Regulierung, Wissen und die „informierte Entscheidung“

7.10.2019 – Einig war man sich bei einer Diskussion von Vertretern von Aufsicht und Finanzwirtschaft bei der jüngsten FMA-Konferenz, dass Finanzbildung, besonders schon in den Schulen, wichtig ist. Im Raum stand die Frage, wie viel durch Aufklärung eigentlich erreicht werden kann – und wo die Grenzen der Regulierung verlaufen sollten.

„Regulierung und Transparenz gehen Hand in Hand“, sagte Birgit Puck, Bereichsleiterin Wertpapieraufsicht in der Finanzmarktaufsicht (FMA), bei der 10. FMA-Aufsichtskonferenz letzten Donnerstag in Wien.

Basis für das Funktionieren des Kapitalmarkts sei „Vertrauen“. Das sei auch der Grundgedanke gewesen, der zu den Regulierungen der vergangenen Jahre geführt habe, sagte sie bei der Podiumsdiskussion rund um das Thema Finanzmarktkommunikation.

Die Aufsicht stelle Prävention in den Vordergrund, sagte Puck. Entsprechend häufig sei die FMA mit den beaufsichtigten Unternehmen im Gespräch. Zur Regulierung gehöre freilich auch die Möglichkeit, Sanktionen aussprechen zu können. Diese Möglichkeit habe die FMA auch bereits genutzt.

Positive Seiten der Regulierung

Dirk Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Blackrock Asset Management Deutschland AG, betonte positive Aspekte der Regulierung.

Es sei „Mode geworden“, über Regulierung zu schimpfen. Ohne gesetzlich verankerte Pflichten, so Schmitz, stünde aber wahrscheinlich nicht so viele Information zur Verfügung, die hilft, sich ein Urteil bilden zu können.

Finanzbildung „ist das A und O“

Aus Sicht des CEO der Wiener Börse AG, Christoph Boschan, ist „financial literacy“, also Finanzbildung, „das A und O“. Wissensvermittlung in der Schule sei hierfür notwendig. „Bildung ist der beste Anlegerschutz“, fügte er hinzu.

Der Regulierung schreibt Boschan sozusagen nur eine subsidiäre Rolle zu: Deren Aufgabe könne nur sein, dort einzugreifen, wo sich die Akteure nicht auf gleicher Ebene begegnen.

Wesentlich sei, dass der Anleger in die Lage versetzt wird, vielmehr durch eigenes Wissen eine „informierte Entscheidung“ treffen zu können.

Puck wiederum sieht gerade dort einen Ansatzpunkt für Regulierung: Voraussetzung für eine informierte Entscheidung sei, dass es dafür Regeln gibt.

Nicht nur eine Frage der Aufklärung, auch der Sozialisation

Monika Kovarova-Simecek, Leiterin des Studiengangs Wirtschafts- und Finanzkommunikation an der Fachhochschule St. Pölten, sagte, sie gehöre zu den Verfechtern der „financial literacy“.

Was Aufklärungskampagnen betrifft, ist sie allerdings skeptisch. Die Geschichte zeige, dass es solche Initiativen bereits in der Vergangenheit gegeben habe, aber „ob des Hypes“ nicht wahrgenommen worden seien. Für sie ist deshalb fraglich, „wie viel man da durch Aufklärung leisten kann“.

Studien hätten auch gezeigt, dass Finanzbildung „eine Frage der Sozialisation“ sei. Mit anderen Worten: Ich tue das, was ich vorgelebt bekomme. Es gelte daher, in Familie und Gesellschaft zu einem entsprechenden Umgang mit dem Thema Finanzen zu kommen. In Schulen gebe es inzwischen Initiativen dazu.

Es gibt auch rauchende Eltern mit nicht-rauchenden Kindern

Schmitz glaubt, dass es nicht nur darum geht, etwa vorgelebt zu bekommen. „Es gibt auch Eltern, die rauchen und Kinder haben, die nicht rauchen.“ Auch andere Institutionen der Gesellschaft, wie die Schulen, seien in puncto Finanzbildung gefragt.

In Österreich gebe es viele erfolgreiche Unternehmen, viel von den Gewinnen fließe aber ins Ausland ab. Wenn mehr Menschen dafür gewonnen werden könnten, Aktionäre zu werden, wäre die Situation eine bessere, auch in Hinblick auf die Altersvorsorge, meinte Schmitz.

Der richtige Zeitpunkt

In den Lehrplänen sei einiges zum Thema Finanzen verankert, sagte Kovarova-Simecek. Wichtig sei aber auch das Timing. Sie beobachte nämlich, dass Finanzen „vielleicht nicht immer zum richtigen Zeitpunkt“ thematisiert werden.

Denn, so Kovarova-Simecek: „Ein Zehnjähriger fragt sich nicht, wie er die 10 Euro, die er gerade von der Oma bekommen hat, anlegt, oder denkt an die Pensionsvorsorge.“

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Altersvorsorge · Ausbildung · Versicherungsaufsicht
 
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