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Kreditversicherung: Für manche Branchen „kaum noch Deckung“

30.9.2020 – 2021 dürfte es in Österreich und wichtigen Exportmärkten teils markant mehr Unternehmensinsolvenzen geben, stellt Kreditversicherungsmakler A.C.I.C. auf Basis einer Zusammenschau mehrerer Prognosen fest. In manchen Branchen sei es schon jetzt schwer, noch Deckung zu bekommen.

Es ist kein Geheimnis, die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren. Erst am Montag wurde das durch eine Veröffentlichung der Statistik Austria wieder deutlich: Die Wirtschaft in Österreich sei laut vorläufigen Berechnungen „im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorquartal real (saison- und arbeitstagbereinigt) um 12,1 Prozent eingebrochen“.

„Das ist der kräftigste Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Generaldirektor Tobias Thomas. „Die Covid-19-Pandemie traf die Wirtschaft dabei in einer Phase der konjunkturellen Abkühlung. Fast im gesamten EU-Raum fielen die Wachstumsraten schon 2019 deutlich schwächer aus als noch in den Jahren davor.“

Im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 belief sich der reale Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal 2020 auf 14,3 Prozent. „Die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie wirkten sich auf nahezu alle volkswirtschaftlichen Kenngrößen aus“, fügt die Statistik Austria hinzu.

Ausnahmejahr 2020

Kreditversicherungsmakler Peter Androsch (Bild: A.C.I.C./Nadja Nemetz)
Kreditversicherungsmakler Peter Androsch
(Bild: A.C.I.C./Nadja Nemetz)

Die in Wien ansässige A.C.I.C. Kreditversicherungsmakler GmbH hat, wie sie am Dienstag bekanntgab, anhand von Daten der Kreditversicherer Acredia, Atradius, Coface und Euler Hermes Durchschnittsprognosen für 2021 errechnet und diese mit 2019 verglichen.

Das Jahr 2020 habe man dabei bewusst ausgeklammert, weil sich sonst ein „trügerisches Bild“ ergäbe.

„Aufgrund staatlicher Interventionen, wie zum Beispiel der Stundung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen oder Moratorien bei den Insolvenzantragspflichten, werden sich zahlreiche Insolvenzen auf 2021 verschieben“, erklärt A.C.I.C.-Geschäftsführer Peter Androsch.

Im bisherigen Jahresverlauf sei die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen gegenüber den ersten drei Quartalen 2019 in Österreich um ein Drittel gesunken, so A.C.I.C. unter Berufung auf den KSV 1870. Gleichzeitig sei es zu einer Verdoppelung der Unternehmensschulden gekommen.

Insolvenzprognosen für Österreich und große Handelspartner

Der A.C.I.C.-Auswertung zufolge muss in Österreich 2021 mit 15 Prozent mehr Insolvenzanträgen kalkuliert werden als 2019. Bei einigen für heimische Betriebe sehr wichtigen Exportmärkten seien die Erwartungen noch pessimistischer.

So werde für Italien eine Zunahme um 24 Prozent prognostiziert, für Frankreich wird mit plus 28 Prozent gerechnet, für die USA sogar mit einer Steigerung um 46 Prozent.

Alle drei Länder gehören zu Österreichs größeren Handelspartnern: Nach Italien gingen laut Außenhandelsstatistik der Wirtschaftskammer im ersten Halbjahr 2020 6,1 Prozent der Ausfuhren, nach Frankreich 5,0 Prozent und in Österreichs zweitgrößten Exportmarkt, die USA, 6,3 Prozent.

Deutschland dürfte „etwas glimpflicher davonkommen“

Deutschland, mit 30,4 Prozent Österreichs deutlich größter Handelspartner, dürfte laut der Prognose mit einem Anstieg um neun Prozent „etwas glimpflicher davonkommen“, wie A.C.I.C. feststellt.

„Österreich hat eine stark exportorientierte Wirtschaft und wird daher von steigenden Insolvenzzahlen bei seinen wichtigsten Handelspartnern besonders betroffen sein“, warnt Androsch.

Global werde ein Anstieg um rund ein Drittel erwartet.

Im Schnitt erwartete Zunahme der Unternehmensinsolvenzen
im Jahr 2021 gegenüber 2019

Land

Anstieg

Land

Anstieg

Spanien

+48 %

Frankreich

+28 %

USA

+46 %

Russland

+27 %

China

+40 %

Italien

+24 %

Vereinigtes Königreich

+37 %

Österreich

+15 %

Türkei

+37 %

Deutschland

+9 %

Portugal

+36 %

Global

+32 %

Schwierigkeiten in den Branchen

Der Textilhandel leide stark, so A.C.I.C., weil Sommerkollektionen bereits vor den Lockdowns bezahlt oder auf Schulden gekauft, aber nur zu einem geringen Teil zu verkaufen gewesen seien. Selbst, wenn es zu keinem neuerlichen Lockdown kommen sollte, dürften die Umsätze spürbar unter dem Vorjahr liegen, so der Versicherungsmakler.

In drei Branchen wiederum gebe es bereits jetzt „erhebliche Schwierigkeiten“, neue Kreditversicherungsdeckungen zu bekommen, berichtet Androsch, nämlich im Tourismus, in der Luftfahrtindustrie und in der Automobilbranche.

Spürbar betroffen seien in weiterer Folge auch die in Österreich traditionell stark etablierten Zulieferer der Auto- und Luftfahrtindustrie.

Rechtzeitig für Absicherung sorgen

Seitens der österreichischen Kreditversicherer gebe es Deckungszusagen in Höhe von rund 56 Milliarden Euro, davon 39,2 Milliarden Euro für Exportgeschäfte und 16,8 Milliarden Euro für innerösterreichische Geschäfte (VersicherungsJournal 22.6.2020).

Androsch gibt zu bedenken: „Wir stehen vor einer Pleitewelle“. Den Unternehmen, die ihre Forderungen absichern wollen, rät er deshalb, bereits jetzt vorzusorgen.

Denn: „Wenn die Insolvenzwelle bereits rollt, werden zahlreiche Lieferanten keine Deckungszusagen mehr bekommen. Das ist wie bei einem Haus, das bereits in Brand geraten ist, und für das Sie noch schnell eine Feuerversicherung abschließen wollen.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Darlehen · Konjunktur · Kreditversicherung · Sozialversicherung · Steuern · Verkauf · Versicherungsmakler
 
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