Ohne Staatshilfen: 2.500 Unternehmen insolvenzgefährdet

21.9.2021 – Zwar ist die Zahl der Insolvenzen in den ersten drei Quartalen weiter gesunken, es sei aber zu bemerken, dass billiges Geld und staatliche Hilfen die Probleme mancher Unternehmen nicht mehr übertünchen können, so der Österreichische Verband Creditreform. Für das Gesamtjahr werden etwas weniger Insolvenzen als im Vorjahr erwartet, ab 2022 sei wieder mit einem Anstieg zu rechnen.

Der Österreichische Verband Creditreform hat die Insolvenzstatistik für die ersten drei Quartale des laufenden Jahres veröffentlicht. Weiter zurückgegangen ist die Gesamtzahl an Firmeninsolvenzen: Sie sank gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres um 29,4 Prozent auf 1.840.

Zwar würden die prolongierten staatlichen Maßnahmen die Insolvenzen weiterhin einbremsen, so Creditreform; es sei allerdings zu bemerken, dass die Probleme, die manche Unternehmen vor der Pandemie hatten, nicht mehr durch billiges Geld und staatliche Hilfen übertüncht werden können.

Der Trend der letzten eineinhalb Jahre könnte allmählich zu Ende gehen. Betrachte man das dritte Quartal isoliert, so sei die Zahl der eröffneten Verfahren um fast 30 Prozent angestiegen; Grund dafür dürfte das Auslaufen der Stundungen durch Gesundheitskasse und Finanzämter sein.

Insolvenzursachen sieht Creditreform in Managementfehlern, im Wettbewerb und im Mangel an Kapital; letzterer führe zu Problemen bei der Rückzahlung der zuvor gestundeten Abgaben und Steuern.

2021 weniger Insolvenzen als 2020 zu erwarten

Creditreform rechnet damit, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Gesamtjahr etwas niedriger ausfallen werde als im ersten Corona-Jahr 2020, in dem es 3.063 Firmenpleiten gab (VersicherungsJournal 11.12.2020).

Sobald die Corona-Unterstützungen beendet sind, sei aber damit zu rechnen, dass die Zahl der Insolvenzen wieder auf das vor der Pandemie übliche Maß von rund 5.000 Verfahren pro Jahr ansteigen werde.

Einer für Creditreform durchgeführten Analyse von Walter Schwaiger, Professor an der Technischen Universität Wien, sei zu entnehmen, dass derzeit rund 2.500 Unternehmen in Österreich insolvenzgefährdet wären, würden die Unterstützungen beendet werden.

Aufgrund dessen erwartet Creditreform, dass bereits das Jahr 2022 eine Entwicklung mit steigenden Firmeninsolvenzen nehmen könnte.

Massive Rückgänge in vielen Bundesländern

In allen österreichischen Bundesländern war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen gegenüber den ersten drei Quartalen des Vorjahres rückläufig. Das vergleichsweise geringste Minus verzeichnete Wien mit -14,4 Prozent, gefolgt von Tirol mit -14,6 Prozent.

Genau halbiert hat sich die Zahl in Vorarlberg, Rückgänge um mehr als 40 Prozent verzeichneten aber auch Niederösterreich, Kärnten, Oberösterreich und Salzburg.

In absoluten Zahlen liegt Wien mit 780 Unternehmensinsolvenzen an erster Stelle. Deutlich dahinter rangieren Niederösterreich (289) und die Steiermark (235). Die wenigsten Pleiten gab es in Vorarlberg (30), auch die Insolvenzquote war mit 1,8 im westlichsten Bundesland am niedrigsten.

Die höchste Insolvenzquote weist Creditreform mit 9,4 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen für Wien aus. Eine überdurchschnittlich hohe Insolvenzquote hatte in den ersten neun Monaten 2021 auch das Burgenland mit 6,0.

Unternehmensinsolvenzen 1. Bis 3. Quartal 2021 nach Bundesländern

Bundesland

Insolvenzen

Insolvenzquote*

Q1-3/2021

+/- ggü. Q1-3/20

Wien

780

-14,4 %

9,4

Niederösterreich

289

-40,4 %

4,4

Burgenland

71

-29,7 %

6,0

Steiermark

235

-27,9 %

4,7

Kärnten

86

-46,9 %

3,6

Oberösterreich

142

-43,2 %

2,6

Salzburg

90

-48,3 %

3,2

Tirol

117

-14,6 %

3,4

Vorarlberg

30

-50,0 %

1,8

Gesamt

1.840

-29,4 %

5,0

Kredit- und Versicherungswesen: Höhere Insolvenzquote

Auch wenn es in den ersten drei Quartalen in sämtlichen Branchen einen Rückgang der absoluten Insolvenzzahlen gegeben hat, zeigt sich ein differenziertes Bild.

Die meisten Insolvenzen verzeichnete das Bauwesen, gefolgt von Unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie Handel. Die niedrigste absolute Zahl an Insolvenzen wurde im Kredit- und Versicherungswesen verzeichnet.

Am stärksten rückläufig war die Zahl der Insolvenzen gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres im Beherbergungs- und Gaststättenwesen, die relativ geringste Abnahme gab es im Bauwesen.

Die höchste Insolvenzquote weist die Bauwirtschaft aus, Rang zwei geht an „Verkehr und Nachrichtenübermittlung“. Die dritthöchste Insolvenzquote verzeichnete das Kredit- und Versicherungswesen, wo es mit der Autobank auch die bisher größte Insolvenz des Jahres gab.

Unternehmensinsolvenzen 1. Bis 3. Quartal 2021 nach Branchen

Branche

Insolvenzen

Insolvenzquote*

Q1-3/2021

+/- ggü.
Q1-3/20

Q1-3/2021

2020

2019

Bauwesen

394

-14,5 %

16,3

16,5

24,7

Beherbergungs- und Gaststättenwesen

218

-40,4 %

4,9

9,3

16,7

Handel

306

-26,8 %

4,0

5,9

10,9

Kredit- und Versicherungswesen

48

-28,4 %

8,6

7,1

8,0

Sachgütererzeugung

86

-38,1 %

3,0

6,0

8,1

Unternehmensbezogene Dienstleistungen

311

-22,8 %

4,2

4,7

8,9

Verkehr und Nachrichtenübermittlung

221

-22,2 %

15,0

8,9

17,3

Übrige

256

-45,3 %

k.A.

3,8

6,1

Gesamt
 davon eröffnete Insolvenzverfahren
   – Konkursverfahren
   – Sanierungsverf. mit Eigenverwaltung   
   – Sanierungsverf. ohne Eigenverwaltung
davon mangels Vermögens 
   abgewiesene Insolvenzverfahren

1.840
1.234
1.113
16
105
606

-29,4 %
-20,1 %
-17,2 %
-42,9 %
-39,0 %
-42,9 %

5,0

6,4

10,9

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Darlehen · Gesundheitsreform · Steuern
 
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