20.8.2026 – Die Mehrheit der Berufstätigen glaubt laut einer neuen Umfrage, dass sie zusätzlich zur gesetzlichen auch eine betriebliche Altersvorsorge brauchen wird. Von der aktuell laufenden Reform zur Förderung der zweiten Säule hat derweil weniger als die Hälfte der Befragten gehört. Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky sieht im Umfrageergebnis einen Auftrag: „Informieren und überzeugen.“

Im April hat die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge (BAV) vorgestellt (VJ 23.4.2026), Mitte Juli hat sie die Gesetzesvorlage dazu im Parlament eingebracht (VJ 13.7.2026).
Der Fachverband der Pensions- und Vorsorgekassen spricht von der „größten Reform der betrieblichen Altersvorsorge seit Einführung der Pensionskassen“.
Die Novelle stelle die zweite Säule breiter auf, schaffe die Voraussetzung für höhere Erträge und mehr Wahlfreiheit und erleichtere den Zugang zu einer betrieblichen Zusatzpension.
Insbesondere den „Generalpensionskassenvertrag“ – mit der Möglichkeit, Abfertigungsanwartschaften zu transferieren – begrüßt der Fachverband.
Unique Research hat nun im Auftrag des Fachverbandes die Stimmungslage zu diesem Thema erhoben. Die Umfrage fand von 1. bis 10. Juli unter 508 Berufstätigen im Alter von 15 bis 70 Jahren online statt. Die maximale Schwankungsbreite der Ergebnisse wird mit +/–4,3 Prozent angegeben.
68 Prozent tendieren demnach zu der Einschätzung, dass sie zusätzlich zur gesetzlichen Pension eine BAV benötigen. Lediglich 22 Prozent gehen eher davon aus, dass die erste Säule allein ausreichen wird.
Besonders bei den unter 50-Jährigen sei die Einschätzung, dass zusätzlich eine BAV nötig ist, „stark ausgeprägt“, sagt Peter Hajek, Markt- und Meinungsforscher von Unique Research.

Dass derzeit eine Reform der zweiten Säule in Arbeit ist, weiß derweil allerdings nur eine Minderheit: Gerade einmal 14 Prozent sagten, dass sie davon gehört haben. Weitere 27 Prozent gaben das ebenfalls an, ohne sich aber ganz sicher zu sein.
„Besonders relevant“ sei für die Befragten die Möglichkeit, die „Abfertigung neu“ in eine monatliche Zusatzpension umzuwandeln: 8 Prozent halten es für sehr, 37 Prozent für eher sinnvoll, auf diese Weise eine Zusatzpension zu beziehen.
Vor allem jüngere Berufstätige, höher Gebildete sowie Personen, die mit den bisherigen Erträgen der „Abfertigung neu“ zufrieden sind, seien hierfür offen.
„Die Studie zeigt, dass die ‚Abfertigung neu‘ für viele Menschen ein wichtiger Hebel für zusätzliche Altersvorsorge sein kann“, kommentiert Fachverbandsobmann Andreas Zakostelsky.
Wenn dieses Kapital stärker für eine lebenslange Zusatzpension nutzbar gemacht werden könne, entstehe ein „konkreter Mehrwert“ für Arbeitnehmer.
Was die Prioritäten für eine Pensionsreform angeht, spielen „mehr Sicherheit und Garantien bei der Pensionsvorsorge“ eine prominente Rolle: 36 Prozent messen dem hohen Stellenwert bei. Für 31 Prozent sind Steuervorteile für eine private Vorsorge besonders wichtig, für 29 Prozent höhere Ertragschancen.
Danach folgen in der Prioritätenliste „mehr betriebliche Pensionsvorsorge durch Arbeitgeber“ (19 Prozent), „einfachere und verständlichere Angebote zur Pensionsvorsorge“ (17 Prozent) und „mehr Information und Transparenz über Pensionsvorsorge“ (15 Prozent).
11 Prozent haben sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt oder sind unschlüssig, 4 Prozent machten zu dieser Frage keine Angabe.
Und die Präferenzen für die Veranlagung der Pensionsvorsorge? 73 Prozent neigen zu möglichst hoher Sicherheit auch um den Preis kleinerer Erträge („1“ bis „3“ auf einer sechsstufigen Skala), rund 22 Prozent („4“ bis „6“) bevorzugen eher höhere Ertragschancen bei Inkaufnahme eines höheren Risikos.

„Ein Teil der Menschen will langfristig höhere Ertragschancen nutzen, anderen sind Sicherheit und Garantien besonders wichtig. Genau diese Möglichkeiten wird das neue Gesetz eröffnen“, sagt Zakostelsky.
„Darauf aufbauend werden die Pensionskassen zwei Produktschienen entwickeln: ein chancenorientiertes Modell mit höheren Ertragsmöglichkeiten und ein konservativeres Modell mit mehr Sicherheit“, so Zakostelsky weiter.
Es gelte nun, zu „informieren und überzeugen“, um die BAV als „attraktives Angebot für eine bessere Absicherung im Alter“ zu verankern. Für Zakostelsky zeigt die Umfrage: „Das Potenzial ist da – jetzt müssen wir es erklären und für die Beschäftigten nutzbar machen.“
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