Munich Re: 2020 deutlich mehr Naturkatastrophen-Schäden

13.1.2021 – Mit weltweit 980 Naturkatastrophenereignissen, 210 Milliarden Dollar Gesamt- und 82 Milliarden Dollar versicherten Schäden war 2020 schadenträchtiger als 2019, stellt Munich Re fest. Der Rückversicherer spricht von einer Rekord-Hurrikansaison mit mehr Stürmen im Nordatlantik als je zuvor, außerdem von „historischen Waldbrände“ im Westen der USA. Europa sei mit 10,6 Milliarden Euro Schaden vergleichsweise glimpflich davongekommen.

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Eine erste Schätzung hatte das Swiss Re Institute kurz vor Weihnachten abgegeben (VersicherungsJournal 16.12.2020), vor wenigen Tagen hat nun auch Rückversicherer Munich Re eine Bilanz über die Naturkatastrophenschäden 2020 gezogen.

Einig sind sich beide darin, dass die Schäden 2020 deutlich größer waren als 2019. Die Schadensummen, die die Munich Re nennt, sind allerdings höher als jene der Swiss Re.

Mehr Schäden als 2019

Der Münchener Rückversicherer zählte 2020 weltweit 980 Naturkatastrophenereignisse, das sind um 120 Ereignisse mehr als 2019.

Die Gesamtschäden beliefen sich insgesamt auf 210 Milliarden US-Dollar (zum Tageskurs vom 12. Jänner 2021 umgerechnet rund 172 Milliarden Euro), nach – in Originalwerten – 166 Milliarden Dollar im Jahr 2019.

Versichert seien davon 82 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 67 Milliarden Euro) gewesen. Auch das ist ein spürbarer Anstieg gegenüber dem für 2019 ausgewiesenen Volumen von 57 Milliarden Dollar.

Etwa 8.200 Menschen kamen laut Munich Re bei den Naturkatastrophen des vergangenen Jahres ums Leben.

Fast die Hälfte der Schäden entfällt auf die USA

Hoch sei der US-Anteil an den Schäden gewesen. „Von den Gesamtschäden entfielen 95 Milliarden US-Dollar (Vorjahr 51 Milliarden US-Dollar) und von den versicherten Schäden 67 Milliarden US-Dollar (Vorjahr 26 Milliarden US-Dollar) auf Naturkatastrophen in den USA.“

Die Sturmsaison im Nordatlantik habe mit 30 Stürmen – davon 13 Hurrikane – das „Rekordjahr 2005“ mit dessen 28 Stürmen, davon 15 Hurrikane, übertroffen. Noch nie seien so viele Wirbelstürme, nämlich zwölf, in einer Saison auf die US-Küste getroffen, drei mehr als der bisherige Höchstwert.

„Auffallend war, wie schnell einige der Wirbelstürme vor Landfall an Stärke gewannen – ein Phänomen, das seit einigen Jahren verstärkt zu beobachten ist“, merkt Munich Re an. „Ungewöhnlich waren auch die starken Hurrikane zum Ende der Saison, wenn normalerweise die Sturmaktivität abnimmt.“

Die an Gesamtschäden teuerste Naturkatastrophe war ein schweres Hochwasser in China während des Sommermonsuns. „Die Gesamtschäden betrugen rund 17 Milliarden US-Dollar, nur etwa zwei Prozent waren versichert.“

Extremwerte „passen zu Folgen jahrzehntelangen Erwärmungstrends“

Wetterextreme eines Jahres können zwar nicht direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden, sagt Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler von Munich Re, und zur Einordnung müsse ein längerer Zeitraum betrachtet werden.

Aber: „Diese Extremwerte passen zu den erwartbaren Folgen eines jahrzehntelangen Erwärmungstrends von Atmosphäre und Ozeanen, der sich auf Risiken auswirkt: Zunehmende Hitzewellen und Dürren heizen Waldbrände an, starke tropische Wirbelstürme werden häufiger, Gewitter ebenso.“

Rauch zufolge zeigen Forschungsarbeiten, „dass Hitzewellen wie zuletzt in Nordsibirien 600 Mal wahrscheinlicher sind als früher“.

„Glimpfliche Naturkatastrophen-Bilanz in Europa“

Für Europa meldet der Rückversicherer eine „einigermaßen glimpflich“ ausgefallene Naturkatastrophen-Bilanz. Die Schäden beziffert er mit rund zwölf Milliarden US-Dollar (10,6 Milliarden Euro), davon 3,6 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro) versichert.

„Lokal extreme Schäden lösten – für den Herbst typische – Starkniederschläge entlang der Mittelmeerküste in Südfrankreich und Italien aus. In einigen Orten fielen binnen sechs Stunden bis zu 400 mm (Liter/m²) Regen. Anfang Oktober waren es in der Grenzregion an einem Tag bis zu 600 mm.“ So seien durch Sturzfluten hunderte Häuser, Brücken und Straßen zerstört worden.

Am 29. Dezember ereignete sich in Kroatien „das stärkste Erdbeben in dem Land seit 140 Jahren“, mit lokal schweren Schäden und, so der Versicherer unter Berufung auf Medienberichte, mindestens sieben Toten. Weil die Bevölkerungsdichte nahe dem Bebenherd gering sei, geht er von insgesamt begrenzten Schadensummen aus. Für eine Schätzung sei es aber zu früh.

Schon im März hatte ein Beben die Region nördlich von Zagreb erschüttert und laut Munich Re Sachschäden in Höhe von 1,6 Milliarden Euro verursacht.

Zum Herunterladen

Von der Website der Munich Re kann eine Weltkarte mit einem Überblick über Naturkatastrophen 2020 heruntergeladen werden (PDF-Dokument, 170 KB), ebenso ein „Factsheet“ mit Tabellen (PDF-Dokument, 106 KB).

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