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Pandemie erhöht Digitalisierungsdruck auf Versicherer

20.5.2020 – Die Versicherungsbranche kehrt zwar langsam wieder zur Normalität zurück, die Pandemie hat aber gezeigt, dass neue Produkte und neue Vertriebsansätze nötig sind. Dafür müssten die Kernsysteme der IT modernisiert werden. Der Autor, Manager beim deutschen Unternehmensberater Sollers, sieht einen Trend hin zu Standardsystemen, neuen Strukturen und Cloud-basierten Systemen.

Autor Grzegorz Obszanski (Bild: Marek Popowski)
Autor Grzegorz Obszanski
(Bild: Marek Popowski)

Nach dem wochenlangen Lockdown kehrt unsere Branche langsam zur Normalität zurück. Auch die Büros der Agenten und Makler durften wieder öffnen. Doch es handelt sich dabei um eine neue Normalität und dies wird sich auch stark auf den Versicherungsvertrieb auswirken.

In den Wochen davor hat man sich im Vertrieb auf Bestandsarbeit oder schlicht aufs Aussitzen der Krise konzentriert. Doch es wäre ein Irrtum zu glauben, die Branche könnte den Covid-19-Schock einfach abschütteln. Neugeschäftseinbußen von 20 Prozent und mehr sind zu erwarten, wenn nichts geschieht.

Die Pandemie zeigt, dass sowohl neue Produkte als auch neue Vertriebsansätze notwendig sind. Doch die sollten auf gänzlich neuen Denkweisen basieren. Mit den derzeit noch vielfach viel zu unflexiblen Altsystemen ist dies nur mit einem erheblichen, ja unverantwortlichen Aufwand möglich. Zu Recht fordert die Finanzmarktaufsicht mehr Anstrengungen in diesem Bereich.

Trend Richtung Standardsysteme

Auf vielen Märkten arbeiten die Versicherer auf Standardsystemen und erneuern sie regelmäßig. Das gibt ihnen die Möglichkeit, vom Getriebenen der Digitalisierung zum eigentlichen Treiber derselben zu werden.

Dabei muss es nicht unbedingt darum gehen, das Rad neu zu erfinden. Es reicht schon, vorhandene digitale Lösungen besser in die eigene Systemlandschaft einzubinden. Mit modernen Standardsystemen fällt die Anbindung neuer Technologien leichter und effizienter.

Pandemie verleiht Schub

Es ist damit zu rechnen, dass die auf unbestimmte Zeit andauernde Pandemie der Digitalisierung einen sehr nachhaltigen Schub verleiht. Das Innovationstempo wird sehr stark zunehmen und Versicherer sollten sich dafür rüsten.

Mit den vielfach noch im Markt vorhandenen überalterten und unflexiblen Systemen oder gar Eigenentwicklungen wird es für sie sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich, mit den von Softwarehäusern erstellten Lösungen auf Dauer Schritt zu halten.

Schweizer Versicherer haben das erkannt und einen umfassenden Erneuerungsprozess gestartet. Einige der Unternehmen, wie beispielsweise die Bâloise Group, haben das schon getan und nutzen ihre neue IT-Infrastruktur zur schnellen Anbindung externer digitaler Dienstleister.

Jetzt ziehen weitere Schweizer Versicherer nach und auch in Deutschland ist ein sehr starker Trend in Richtung Standardsysteme zu beobachten.

Strukturen unterstützen Entwicklung nicht

Die Österreicher haben bislang eine bemerkenswerte Treue gegenüber ihren Versicherern bewahrt. Doch das Smartphone und die Digitalisierung werden das Verhalten verändern. Die Medien-Branche und der Einzelhandel haben bereits erlebt, was dieser Wandel bedeutet und auch die Musikindustrie hat sich durch die Digitalisierung radikal verändert.

