Versicherer aktuell mit mehreren Risikofaktoren konfrontiert

13.1.2021 – Halbjährlich analysiert die europäische Versicherungsaufsicht Finanzstabilitätsrisiken für die Branche. Im aktuellen Bericht ist von einer Reihe von Risiken die Rede, die sich manifestiert haben oder noch manifestieren können die Rede. Darunter sind etwa Finanzmarktvolatilität und Wertminderung von von Versicherern gehaltenen Unternehmensanleihen, eine Verringerung der Versicherungsnachfrage, ein Risiko zunehmender Storni, ein Preisrückgang bei Geschäftsimmobilien und natürlich die anhaltende Niedrigzinsphase.

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Zwei Mal jährlich veröffentlicht die europäische Versicherungsaufsicht (Eiopa) ihren Finanzstabilitätsbericht. Der jüngste „Financial Stability Report“ ist im Dezember erschienen.

Wenig überraschend steht er besonders im Zeichen des Auftretens der Pandemie, einer Erholung über den Sommer und dem darauffolgenden neuerlichen Anstieg der Unsicherheit mit der zweiten Welle zum Jahresende hin.

Volatilität

Die Finanzmarktvolatilität hat die Anlagen der Versicherungswirtschaft in der ersten Jahreshälfte 2020 negativ beeinflusst, hält die Aufsicht fest.

Mit Blick auf die Zukunft verstärke die anhaltende Niedrigstzinsphase negative Aussichten für die Profitabilität der Anlageportfolios der Versicherer.

Zudem könnte das Risiko, dass sich Unternehmensratings verschlechtern, den Marktwert von Unternehmensanleihen, die von Versicherern gehalten werden, beeinflussen.

Schließlich könnten schwache makroökonomische Bedingungen eine Verringerung der Versicherungsnachfrage bewirken und das Stornorisiko erhöhen.

Solvenz

Nichtsdestoweniger: Ende 2019 seien die Kapitalpuffer der Versicherungswirtschaft mit einer Solvenzkapitalquote (SCR) von im Median 213 Prozent „solide“ gewesen. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Pandemie haben sie sich als widerstandsfähig erwiesen, schreibt die Behörde.

Im ersten Quartal sei es zu einem leichten Rückgang auf 203 Prozent gekommen, gefolgt von einer Erholung auf 210 Prozent im zweiten Quartal. Es steche hervor, dass Lebensversicherer am meisten betroffen seien.

Bedenken

Der aktuelle Finanzstabilitätsbericht der Eiopa (Cover; Quelle: Eiopa)
Der aktuelle Finanzstabilitätsbericht
der Eiopa (Cover; Quelle: Eiopa)

Um Risiken und Schwachstellen im europäischen Versicherungs- und Pensionssektor zu bewerten, hat die Eiopa eine Umfrage unter den national zuständigen Behörden eine Umfrage durchgeführt.

Die Resultate legen aus Sicht der Eiopa nahe, dass sowohl internationale als auch länderspezifische makroökonomische Bedingungen „signifikante Bedenken“ aufwerfen.

Neben dem anhaltenden Niedrigstzinsumfeld seien unter anderem insbesondere Herabstufungen von Unternehmensanleihen als Schlüsselrisiko für den Versicherungssektor identifiziert worden.

Anleihen

Versicherer neigen dazu, herabgestufte Bonds zu verkaufen, so die Eiopa. Dieses Muster habe sich währende der Pandemie weiter verfestigt.

Der Verkauf solcher Bonds könne durch Kapitalanforderungen ausgelöst werden, die einen Risikominderungsbedarf des Versicherers widerspiegeln, oder aber auch andere Gründe haben.

Jedenfalls sei das Ausmaß der beobachteten Verkäufe herabgestufter Unternehmensanleihen weitgehend begrenzt geblieben.

Die anhaltende Krise und Lockdowns, so die Eiopa, deuten jedoch darauf hin, dass es zu mehr Herabstufungen kommen könnte.

Profitabilität

Geringe Profitabilität der Anlagen und im Underwriting aufgrund niedrigen Prämienwachstums könnten potenziell Bedenken aufwerfen.

Zurzeit werde nicht erwartet, dass das Liquiditätsrisiko für den europäischen Versicherungssektor „in den nächsten zwölf Monaten signifikant steigt“, heißt es im Bericht.

Angesichts der letzten makroökonomischen Entwicklungen und fortgesetzter Unsicherheiten könne eine Zunahme des Liquiditätsrisikos aber nicht ausgeschlossen werden.

Immobilien

Ein weiterer Punkt, den der Bericht beleuchtet, ist das Risiko in Bezug auf die Entwicklung im Geschäftsimmobilienmarkt.

Da Corona das Arbeiten im Homeoffice forciert habe, sei die Nachfrage nach Geschäftsräumlichkeiten gesunken. Infolgedessen könnte ein Preisrückgang bei solchen Immobilien zu erwarten sein, mit möglichen nachteiligen Effekten auf Assets von Versicherern.

Bislang haben sich in den Bilanzen keine signifikanten Preisrückgänge eingestellt, so die Eiopa. Für die Zukunft seien signifikante Abschreibungen aber sehr wahrscheinlich.

Zum Herunterladen

Der „Financial Stability Report December 2020“ (englisch) kann als PDF-Dokument von einer eigenen Webseite der Eiopa heruntergeladen werden, ebenso ein Satz an Daten und Grafiken im Excel-Format.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Geschäftsbericht  · Immobilie · Marktforschung · Rating · Verkauf · Versicherungsaufsicht
 
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