Österreichs Führungskräfte und ihre Gesundheit

6.11.2019 – Für heimische Manager spielt der Beruf nach wie vor die wichtigste Rolle, für 70 Prozent ist die Work-Life-Balance aber mittlerweile halbwegs ausgewogen. 87 Prozent von ihnen bezeichnen ihren Gesundheitszustand zumindest als gut, 25 Prozent klagen aber über gesundheitliche Probleme. Deutlich gestiegen ist zuletzt das Risikobewusstsein, nur neun Prozent glauben, dass sie keinem Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. Bei der Vorsorge dominieren private Krankenversicherung und verschiedene Formen der Altersvorsorge.

WdF-Studie zur Gesundheit von Managern: Felix Josef, Andreas Zakostelsky und Edeltraud Fichtenbauer (Bild: VersicherungsJournal)
Studienpräsentation in den Räumen der Donau:
Studienautor Felix Josef, WdF-Bundesvorsitzender
Andreas Zakostelsky und Donau-Vorstand Edeltraud
Fichtenbauer. Zum Vergrößern Bild anklicken.
(Bild: VersicherungsJournal)

Seit 2009 erhebt das Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) alle zwei Jahre bei seinen Mitgliedern das jeweils aktuelle Bild des Gesundheitszustandes heimischer Manager sowie der Rahmenbedingungen für Gesundheit, ebenso wie Aspekte der finanziellen Vorsorge.

Im Rahmen einer webgestützten Befragung haben heuer im September und Oktober 276 Mitglieder, unter ihnen 55 Frauen und 221 Männer, an der Untersuchung teilgenommen.

Die Studie sei repräsentativ, erklärte Studienautor Felix Josef von der Triconsult Wirtschaftsanalytische Forschung GmbH bei der Präsentation der Ergebnisse.

Für Andreas Zakostelsky, Bundesvorsitzender des WdF, war es das Ziel der Studie, herauszufinden, wie Manager über ihre eigene Vorsorge und die ihrer Mitarbeiter denken – ob Österreichs Führungskräfte also bei Gesundheit und Vorsorge Vorbilder sind.

Persönliche Befindlichkeiten

Nach wie vor als „Work-lastig“ würden Führungskräfte ihre persönliche Work-Life-Balance beschreiben, erklärte Studienautor Josef einleitend. Allerdings sei diese bei rund 70 Prozent der Befragten mittlerweile „halbwegs ausgewogen“, nur für 20 Prozent ist der Beruf deutlich dominant.

Ihren persönlichen Gesundheitszustand bezeichnen 87 Prozent als ausgezeichnet oder gut, nur ein Prozent beschreibt ihn als „nicht gut“. Frauen sehen sich selbst als gesünder als Männer; 94 Prozent der weiblichen Führungskräfte sind mit ihrer Gesundheit zufrieden oder sehr zufrieden.

Manager heute gesünder als vor zehn Jahren

Allerdings steht diese Selbstsicht im Gegensatz zu den Angaben über aktuelle gesundheitliche Probleme; während nur 22 Prozent der Männer solche berichten, sind es 36 Prozent der Frauen.

Am häufigsten handelt es sich um Probleme des Bewegungsapparats (17 Prozent), gefolgt von Herz/Kreislauf (9 Prozent). Psychische Probleme haben laut Studie drei Prozent der Führungskräfte.

Insgesamt haben die gesundheitlichen Probleme von Führungskräften in den vergangenen Jahren abgenommen: 2009 hatten noch 30 Prozent und vor zwei Jahren 27 Prozent der Befragten darüber geklagt, nun waren es in Summe nur noch 25 Prozent.

Die größten Risiken

Gesundheitliche Risikofaktoren für Manager (Grafik: WdF/Triconsult)
Gesundheitliche Risikofaktoren für Manager
(Grafik: WdF/Triconsult). Zum Vergrößern Grafik
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Hatten 2017 noch 19 Prozent der Befragten angegeben, dass auf sie keine Risikofaktoren zutreffen würden, sind es nun nur noch 9 Prozent. Dies sei aber vermutlich nicht darauf zurückzuführen, dass die Bedrohungsbilder häufiger geworden sind, sondern darauf, dass deren Wahrnehmung gestiegen ist.

Stress und psychische Belastung sind für mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) der größte Risikofaktor – dieser Wert hat sich seit 2017 nicht verändert.

