Schwellenländer: Ein künftiger Prämien- und Renditemotor?

23.6.2020 – Laut einer neuen „Sigma“-Analyse des Swiss Re Institute werden die Schwellenländer in den nächsten 20 Jahren Schätzungen zufolge 2,2 Billionen Dollar pro Jahr in Infrastruktur investieren. Dortige Infrastrukturprojekte könnten Langzeitinvestoren wie Versicherern Investitionsmöglichkeiten im Ausmaß von jährlich 920 Milliarden Dollar bieten. Bau und Betrieb solcher Projekte könnten zudem die Nachfrage nach Versicherungslösungen erhöhen, speziell in den Sparten Engineering, Sachversicherung und Energie.

Sigma 3/2020 (Cover; Quelle: Swiss Re)
Sigma-Studie zu Infrastrukturinvestitionen in
Schwellenländern (Cover; Quelle: Swiss Re)

Im Gefolge der coronabedingten Rezession müssen die Schwellenländer ihre Resilienz durch Produktivitätssteigerungen und Infrastrukturinvestitionen erhöhen, meint man beim Rückversicherer Swiss Re anlässlich der Veröffentlichung einer neuen „Sigma“-Analyse des Swiss Re Institute (SRI).

Auf diese Weise sei es möglich, Betriebskosten zu senken und ein „positives Umfeld für neue Investitionen und mehr Wachstum“ zu schaffen.

Schon vor Covid-19 seien in zahlreichen Schwellenländern mehrjährige Infrastrukturprojekte angestoßen worden, die Pandemie habe außerdem in vielen Schwellenländern Bedarf nach Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur aufgezeigt.

Erhöhte Nachfrage nach Infrastrukturentwicklung erwartet

„Die heutigen Gegebenheiten, darunter die zunehmende Verbreitung digitaler Technologie, die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels und die Notwendigkeit, Gesellschaften widerstandsfähiger zu machen, führen zu einer erhöhten Nachfrage nach Infrastrukturentwicklung in den Schwellenländern“, sagt Jerome Jean Haegeli, Group Chief Economist von Swiss Re.

„Investitionen in Infrastruktur könnten Teile der Wirtschaft nach der Covid-19-Pandemie wieder ankurbeln und so zu einem starken und nachhaltigen Wachstum im kommenden Jahrzehnt beitragen“, führt Haegeli weiter aus.

Rund zwei Billionen Euro Infrastrukturinvestitionsvolumen pro Jahr

Im Laufe der nächsten 20 Jahre, so das SRI, werden die Schwellenländer Schätzungen zufolge 2,2 Billionen US-Dollar (umgerechnet rund 1,95 Milliarden Euro) jährlich in Infrastruktur investieren, was 3,9 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspreche.

Der Großteil dessen wird den asiatischen Schwellenländern zugerechnet: Die Sigma-Analyse geht davon aus, dass diese im Laufe der nächsten 20 Jahre durchschnittlich 1,7 Billionen US-Dollar (rund 1,5 Billionen Euro) pro Jahr oder 4,2 Prozent des BIP in Infrastruktur investieren werden.

Der Prognose zufolge werde allein China jährlich geschätzte 1,2 Billionen Dollar (4,8 Prozent des BIP) für Infrastruktur ausgeben, was 35 Prozent der Investitionen weltweit und 54 Prozent der Investitionen in den Schwellenländern entspreche.

„Die Schwellenländer Europas werden drei Prozent ihres BIP in Infrastruktur investieren und liegen damit im weltweiten Durchschnitt“, so Swiss Re.

Infrastrukturlücken

Weiters wird erwartet, dass die prognostizierten Investitionen den Infrastrukturbedarf der nächsten 20 Jahre nicht vollständig decken werden.

„Die Infrastrukturlücken aller Schwellenregionen zusammen belaufen sich auf 520 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Relativ betrachtet ist die Lücke in Afrika und Lateinamerika am größten, während die asiatischen Schwellenländer das geringste Defizit aufweisen.“

Geschätzte Infrastrukturinvestitionen und -lücken (Grafik: Swiss Re Institute)
Geschätzte Infrastrukturinvestitionen und -lücken in Billionen US-Dollar
(Grafik: Swiss Re Institute). Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Investitions- und Renditepotenzial für Versicherer

Laut Sigma bietet der Infrastruktursektor in den Schwellenländern Langzeitinvestoren, darunter auch Versicherern mit globaler Präsenz, Investitionsmöglichkeiten in Höhe von jährlich 920 Milliarden US-Dollar (rund 817 Milliarden Euro).

„Durch die Schließung der Infrastrukturlücke in diversen Regionen können Versicherer darüber hinaus das nachhaltige Wachstum in den Schwellenländern unterstützen“, fügt Swiss Re hinzu.

Infrastrukturprojekte böten, angesichts des Zinsniveaus, „attraktive Renditen, mittels derer Versicherer ihre langfristigen Verbindlichkeiten bedienen können“, darüber hinaus die Möglichkeit einer Diversifizierung über Regionen und Anlageklassen hinweg sowie ein „Engagement in umwelt- und sozialverträglichen Initiativen“.

Prämienpotenzial von rund 44 Milliarden Euro über zehn Jahre

Zudem könnten Versicherer die mit Bau und Betrieb von Infrastrukturprojekten verbundenen Risiken absichern.

Die Autoren rechnen mit Prämien in Höhe von mehr als 50 Milliarden US-Dollar (rund 44,4 Milliarden Euro) über die nächsten zehn Jahre, basierend auf den prognostizierten Investitionen der sieben größten Schwellenmärkte Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland und Thailand.

Im Spartenvergleich werde „Engineering“ wohl am meisten von dieser Entwicklung profitieren. „Die Prämien für Bauwesenversicherungen (CAR) werden auf 22 Milliarden US-Dollar geschätzt. In der Betriebsphase belaufen sich die geschätzten Sachversicherungsprämien auf 19,4 Milliarden US-Dollar, die Prämien aus Projekten im Bereich erneuerbare Energien auf rund 9,7 Milliarden US-Dollar.“ Auch die Nachfrage nach Transport- und Haftpflichtversicherungen werde steigen.

„Mit einem Prämienanteil von 60 Prozent über die nächsten zehn Jahre liegt China auch bei den Infrastrukturversicherungen auf dem ersten Platz – schließlich ist das Land auf dem besten Weg, bis Mitte der 2030er-Jahre zum weltweit größten Versicherungsmarkt zu werden.“

Zum Herunterladen

Die „Sigma“-Studie 3/2020 „Power up: investing in infrastructure to drive sustainable growth in emerging markets“ kann von einer Webseite der Swiss Re heruntergeladen werden.

 
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