25.9.2026 – Bei der Abfertigung Neu wird es ab 2028 die Möglichkeit geben, eine Variante ohne Garantie und ohne vorzeitige Entnahmemöglichkeit zu wählen. Erworbene Anwartschaften sollen bei Pensionsantritt steuerfrei in eine Pensionskasse übertragen werden können. Das wurde am 23. September vom Nationalrat beschlossen. Vertreter aller drei Regierungsparteien lobten den Konsens auf Sozialpartnerebene, Pensionskassen und Versicherungsverband zeigen sich zufrieden.

Es sei die „größte Pensionsreform in Österreich der letzten Jahre“. Das sagte Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes der Pensions- und Vorsorgekassen („Vorsorgeverband“) gestern bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Vertretern der drei Regierungsparteien.
Die am 23. September im Nationalrat beschlossenen Änderungen für die zweite Säule ermöglichten es erstmals allen Erwerbstätigen in Österreich, eine lebenslange Zusatzrente zu erhalten. Waren bisher eine Million Österreicher in diesem Genuss gekommen, könnten es künftig vier Millionen sein.
Die Verlinkung der beiden Kassensysteme – Pensions- und Vorsorgekassen – eröffne Chancen auf höhere Erträge. Und besonders wichtig sei die Attraktivierung der Eigenbeiträge: Der Teil der Pension, der aus diesen fließt, wird steuerfrei sein.
Duch die Änderungen bei der betrieblichen Altersvorsorge erhalten Arbeitnehmer ab 2028 die Möglichkeit, Beiträge aus der Abfertigung Neu in einer Vorsorge-Veranlagungsgemeinschaft (VVG) zu veranlagen, wie aus dem Pressedienst der Parlamentsdirektion hervorgeht.
Damit solle der Zugang zu risikoreicheren Veranlagungen ermöglicht werden. Werde diese Option gewählt, entfalle einerseits die Kapitalgarantie, andererseits aber auch die vorzeitige Auszahlungsmöglichkeit bei einem Arbeitgeberwechsel.
Darüber hinaus besteht zukünftig die Möglichkeit, erworbene Abfertigungsanwartschaften kostenfrei in eine Pensionskasse zu übertragen.
Weitere Änderungen betreffen eine Senkung der Vermögensverwaltungskosten für betriebliche Vorsorgekassen, mehr Flexibilität bei Anlagestrategien für Pensionskassen sowie (unter bestimmten Umständen) die automatische Zusammenführung persönlicher Vorsorgekonten für die Abfertigung Neu.
Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl von der ÖVP betonte, die Bundesregierung habe in den letzten eineinhalb Jahren bei der ersten Säule „schon einiges auf den Weg gebracht“. Nun mache man sich neben einer starken ersten Säule an den Ausbau der zweiten Säule.
Man nehme sich dabei ein Beispiel an anderen Ländern wie Dänemark, die auf eine starke zweite Säule setzen, um die erste zu entlasten, so Eibinger-Miedl.
Vom Herausnehmen der starren Kapitalgarantie bei der Abfertigung Neu verspricht sie sich insbesondere höhere Erträge. Gerade für jüngere Menschen würde das „tolle Möglichkeiten“ bieten, sei aber eine freiwillige Wahl.
Bis zum Inkrafttreten 2028 wolle man die Zeit nutzen, um auf die Neuerungen aufmerksam zu machen. Insgesamt sollte das Pensionssystem aber auf drei Säulen stehen: „Ich verhehle auch nicht, dass ich mir eine Stärkung der dritten Säule wünschen würde“, so Eibinger-Miedl.
Die Vorsorgekassen hätten ihr Geld bisher „nicht immer optimal veranlagt“, so Christoph Pramhofer, Neos-Nationalratsabgeordneter und Head of Capital Markets in der Volksbank Wien. Schuld daran seien nicht die Vorsorgekassen, sondern die Vorgaben der Politik gewesen.
Das Kapital habe nicht seine volle Wirkung entfalten können und die Möglichkeit, das Geld bei einem Jobwechsel herauszunehmen, habe die niedrigen Renditen nochmals geschwächt. Und er warnt: „Man muss aufpassen, dass die Garantie nicht mehr kostet als sie bringt.“
Mit dem jetzt auf Schiene gebrachten Lebenszyklusmodell soll eine deutlich höhere Rendite möglich werden. Und der Generalpensionskassenvertrag, der eine Firmenpension für alle ermöglicht, biete auch mehr soziale Gerechtigkeit.
Das nun beschlossene Gesetz sei „ein ganz großer erster Schritt nach 23 Jahren“ gewesen, doch weitere Schritte seien nötig. Dass es ein „Opt-in-Modell“ und kein „Opt-out-Modell“ wurde, liege an „unterschiedlichen Auffassungen“, Pramhofer ist aber zuversichtlich, viele Menschen überzeugen zu können.
Alle Seiten hätten dabei viel voneinander gelernt und es sei gelungen, einen Konsens auf Sozialpartnerebene zu erzielen, betonte Josef Muchitsch, SPÖ-Nationalratsabgeordneter und Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz.
Wichtige Punkte für ihn seien es dabei gewesen, die zweite Säule als Ergänzung zur ersten auszubauen, ohne die erste Säule zu schwächen, weiters, dass es nicht zu Mehrkosten für Arbeitnehmer kommt und dass eine Wahlfreiheit besteht.
Die Kontenzusammenführung sei angesichts der hohen Fluktuation – von vier Millionen Arbeitnehmern hierzulande wechsle pro Jahr eine Million den Dienstgeber – eine „gescheite Möglichkeit“; es gebe weniger Bürokratie und Arbeitnehmer würden sich dadurch besser auskennen.
Nun gehe es darum, die Menschen aufzuklären, so Eibinger-Miedl. Chancen sieht sie gerade bei jungen Menschen, bei denen sie großes Interesse am Kapitalmarkt ortet.
Und sie erinnert an das Modell Dänemark, wo gemeinsames Auftreten von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite der Erfolgsschlüssel gewesen seien. Auch Muchitsch sieht in den nächsten Monaten „viel Arbeit auf uns zukommen“; es gehe darum, als Interessenvertretungen gut abgestimmt zu informieren.
Wie die Produkte aussehen werden, sei noch nicht klar, es gebe aber ausreichend Zeit für die Vorbereitung, betont Zakostelsky. Und langfristig erwartet er eine „Sogwirkung“ in Richtung Opt-in: In zehn Jahren könnten es 70 bis 80 Prozent der Arbeitnehmer sein, die diese Variante wählen.
Die Reform der zweiten Säule biete auch im Bereich der Lebensversicherungen attraktive Möglichkeiten für die Vorsorge, schreibt der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) in einer Aussendung.
VVO-Generalsekretär Christian Eltner betont dazu die neuen Wahlmöglichkeiten in der betrieblichen Altersvorsorge. Die Reform ermögliche die Übertragung der Abfertigungsgelder in Lebensversicherungen; erfolge diese als Einmalerlag, so falle keine Versicherungssteuer an.
Damit könnten Arbeitnehmer im Rahmen der zweiten Säule künftig stärker von den Vorteilen einer Lebensversicherung profitieren, so der VVO.
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