Österreicher nehmen bei Geldanlage weiter Realverluste hin

23.10.2019 – Das Geldvermögen der Österreicher ist auch im ersten Halbjahr weiter gewachsen. Ein großer Teil der Vermögensbildung fließt allerdings in Bargeld und täglich fällige Einlagen, die realen Renditen sind dementsprechend negativ. Bei konstant 20 Prozent liegt der Anteil der Altersvorsorgeprodukte.

Österreicher bevorzugen liquide Einlagen (Quelle: OeNB)
Österreicher bevorzugen liquide Einlagen (Quelle: OeNB).
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Auch im ersten Halbjahr 2019 ist das Geldvermögen der Österreicher weiter gewachsen. Mit 715,4 Milliarden Euro lag es um 3,9 Prozent über dem Wert von Ende 2018, wie aus aktuellen Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervorgeht. Vor zehn Jahren hatte es erst 491 Milliarden Euro betragen.

Ebenso ist die Geldvermögensbildung erneut gestiegen. Sie summierte sich von Jänner bis Juni auf 7,8 Milliarden Euro, nachdem sie im Gesamtjahr 2018 14,3 Milliarden betragen hatte. 6,8 Milliarden flossen in flexible Finanzierungsinstrumente ohne Kursrisiko, also Bargeld und täglich fällige Einlagen.

Für OeNB-Vizegouverneur Gottfried Haber zeige dies, dass Flexibilität für Österreichs Sparer „weiterhin höchste Priorität“ habe. Liquidität sei für die heimischen Haushalte wichtiger als Rendite, womit auch negative reale Erträge in Kauf genommen werden.

Reale Verluste

Die Rendite aus dem Geldvermögen, also Zinsen, Dividenden sowie Preiseffekte der Veranlagung aus Einlagen, handelbaren Wertpapieren und Altersvorsorgeprodukten, habe in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 2,4 Prozent pro Jahr betragen; nach Abzug der Inflation seien 0,6 Prozent übrig geblieben.

Vor allem aufgrund der Kurseinbrüche im vierten Quartal 2018 sank die Rendite im Vorjahr nominell auf –0,7 Prozent, real auf –2,8 Prozent.

Die gute Entwicklung im heurigen Jahr habe zu einer teilweisen Aufholung der Verluste geführt. So habe die Rendite in den letzten vier Quartalen kumuliert nominell 1,8 Prozent, nach Abzug der Inflation nur noch –0,1 Prozent betragen.

Einlagen haben laut OeNB noch schlechter abgeschnitten. Real haben sie in den vergangenen zehn Jahren einen Ertrag von durchschnittlich –0,9 Prozent pro Jahr gebracht, in den letzten vier Jahren –1,3 Prozent jährlich.

Kurzfristige Anlagen dennoch beliebt

Geldvermögen im ersten Halbjahr 2019 (Quelle: OeNB)
Geldvermögen im ersten Halbjahr 2019 (Quelle:
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Zwischen dem ersten Halbjahr 2009 und dem ersten Halbjahr 2019 ist der Anteil flexibler Finanzierungsinstrumente am gesamten Geldvermögen von 31 auf 43 Prozent gestiegen; dies sei „de facto“ nur auf den Anstieg täglich fälliger Einlagen zurückzuführen“, so die OeNB.

Während in diesem Zeitraum auch der Anteil der Beteiligungen gewachsen ist (von 15 auf 21 Prozent), gab es bei gebundenen Einlagen starke Rückgänge (von 30 auf 14 Prozent).

Seit 2015 seien von heimischen Haushalten 77 Milliarden Euro in flexible Instrumente (einschließlich Bargeld) veranlagt worden; im gleichen Zeitraum wurden gebundene Formen der Geldanlage im Ausmaß von 19 Milliarden abgebaut.

Altersvorsorge konstant bei 20 Prozent

Bei nahezu 20 Prozent des Geldvermögens (142,1 Milliarden Euro) handelt es sich laut OeNB um Altersvorsorgeprodukte. Dieser Anteil ist in den letzten zehn Jahren gleich geblieben und liegt weiterhin deutlich unter dem anderer Staaten (Deutschland: 30 Prozent, Niederlande: 67 Prozent).

Gegenüber Ultimo 2018 bedeutet dies per Ende Juni 2019 nominell allerdings eine Zunahme um 7,9 Milliarden Euro oder 5,9 Prozent.

83,2 Milliarden Euro davon sind Lebensversicherungsansprüche, deren Bedeutung aber abnehme, wie die Nationalbank vermerkt. Bei weiteren 46,5 Milliarden handelt es sich um kapitalgedeckte Pensionsansprüche; Ansprüche an betriebliche Vorsorgekassen summieren sich auf 12,4 Milliarden Euro.

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