Konjunkturschwäche führt zu mehr Insolvenzen

10.1.2020 – Zum vierten Mal in Folge dürfte heuer die weltweite Zahl der Insolvenzen steigen. Treiber der Entwicklung ist Asien, aber auch in Westeuropa ist mit mehr Firmenpleiten zu rechnen. Sorgen bereiten Großinsolvenzen, vor allem wegen ihrer Folgen für die Lieferkette. Auch in Österreich muss erneut mit einer steigenden Zahl von Insolvenzfällen gerechnet werden.

Cover: Euler-Hermes-Insolvenzreport 2020
Cover: Euler-Hermes-
Insolvenzreport 2020.
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Weltweit seien Pleiten weiterhin auf dem Vormarsch, konstatiert der Kreditversicherer Euler Hermes AG in seiner aktuellen Insolvenzstudie 2020. Zum vierten Mal in Folge dürften die Insolvenzzahlen heuer steigen und damit für zunehmende Exportrisiken sorgen, so die Experten.

Nachdem 2019 in den 44 von Euler Hermes betrachteten Ländern die Zahl der Insolvenzen gegenüber dem Jahr davor um neun Prozent angestiegen ist, wird heuer mit einem weiteren, mit sechs Prozent allerdings geringeren Anstieg gerechnet.

Waren aber im Vorjahr nur zwei Drittel aller Länder von steigenden Insolvenzen betroffen, werden es heuer voraussichtlich 80 Prozent sein, erwartet Gudrun Meierschitz, Vorständin der 49-prozentigen Euler-Hermes-Tochter Acredia Versicherung AG: Einen „sicheren Hafen“ gebe es kaum noch.

Konjunkturschwäche wirkt sich aus

Das Vorjahr war von einer weiteren Zunahme der Insolvenzfälle um 20 Prozent in China sowie einer Trendwende in Westeuropa und Nordamerika gekennzeichnet, wo es zu einem Anstieg der Insolvenzen um drei bzw. zwei Prozent kam.

Ausschlaggebend für die Entwicklung im laufenden Jahr werde die anhaltende Konjunkturschwäche, vor allem in den Industriestaaten und im produzierenden Gewerbe, sein. Weitere Risikofaktoren seien die Folgen der Handelskonflikte, politische Unsicherheiten und soziale Spannungen.

Zwar würden Betriebe von der lockeren Geldpolitik profitieren, Preiswettbewerb und steigende Personalkosten werden aber Druck auf die Margen ausüben und in den meisten Ländern für eine steigende Zahl von notleidenden Unternehmen sorgen, heißt es in der Studie.

Großinsolvenzen haben Folgen

„Beunruhigend“ sei die Entwicklung bei Großinsolvenzen (Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro).

Zwar sei die Zahl der Pleiten in den ersten neun Monaten 2019 mit 249 fast konstant geblieben, die betroffenen Umsätze seien aber binnen Jahresfrist um 38 Prozent auf mehr als 145 Milliarden Euro gestiegen.

Sorgen bereitet dem Kreditversicherer vor allem der Dominoeffekt solcher Großinsolvenzen auf die Lieferkette: Je höher die Umsätze eines Pleitkandidaten, desto größer sei der Schaden bei einzelnen Lieferanten.

Insolvenztrends 2020

Treiber der weltweiten Insolvenzen wird laut Euler Hermes Asien sein, wo mit einem Zuwachs um acht Prozent gerechnet wird. In Westeuropa sei ein Plus von drei Prozent zu erwarten, erstmals seit zehn Jahren dürfte es auch in Deutschland wieder zu einer steigenden Zahl von Pleiten kommen.

Nur für vier Länder erwartet Euler Hermes im heurigen Jahr eine Abnahme der Insolvenzen: In Brasilien und Ungarn wird mit einem Minus von drei Prozent gerechnet, in Litauen und Griechenland mit minus zwei Prozent.

Mit der stärksten Zunahme sei 2020 in Chile zu rechnen (+21 Prozent); zweistellig könnten auch die Zuwachsraten in der Slowakei (plus zwölf Prozent), in Indien (plus elf Prozent) sowie in China und Singapur (jeweils zehn Prozent) ausfallen.

Auch Österreich betroffen

Nach vielen Jahren mit abnehmenden Insolvenzfällen kam es in Österreich 2019 zu einer Trendwende, die Zahl der Firmenpleiten stieg um 1,4 Prozent. Die meisten Insolvenzen gab es wie in den Vorjahren im Gastgewerbe, der Bauwirtschaft und bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen.

Dramatisch zugenommen hat die Zahl der Großinsolvenzen mit Passiva von mehr als zehn Millionen Euro: 29 Fälle bedeuten ein Plus von 61 Prozent.

Zwar werde das Wachstum in Österreich 2020 mit 1,5 Prozent noch über dem Durchschnitt des Euroraumes liegen, die Abkühlung sei aber spürbar; so würden beispielsweise Absatzprobleme der Automobilindustrie an heimischen Zulieferern nicht spurlos vorübergehen.

Acredia-Ökonomin Marina Machan erwartet, dass sich die Insolvenzzahlen in Österreich heuer in etwa auf dem Vorjahresniveau bewegen bzw. geringfügig um 1,5 bis zwei Prozent steigen werden.

Zum Herunterladen

Der Insolvenzreport 2020 steht in englischer Sprache auf der Website der Acredia als PDF-Dokument (1,4 MB) zum Download zur Verfügung.

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Darlehen · Konjunktur
 
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