Makler-Schlichtungsstelle: auch 2020 mehr Anträge

9.4.2021 – Erneut gestiegen ist im Vorjahr die Anzahl der Anträge, die an die Rechtsservice- und Schlichtungsstelle der Versicherungsmakler herangetragen wurden. Die relativ meisten Fälle betrafen die Rechtsschutzversicherung, die meisten Anträge kamen aus der Steiermark. Bedauert wird, dass viele Versicherer nicht an den Verfahren teilnehmen. Erwartet wird eine Konsolidierung auf hohem Niveau.

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Tätigkeitsbericht 2020 der Rechtsservice- und Schlichtungsstelle der Versicherungsmakler
Tätigkeitsbericht 2020 der
Rechtsservice- und
Schlichtungsstelle der
Versicherungsmakler

Die Rechtsservice- und Schlichtungsstelle des Fachverbandes der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten Österreichs (RSS) hat ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2020 vorgelegt.

Erneut sei ein Höchststand an Schlichtungsanträgen verzeichnet worden, gegenüber 2019 sei es zu einer Zunahme um mehr als ein Drittel gekommen, heißt es im Vorwort der beiden Vorsitzenden der Schlichtungskommission, Gerhard Hellwagner und Ilse Huber.

Die Pandemiesituation sei auch an der RSS nicht spurlos vorübergegangen. Physische Sitzungen waren nicht möglich, die durchschnittliche Bearbeitungsdauer der abgeschlossenen Fälle sei deshalb bei 80 Tagen gelegen.

Neben der Behandlung von Schlichtungsanträgen stehen die Mitarbeiter der RSS auch für versicherungs- und maklerrechtliche Anfragen zur Verfügung. Im Vorjahr seien rund 300 Anfragen von Funktionären, Versicherungsmaklern und Maklerkunden beantwortet worden.

Hauptsächlich Streitigkeiten mit Versicherern

Es wurden 138 Schlichtungsanträge neu eingebracht, dazu kamen 18 unerledigte Fälle aus dem Jahr davor. Von den damit insgesamt 156 Anträgen wurden 117 erledigt. Seit Bestehen der RSS sind damit 892 Anträge eingebracht und bis Ende 2020 853 Fälle abgeschlossen worden.

Erneut handelte es sich bei den eingebrachten Fällen vorwiegend um Deckungsstreitigkeiten zwischen Versicherungsnehmern und Versicherern (127 von 138 Anträgen).

In zwei Fällen ging es um Streitigkeiten zwischen Versicherungsmakler und Versicherer, in sechs fällen um solche zwischen Versicherungsnehmer und Versicherungsmakler. Für drei weitere Fälle erklärte sich die Schlichtungskommission als unzuständig.

Rechtsschutzversicherung im Fokus

Fälle nach Sparten (Grafik: RSS)
Fälle nach Sparten (Grafik: RSS).
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Eine regionale Zuordnung der Fälle erfolgt im System der RSS nach dem Sitz des Versicherungsmaklers, der den Antragsteller vertritt. Die meisten Schichtungsanträge kamen im Vorjahr erneut aus der Steiermark (30 Fälle), gefolgt von Niederösterreich (25) und Wien (24).

Angehalten habe auch der Trend an Schlichtungsfällen aus der Rechtsschutzversicherung: 36 Prozent aller Fälle hätten diese Sparte betroffen, 2019 war der Anteil erst bei einem Drittel gelegen (VersicherungsJournal 17.4.2020).

Auf Rang zwei der eingebrachten Schlichtungsanträge sei wie in den Jahren davor die Eigenheimversicherung gelegen, gefolgt von Betriebs-Haftpflicht- und Betriebs-Bündelversicherung. Überdurchschnittlich viele Fälle hätten Unfall- sowie Krankenversicherung betroffen, so die RSS.

Häufig ohne Teilnahme des Versicherers

Entscheidungen der RSS (Grafik: RSS)
Entscheidungen der RSS (Grafik: RSS).
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Von den 117 im Jahr 2020 erledigten Anträgen seien 35 noch vor der Sitzung zurückgezogen worden. 82 Fälle wurden von der Schlichtungskommission behandelt, davon waren 79 Deckungs- oder Vertragsstreitigkeiten zwischen Versicherungsnehmern und Versicherern.

Zu diesen Anträgen wurden 68 Empfehlungen abgegeben, darunter 30 im Sinn des Versicherungsnehmers sowie 36 pro Versicherer; zwei Mal erfolgte ein teilweiser Zuspruch. Elf Fälle wurden zurückgewiesen, Hauptgrund dafür waren offene Beweisfragen.

Weiterhin hoch sei die Zahl jener Schlichtungsfälle gewesen, in denen die antragsgegnerische Versicherung es ablehnte, sich dem Schlichtungsverfahren zu unterwerfen. In 37 (von 79) Fällen gab es keine Stellungnahme des Versicherers bzw. eine ausdrückliche Ablehnung der Teilnahme am Verfahren.

In mehreren Fällen hätte eine Beteiligung des Versicherers allerdings zu einer Zurückweisung des Schlichtungsantrags geführt, so die RSS. Ohne Beteiligung des Antragsgegners sei aber von dem vom Antragsteller geschilderten Sachverhalt auszugehen. Darauf habe man jeweils den Antragsteller hingewiesen.

Konsolidierung auf hohem Niveau erwartet

Die Steigerung der Fallzahlen zeige die Akzeptanz der RSS innerhalb der Maklerschaft, heißt es im Tätigkeitsbericht. Seit 2012 habe sich die Anzahl der Schlichtungsanträge versechsfacht, nun sei eine Konsolidierung auf hohem Niveau zu erwarten.

Um die maßgeblichen Repräsentanten der Versicherungswirtschaft davon zu überzeugen, dass eine Streitbeilegungsstelle ein wichtiges Element für ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Versicherungsunternehmen, -maklern und -kunden darstelle, sei auch zukünftig die Unterstützung durch die Funktionäre der Maklerschaft nötig.

Allerdings hätten sich einige Versicherer bereit erklärt, gewisse Provisionsstreitigkeiten in einem beschleunigten Verfahren durch die RSS klären zu lassen. Es müsse abgewartet werden, ob derartige Streitigkeiten im heurigen Jahr an die RSS herangetragen werden.

Weiterhin wolle die RSS in Fällen, in denen sie selbst nicht zuständig ist, auf andere Einrichtungen zur alternativen Streitbeilegung im In- und Ausland hinweisen und mit diesen zusammenarbeiten.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Betriebshaftpflicht · Mitarbeiter · Provision · Rechtsschutz · Versicherungsmakler
 
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