„Schlecht auf eine globale Rezession vorbereitet“

23.11.2018 – Das globale Prämienwachstum wird laut aktueller Prognose des Swiss Re Institute 2019/20 bei über drei Prozent liegen, das Wirtschaftswachstum in den USA und der Eurozone aber schwächer werden. Auf eine globale Rezession sehen die Studienautoren die Welt auch zehn Jahre nach Beginn der Finanzkrise schlecht vorbereitet.

„Die Weltwirtschaft entwickelt sich gut, und das Wachstum bleibt solide“, sagt Jérôme Jean Haegeli, Chefökonom beim Rückversicherer Swiss Re, anlässlich der Veröffentlichung der „Sigma“-Studie „Global Economic and Insurance Outlook 2020“ des Swiss Re Institute.

„Der Zenit ist aber wahrscheinlich überschritten“, fügt er hinzu. So sei zwar die Konjunkturdynamik positiv, „aber wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum des realen BIP in den nächsten zwei Jahren in den meisten Teilen der Welt um etwa 1 bis 2 Prozentpunkte abschwächen wird“.

Prognose: Wachstum in USA und Euroland klingt ab

Das Swiss Re Institute rechnet damit, dass das Wachstum der US-Wirtschaft 2018 real 2,9 Prozent betragen, sich bis 2020 aber verringern und unter der Zwei-Prozent-Marke liegen wird. Gründe: „die zunehmend restriktive Politik der US-Notenbank und das Abklingen des Fiskalstimulus“.

Für das Wachstum in der Eurozone erwartet es 2019 und 2020 eine Verlangsamung „von 1,9 Prozent auf 1,5 bzw. 1,4 Prozent“. Der Gruppe der Schwellenländer wird hingegen eine Fortsetzung des Wachstums prognostiziert: Nach 4,7 Prozent 2018 werde es sich 2019 und 2020 voraussichtlich auf jährlich 4,9 Prozent verbessern.

Die Abwärtsrisiken für das weltweite Wirtschaftswachstum haben nach Einschätzung der Swiss-Re-Experten in letzter Zeit zugenommen. Die größte Gefahr sehen sie langfristig in einem Handelskrieg zwischen den USA und China.

Schwellenländer als Treiber des Versicherungswachstums

Für die Versicherungsbranche zeichnet das Institut derweil ein vergleichsweise positives Bild: Sie profitiere „von der nach wie vor positiven Wirtschaftsdynamik“.

Das globale Prämienvolumen wird laut Prognose 2019/20 real um mehr als drei Prozent – und zwar sowohl in Leben als auch Nichtleben – pro Jahr wachsen; dies entspreche insgesamt einem Anstieg um einen Prozentpunkt gegenüber 2018; getragen wird er im Wesentlichen durch die Leben-Sparte.

Zurückzuführen sei das Plus vor allem auf die Schwellenländer, deren Wohlstand deutlich gewachsen sei. Den Sigma-Daten zufolge stieg der Anteil Chinas am weltweiten Prämienvolumen von 0,8 Prozent im Jahr 2000 auf 9,7 Prozent 2017 und dürfte sich bis 2028 auf 16 Prozent erhöhen.

Aktuelle und prognostizierte Prämienentwicklung real in Nichtleben (links) und Leben (rechts) (Quelle: Swiss Re Institute)
Aktuelle und prognostizierte Prämienentwicklung real in Nichtleben (links) und Leben (rechts). Zum Vergrößern Grafik anklicken (Quelle: Swiss Re Institute).

„Schlecht auf eine globale Rezession vorbereitet“

Weniger ermutigend liest sich die Beurteilung der „Widerstandsfähigkeit“ zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, „dass die Weltwirtschaft nach wie vor schlecht auf eine globale Rezession vorbereitet ist“.

Die Wachstumstrends seien geringer als vor zehn Jahren, die Schuldenlast höher, die Finanzmarktstrukturen schwächer, die Offenheit nehme ab – deshalb sei die Wirtschaft heute noch weniger in der Lage, Schocks abzufedern.

Angesichts dessen plädiert das Swiss Re Institute unter anderem für „mehr private Kapitalmarktlösungen mit Förderung von Finanzmarktstandards durch den öffentlichen Sektor“, zum Beispiel für nachhaltige und Infrastrukturinvestitionen, und für „weniger Interventionen durch die Zentralbanken“.

Und: Mit „günstigeren politischen Rahmenbedingungen“ könnten die Versicherer „ihre Versicherungskapazitäten für den Finanzmarkt und ihre langfristigen Investitionstätigkeiten in stabilisierende Projekte wie die Infrastruktur besser ausweiten“.

Innovation soll helfen, Deckungslücken zu verringern

In Relation zu den Prämien beziffert die Studie die derzeitige weltweite Deckungslücke im Hinblick auf Sach- und Sterblichkeitsrisiken mit schätzungsweise 500 Milliarden US-Dollar, umgerechnet zirka 440 Milliarden Euro.

Ursache dieser Lücke sei eine „noch immer erhöhte Anfälligkeit vieler Haushalte und Unternehmen weltweit für negative Ereignisse“. Das Swiss Re Institute sieht hier „eine enorme Chance für die Versicherer“, einen Beitrag zur Stärkung die Widerstandsfähigkeit zu leisten.

Einen Beitrag zur Verringerung von Deckungslücken erwartet man sich auch von Innovationen im Versicherungssektor: „Neuartige Produkte wie parametrische Versicherungen erweitern die Grenzen der Versicherbarkeit für Naturkatastrophenrisiken, die bislang nur schwer zu versichern waren.“

Unterstützt werde Innovation durch den technologischen Fortschritt. „So benötigen Unternehmen zum Beispiel immer häufiger Absicherung gegen bislang nicht versicherbare Risiken wie Gewinn- und Cash-Flow-Verluste durch Betriebsunterbrechung, Cybergefahren, Produktrückrufe sowie wetter- und energiepreisbedingte Risiken.“

Zum Herunterladen

Der Sigma-Report 5/2018 „Global Economic and Insurance Outlook 2020“ kann auf einer eigenen Webseite der Swiss Re online gelesen oder als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

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Konjunktur · Unwetter
 
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