Ministerium: Erhebliche Schäden in der Landwirtschaft

12.9.2019 – 2018 erlitt Österreichs Landwirtschaft laut dem „Grünen Bericht“ über 75.000 Schadenfälle aufgrund von Hagel, Sturm, Überschwemmung, tierischen Schädlingen und Dürre. Die Hagelversicherung beziffert den Schaden 2019 in einer Zwischenbilanz mit 150 Millionen Euro, wovon mehr als 100 Millionen Euro durch Hitze und schlechte Niederschlagsverteilung bedingt seien. Die Folgen des Klimawandels seien nicht mehr zu reduzieren, höchstens zu stabilisieren, sagt Vorstandschef Kurt Weinberger.

Grüner Bericht 2019 (Cover; Quelle: Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus)
Der „Grüner Bericht 2019“ des
Bundesministeriums für Nachhaltigkeit
und Tourismus (Cover; Quelle: BMNT)

„Hagel-, Sturm- und Überschwemmungsereignisse, tierische Schädlinge sowie eine flächendeckende Dürre führten im Jahr 2018 zu erheblichen Schäden in der Landwirtschaft. Insgesamt wurden 75.189 Schäden inkl. Tierschadensfälle gemeldet.“

Dies schreibt das Landwirtschaftsministerium unter dem Stichwort „Ernte- und Tierversicherungen“ in seinem „Grünen Bericht 2019“, den es am Mittwoch im Ministerrat präsentiert hat.

Heißer Sommer 2019 schadete Landwirtschaft

Und die Österreichische Hagelversicherung VVaG stellte erst vor kurzem fest: „Auch das Jahr 2019 hat es in sich.“ Der heurige Sommer sei der zweitwärmste der 253-jährigen Messgeschichte gewesen. Der Juni gehe überhaupt als „wärmster, sonnigster und trockenster“ in selbige ein.

In einigen Regionen sei es denn auch viel zu trocken gewesen, besonders in Teilen Nieder- und Oberösterreichs, regional in den westlichen Bundesländern sowie in Oberkärnten, im oberen Murtal, Mittel- und Nordburgenland. Grünland und Mais seien vielerorts in Mitleidenschaft gezogen worden.

Weinberger: „Befinden uns schon mitten in einer Klimakrise“

„Mittlerweile vergeht kaum noch ein Jahr ohne großflächige Dürreschäden in der Landwirtschaft“, sagt Kurt Weinberger, Vorstandschef der Hagelversicherung. In den letzten sechs Jahren seien in der Landwirtschaft dürrebedingte Schäden in Höhe einer Dreiviertelmilliarde Euro entstanden.

„Im heurigen Jahr kommen noch mehr als 100 Millionen Euro aufgrund der Trockenheit hinzu“, ergänzt Weinberger. Zusammen mit Hagel und Überschwemmung betrage der Gesamtschaden 2019 durch Ernteausfälle mehr als 150 Millionen Euro.

Weinberger sieht damit den Klimawandel „längst bei uns angekommen“ und spricht von einer „Klimakrise“ – die „extremen Witterungsbedingungen bedingt durch den Klimawandel“ würden keine Ausnahme bleiben.

Die „bereits eingetretenen Auswirkungen der Erderwärmung“ könne man nicht mehr reduzieren, „sondern maximal stabilisieren“, fürchtet Weinberger.

Über 70 Prozent der Agrarflächen versichert

In Österreich seien inzwischen mehr als 70 Prozent der Agrarflächen gegen Hagel, Dürre, Überschwemmung, Frost etc. versichert, sagt Weinberger und lobt in diesem Zusammenhang das heimische „Private-Public-Partnership-Modell“ als „essenziellen Schritt in Richtung Eigenvorsorge“.

Die Versicherungsprämien für insbesondere Hagel, Frost, Dürre, Sturm sowie starke und anhaltende Regenfälle werden bei landwirtschaftlichen Kulturen laut § 1 Hagelversicherungs-Förderungsgesetz durch den Bund mit 27,5 Prozent gefördert, sofern auf Landesebene ein Zuschuss in gleicher Höhe geleistet wird.

Im Jahr 2018 – damals galt noch ein Fördersatz von je 25 Prozent – beliefen sich diese Zuschüsse laut dem Grünen Bericht auf 63,76 Millionen Euro.

Kennzahlen aus der Ernte- und Tierversicherung

Jahr

Versicherte Betriebe

Versicherte Fläche (Hektar)

Versiche-rungssumme (Mrd. Euro)

Aufwend. für Versicherungsfälle (Mio. Euro)*

Combined Ratio

2015

56.137

1.193.270

3,1

86,9

91,2 %

2016

55.305

1.207.288

3,2

84,7

102,1 %

2017

54.560

1.216.667

3,4

134,4

117,1 %

2018

53.543

1.222.586

3,8

107,4

82,6 %

Zum Herunterladen

Der Grüne Bericht kann von der Website gruenerbericht.at heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Elementarschaden · Nachhaltigkeit
 
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