Wesentlich stärker als früher werden nun aber Bewegungsmangel (49 Prozent, 2017: 41 Prozent), Über- oder Untergewicht (49 Prozent, 2017: 41 Prozent) und ungesunde Ernährung (30 Prozent, 2017: 28 Prozent) als Risiken wahrgenommen.

Elf Prozent der Manager geben an, dass Rauchen für sie ein Risiko darstellt. Damit liegt der Anteil der Raucher unter den Führungskräften deutlich unter dem der Gesamtpopulation (23 Prozent), so Josef. Darüber hinaus will mehr als die Hälfte von ihnen (sechs Prozent) mit dem Rauchen aufhören.

Maßnahmen für sich und die Mitarbeiter

Sportliche Betätigung ist Österreichs Managern wichtig, so die Ergebnisse der Befragung. 95 Prozent von ihnen betreiben Sport, insgesamt 78 Prozent mehrmals monatlich. Wandern bzw. Skitouren (52 Prozent), Radfahren (49 Prozent) und Skifahren (41 Prozent) sind die beliebtesten Sportarten.

Der Klimawandel beeinflusst zunehmend auch die Sport- und Freizeitaktivitäten von Führungskräften. 42 Prozent gaben an, ihr Verhalten geändert zu haben, um klimafreundlich zu agieren. Überproportional trifft das auf Frauen, jüngere Führungskräfte (bis 50 Jahre) und die oberste Managementebene zu.

Möglichkeiten der Nutzung von Home-Office werden von 75 Prozent der Führungskräfte selbst genutzt. Auch den Mitarbeitern werden Möglichkeiten der flexiblen Gestaltung der Arbeitsprozesse geboten: In 57 Prozent der Unternehmen gibt es Home-Office-Regelungen, in 56 Prozent Teilzeitarbeitsmodelle.

Zugenommen hat im Lauf der Jahre auch die betriebliche Gesundheitsvorsorge. 51 Prozent der Unternehmen bieten sie an, 2011 waren es erst 46 Prozent gewesen; sie bleibt aber ein „Phänomen der Großbetriebe“, so Josef. Selbst genutzt wird betriebliche Gesundheitsvorsorge von 77 Prozent der Führungskräfte.

Wie Manager vorsorgen

Vorsorgeinstrumente (Grafik: WdF/Triconsult)
Welche Vorsorgeinstrumente genutzt werden
(Grafik: WdF/Triconsult). Zum Vergrößern Grafik
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Sehr unterschiedliche Schwerpunkte gebe es in der Vorsorge, so Josef. So geben 70 Prozent der Befragten an, über eine private Kranken-Zusatzversicherung zu verfügen. Bei älteren Managern über 50 Jahren und Führungskräften der obersten Management-Ebene sind die Anteile jeweils etwas höher (73 bzw. 74 Prozent).

Deutlich weniger verbreitet sind Vorsorgen für Berufsunfähigkeit (46 Prozent) sowie für schwere Erkrankungen (Dread Disease, 23 Prozent). Und von denjenigen, die eine Familie abzusichern haben, haben dies auch 81 Prozent bereits getan, weitere fünf Prozent planen es in den nächsten drei Jahren.

Immerhin 77 Prozent aller heimischen Führungskräfte sind der Meinung, dass das staatliche Pensionssystem ihnen keine ausreichende Versorgung im Alter sichern wird. 88 Prozent aller Befragten sorgen demnach auch bereits für die Zeit ihrer Pension privat vor, weitere fünf Prozent planen dies in den nächsten drei Jahren.

Wichtigste Instrumente dieser Vorsorge sind für 63 Prozent eine Lebensversicherung, für 62 Prozent Immobilien und für 44 Prozent Investmentfonds. Sparbuch (39 Prozent) und Aktienbesitz (38 Prozent) liegen dahinter fast gleichauf.

Fazit

Führungskräfte seien sich zunehmend ihrer Verantwortung sich selbst, ihrer Familie und ihren Mitarbeitern gegenüber bewusst, stellte Josef abschließend fest.

Für Zakostelsky ergibt sich aus der Studie einerseits, dass „Work“ in den Köpfen der Führungskräfte kein so großer Widerspruch mehr zu „Life“ sei. Andererseits würden Manager ähnlich „ticken“ wie andere Menschen: Sie seien bei der Vorsorge eher kurzfristig orientiert, bei der langfristigen Vorsorge gebe es „room for improvement“.

Weitere Informationen

Die Studie kann von der Website des Wirtschaftsforums der Führungskräfte als PDF-Dokument (140 KB) heruntergeladen werden.

 
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