Mittelständler erkennen zunehmend Risiken durch Klimawandel

12.5.2023 – Mehr als 60 Prozent der mittelständischen Unternehmen besitzen keine schriftliche Nachhaltigkeits- und Klimastrategie. Erstmals sehen in der aktuellen Umfrage mehr Unternehmen ein Risiko durch den Klimawandel als eine Chance. Bewusstseinsbildung, nachhaltige Energie und Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien bei Investitionen sind die wichtigsten Maßnahmen gegen die Kimaänderung.

Mittelstandsbarometer (Cover: EY)
Mittelstandsbarometer (Cover: EY)

Der Unternehmensberater EY hat durch das Marktforschungsinstitut Makam Research im Dezember des Vorjahres in einer telefonischen Befragung die Einschätzung von Chancen und Risiken durch den Klimawandel bei mittelständischen Unternehmen in Österreich erheben lassen.

Für die Studie mit dem Titel „Nachhaltigkeit und Klima in Österreichs Unternehmen“ wurden 600 nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern befragt. 14 Prozent von ihnen erwirtschaften einen Umsatz von weniger als zehn Millionen Euro, 61 Prozent mehr als 30 Millionen.

Dass fast zwei Drittel der heimischen Unternehmen (63 Prozent) keine schriftliche Nachhaltigkeits- und Klimastrategie besitzen, bringe große Risiken mit sich, da dies die österreichischen und EU-weiten Nachhaltigkeits- und Klimaneutralitätsziele gefährde.

Darüber hinaus könnte Österreich als Wirtschaftsstandort die Chance verpassen, zukünftige Wachstumspotenziale zu nutzen, so EY. Und das Fehlen von konkreten Maßnahmenplänen bei 39 Prozent der Unternehmen mache ein klimaneutrales Österreich bis 2040 unmöglich.

Risikobewusstsein steigt

Grafik: EY
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Das Risikoempfinden heimischer Unternehmen im Hinblick auf den Klimawandel ist allerdings im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Erstmals seit Beginn der Erhebungen würden mehr Unternehmen Risiken als Chancen durch den Klimawandel sehen.

Hatten in den Jahren 2020 bis 2022 nur zwei Prozent der Befragten in den Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene Geschäftsmodell ein großes Risiko gesehen, so sind es in der aktuellen Umfrage sechs Prozent.

Weitere 23 Prozent glauben nun, dass der Klimawandel „eher“ ein Risiko darstellt, im Vorjahr waren das nur 16 Prozent gewesen. „Eher“ eine Chance oder eine „große Chance“ für ihr Geschäftsmodell erkennen nun 29 Prozent, 2022 waren noch 47 Prozent der Befragten optimistisch gewesen.

Optimisten und Pessimisten

Grafik: EY
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Von allen untersuchten Branchen zeigen sich Finanz- und andere Dienstleister am optimistischsten: Nur neun Prozent befürchten durch den Klimawandel für sich eher ein Risiko. In den Bereichen Transport, Verkehr und Energie sehen dagegen 42 Prozent ein Risiko, im Tourismus 41 Prozent.

Chancen durch den Klimawandel erwartet vor allem der Bereich Soziales, Wissenschaft, Bildung und Kultur, in dem die Optimisten mit 35 Prozent am stärksten vertreten sind. Bei den Finanz- und sonstigen Dienstleistern glauben 20 Prozent an Chancen.

Nach Unternehmensgröße sind Mittelständler mit mehr als 30 Millionen Euro Umsatz am pessimistischsten: 49 Prozent sehen Risiken, nur 30 Prozent Chancen. Umgekehrt sieht es dagegen bei Unternehmen mit zehn bis 30 Millionen Umsatz aus: 37 Prozent sehen Chancen, 26 Prozent Risiken.

Wie Unternehmen dem Klimawandel begegnen wollen

Grafik: EY
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Häufigst angeführte Maßnahme gegen den Klimawandel ist die Bewusstseinsbildung bei Mitarbeitern; dieser Anteil ist gegenüber dem Vorjahr von 39 auf 57 Prozent gestiegen, wobei Mehrfachantworten möglich waren.

Weitere häufige Maßnahmen gegen den Klimawandel stellen die Erhöhung des Anteils von Energie aus erneuerbaren Quellen (48 Prozent), die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsgesichtspunkten bei Investitionsentscheidungen (45 Prozent) und die Ökologisierung des Fuhrparks (40 Prozent) dar.

Keinerlei Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen mit 14 Prozent nun deutlich weniger Mittelständler (Vorjahr: 31 Prozent).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Marktforschung · Mitarbeiter · Nachhaltigkeit · Unternehmensberater
 
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