Der Trend ergreift immer mehr Branchen. Die Folge: Kunden sind nicht mehr bereit, bei digitalen Services Abstriche hinzunehmen. Mittel- bis langfristig wird deshalb die Fähigkeit eines Versicherers, flexible und maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Zudem verlangen Kunden nach einer möglichst nahtlosen und kanalübergreifenden Ansprache. Doch die in unserem Markt vorhandenen Strukturen unterstützen dies nicht nur nicht, sondern stehen dieser Entwicklung sogar entgegen. Der Eintritt von InsurTechs verstärkt den Innovationsdruck noch.

Technologische Infrastruktur nötig

Moderne datengestützte Technologien ermöglichen es nicht nur, aus der Ferne miteinander zu kommunizieren, sondern erlauben auch Automatisierungen von Standardprozessen, nicht nur in der Antragsbearbeitung, sondern auch im Schadenmanagement.

Aber um diese Tools wirklich gewinnbringend einzusetzen, bedarf es einer entsprechenden technologischen Infrastruktur. Angesichts der hohen Geschwindigkeit der Entwicklung wird es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, mit existierenden Behelfslösungen Schritt zu halten.

Das wesentliche Element einer auf Digitalisierung ausgerichteten Organisationsarchitektur ist deshalb ein flexibles und modernes Bestandssystem.

FMA sorgt sich um IT-Systeme

Altsysteme bremsen die Versicherer vor allem wegen ihrer mangelnden Flexibilität. Sie sind mit neuen Tools nicht kompatibel. An smarte und maximal personalisierte Versicherung ist auf so einer Basis nicht zu denken. Dazu kommen Probleme durch überhandnehmenden Wartungsaufwand und Sicherheitslücken.

Die Österreichische Finanzmarktaufsicht schaut deshalb mit zunehmender Sorge und Sorgfalt auf die IT und fordert von den Versicherern nicht nur die Einhaltung von Mindeststandards im Risikomanagement von IT-Risiken, sondern auch entsprechende Maßnahmen im IT-Betrieb.

„Zur adäquaten Berücksichtigung der Risiken alternder IT-Systeme sind deren Lebenszyklen überwacht und gemanagt“, heißt es in dem Leitfaden. Konkret sollen Versicherer nicht nur die Korrelationen von möglichen Störungen erfassen, sondern auch die Umsetzungsrisiken besser managen.

Modernisierung als Prozess

Man darf dabei eines nicht vergessen: Um am Markt schnelle Erfolge zu erzielen, muss man bei der digitalen Erneuerung nicht gleich das gesamte Kernsystem ablösen.

Es gibt Lösungen am Markt, die parallel zu den Systemen eingesetzt werden können, um mit neuen Produkten schneller am Markt zu sein. Bei der Modernisierung der Kern-IT handelt es sich um einen Prozess, der langfristige und nachhaltige Erfolge bringt.

Cloud-basierte Systeme sind sicherer

Als Folge der Pandemie ist zudem damit zu rechnen, dass Cloud-basierte Systeme vermehrt Einzug halten. Die Cloud-Anbieter haben auf dem Höhepunkt der Krise demonstriert, wie leistungsfähig ihre Infrastrukturen sind.

Seit einigen Jahren ist bei europäischen Versicherern ein starker Trend Richtung Cloud-basierter Systeme zu beobachten. Neben Kosteneinsparungen ergeben sich dadurch auch Vorteile bei der IT-Sicherheit.

Im Gegensatz zu landläufigen Meinungen sind Cloud-Infrastrukturen besser vor Sicherheitsvorkommnissen gefeit als die traditionellen Mainframe-Systeme. Wir werden deshalb eine Bewegung in diese Richtung auch in Österreich sehen.

Generell geht man davon aus, dass mittelfristig die gesamte Kern-Infrastruktur in die Cloud verlegt wird, um mehr Spielräume für den Einsatz neuer Tools und neuer Technologien zu gewinnen. Durch die Umstellung auf Cloud ergibt sich die Möglichkeit einer umfassenden Erneuerung, welche die Versicherer tatsächlich nutzen sollten. Und die sollte bei den Kernsystemen beginnen.

Grzegorz Obsza?ski

Der Autor ist Manager beim internationalen Unternehmensberater und IT-Dienstleister Sollers Consulting GmbH mit Sitz in Köln.

 
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