Mehr Profit durch mehr Nachhaltigkeitsaktivität?

9.4.2021 – Zwei Drittel äußern in einer EY-Umfrage unter mittelständischen Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern die Meinung, dass sie geschäftlich sicher oder zumindest „eher“ davon profitieren können, im Nachhaltigkeitsbereich aktiver zu werden. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel sieht ein Drittel potenziell Geschäftschancen. Eine schriftlich fixierte Nachhaltigkeitsstrategie haben derweil nur rund vier von zehn Unternehmen.

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„Nachhaltigkeit“ ist bekanntlich eines jener Themen, die aktuell Konjunktur haben – in Branchenkreisen nicht zuletzt wegen der „Offenlegungsverordnung“ (VersicherungsJournal 12.1.2021, 1.3.2021, 12.3.2021).

Im Dezember 2020 hat das Marktforschungsinstitut Makam Research GmbH dazu im Auftrag der Unternehmensberatung EY 800 mittelständische Unternehmen in Österreich mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern aus verschiedenen Branchen befragt. Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht.

Mehr Profit durch mehr Nachhaltigkeitsaktivität?

32 Prozent gaben sich in der Umfrage überzeugt, dass sie „geschäftlich davon profitieren können, im Nachhaltigkeitsbereich aktiver zu werden“, weitere 36 Prozent sahen dies zumindest „eher“ ebenfalls so.

Besonders stark vertreten wurde diese Ansicht laut EY bei größeren Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 30 Millionen Euro und, nach Branchen betrachtet, in der Energie- und Wasserversorgung.

Unter den Dienstleistern, Finanzdienstleister sind hier eingeschlossen, meinten 29 Prozent, dass sie „sicher“ von größerer Nachhaltigkeitsaktivität profitieren würden, weitere 32 Prozent glauben dies „eher“.

Geschäftlich profitieren durch mehr Nachhaltigkeitsaktivität? (Daten: EY/Makam; Grafik: VJ/Lampert)

„Vorausschauende Positionierung“

Durch Anforderungen des Marktes und zunehmenden regulatorischen Druck im Bereich Nachhaltigkeit gewinne eine „vorausschauende Positionierung“ für Unternehmen an Wichtigkeit, sagt Georg Rogl, Co-Leiter von EYCarbon, der EY-„Nachhaltigkeitsschiene“, in Österreich.

„Gerade die Herausforderungen im Klimabereich machen eine monetäre Bewertung der Auswirkungen des Klimawandels auf das Geschäftsmodell essenziell für strategische Entscheidungen.“

Klimawandel: Ein Drittel erkennt Geschäftschancen

Gefragt wurde denn auch nach den Auswirkungen des Klimawandels, konkret, ob dieser eher Chance oder Risiko für das Geschäftsmodell sei.

Etwa jedes zweite Unternehmen glaubt nicht an Auswirkungen für das eigene Geschäftsmodell. „Eher“ ein Risiko sehen zwölf, ein großes Risiko zwei Prozent. Demgegenüber orten 24 Prozent eher eine Chance für ihr Geschäftsmodell, weitere neun Prozent sogar eine große Chance. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor sahen 21 Prozent eher eine Chance, fünf Prozent eine große.

Je nach Branche fallen die Bewertungen aber sehr unterschiedlich aus. Bildet man den Saldo aus „(eher) Chance“ und „(eher) Risiko“, so liegt der Bau- und Immobiliensektor mit +49 Prozent an der Spitze. Bei den Dienstleistern beträgt der entsprechende Wert 15 Prozent.

„Aus unserer Sicht wird es kein Unternehmen geben, dessen Geschäftsmodell durch den Klimawandel nicht in irgendeiner Form herausgefordert wird“, kommentiert Stefan Uher, Co-Leiter von EYCarbon in Österreich. „Nachhaltigkeit auch in den Geschäftsmodellen und Strategien – das ist die Zukunft.“

Einschätzung der Auswirkungen des Klimawandels auf das Geschäftsmodell (Daten: EY/Makam; Grafik: VJ/Lampert)

Die Hälfte hat und plant keine Nachhaltigkeitsstrategie

Eine „schriftlich niedergelegte Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie“ hat allerdings erst eine Minderheit von 38 Prozent. 14 Prozent gaben an, eine solche sei innerhalb der nächsten zwei Jahre geplant. 48 Prozent haben noch keine und planen innerhalb der nächsten zwei Jahre auch keine.

„Wie die Umfrage verdeutlicht, verfügen größere Unternehmen mit Jahresumsätzen von mehr als 30 Millionen Euro deutlich häufiger über Nachhaltigkeitsstrategien als kleinere Unternehmen“, fügt EY hinzu.

Am weitesten verbreitet sind Strategien bei Energie -und Wasserversorgern (86 Prozent). Dienstleister liegen im Mittelfeld: 31 Prozent haben nach eigenen Angaben eine Strategie, und zehn Prozent planen eine.

Geringer Anteil „überrascht“

„Es überrascht uns, wie viele Unternehmen aktuell keine Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie implementiert haben und diese auch in Zukunft nicht andenken“, sagt Martin Unger, Leiter von EYCarbon in Österreich.

„Das scheint uns gefährlich, da aufgrund der zu erwartenden Nachhaltigkeitsinitiativen seitens Regulatorik alle Branchen und Unternehmen betroffen sein werden und eine strategische Antwort finden müssen.“

Maßnahmen gegen Klimawandel

Trotz oft fehlender strategischer Grundlage seien Unternehmen aber bereit, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, so EY.

So sagen drei Viertel (74 Prozent) von sich, dass sie Investitionsentscheidungen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten treffen. 68 Prozent geben eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energie, 65 Prozent Bewusstseinsbildung bei Mitarbeitern, 50 Prozent eine Ökologisierung des Fuhrparks als Maßnahme an. Rund ein Zehntel (neun Prozent) sagte von sich, gar keine Klimaschutzmaßnahmen zu treffen.

Unternehmen sollten „nicht nur punktuelle Maßnahmen“ ergreifen, sondern „umfassende und strategiebasierte Nachhaltigkeitskonzepte“ entwickeln, sagt Unger. „Nur so lassen sich ein nachhaltiges Wirtschaftssystem und Klimaneutralität über einen doch sehr langen Zeitraum von fast 20 Jahren überhaupt erreichen.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Immobilie · Konjunktur · Marktforschung · Mitarbeiter · Nachhaltigkeit · Strategie
 
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