2022

Herbst 2022

Herbst 2021

Frühjahr 2022

Herbst 2022

Verarbeitendes Gewerbe

19,5

22,0

12,1

16,1

14,9

2,6

Baugewerbe

34,1

30,6

24,9

27,3

19,5

4,2

Handel

22,9

8,5

5,5

16,8

5,3

–5,5

Dienstleistungen

19,5

8,4

17,3

17,5

6,6

4,7

Gesamt

23,1

14,7

14,0

18,7

10,0

1,2

Angespannte Auf- und Ertragslage

Die Auftragsbücher sind laut Creditreform „bei manchen Unternehmen noch gut gefüllt“, die Erwartungen fürs kommende Jahr aber „sind düster“: Der Saldo aus steigenden und sinkenden Auftragserwartungen notiere mit –29,0 Punkten erstmals seit zwei Jahren wieder im negativen Bereich. Er erreiche damit das Niveau des Corona-Höhepunkts.

Bericht zur Lage der KMUs in Österreich (Cover; Quelle: Creditreform)
Bericht zur Lage der Klein- und
Mittelunternehmen in Österreich
(Cover; Quelle: Creditreform)

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ dürfte sich die Ertragslage im Mittelstand in den nächsten Monaten weiter verschlechtern, so Creditreform weiter. „Darauf deuten jedenfalls die Ertragserwartungen der Unternehmen hin.“

Negative dürften sich steigende Energiekosten und eine abnehmende Konsumnachfrage auswirken, so Creditreform: Nur 18,5 Prozent der Befragten rechnen mit Gewinnsteigerungen (Vorjahr: 36,1 Prozent). Ertragsrückgänge erwarten 41,3 Prozent (Vorjahr: 14,6 Prozent).

„Der Erwartungssaldo rauschte daraufhin unter die Nulllinie (–22,8 Prozentpunkte), erreichte aber nicht wieder das Niveau des Corona-Jahres 2020 (–35,2 Prozentpunkte).“

Insolvenzen im Mittelstand

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen hat sich laut dem Bericht in den ersten drei Quartalen 2022 verdoppelt.

Nicht nur habe die Corona-Krise die Finanzlage vieler kleiner und mittlerer Unternehmen geschwächt, auch sei die Aussagekraft der letztjährigen Insolvenzzahlen durch die Stützungsmaßnahmen eingeschränkt gewesen, begründet Creditreform diese Entwicklung.

Von Jänner bis September 2022 mussten insgesamt 3.710 Unternehmen Insolvenz anmelden – doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum 2021.

Insolvenzen in den ersten drei Quartalen 2022, mit Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2021

Branche

Insolv.

+/–

Branche

Insolv.

+/–

Handel

670

+113,4 %

Sachgütererzeugung

140

+60,9 %

Unternehmensbezo-gene Dienstleistungen

646

+105,1 %

Kredit- und Versicherungsgewerbe

84

+90,9 %

Bauwesen

597

+50,0 %

Sonstige

702

+185,4 %

Verkehr und Nach-richtenübermittlung

443

+90,1 %

Gesamt

3.710

+99,4 %

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

428

+91,1 %

Zum Herunterladen

Der Bericht „Wirtschaftslage Mittelstand in Österreich – Herbst 2022“ kann als PDF-Dokument von der Creditreform-Website heruntergeladen werden.

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