Versicherer gegen neue Auflagen für Fondsgebundene

21.7.2021 – Die europäische Versicherungsaufsicht sieht Handlungsbedarf. Die Kosten mancher fondsgebundenen Produkte seien zu hoch. Sie hat deshalb Überlegungen für einen Ordnungsrahmen angestellt, der auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hinwirken soll. Bei Insurance Europe stößt das auf wenig Gegenliebe – die IDD biete hierfür bereits alle nötigen Werkzeuge.

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Fondsgebundene Produkte können Versicherungsnehmern zwar bedeutenden Nutzen bringen und tun das auch, die Kosten für manche dieser Produkte sind aber zu hoch, sagt die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa. Corona habe diese Bedenken noch verstärkt.

Die Behörde hat deshalb im April eine offene Befragung hierzu gestartet. In deren Mittelpunkt stehen Überlegungen für einen Ordnungsrahmen („framework“) zum Preis-Leistungs-Verhältnis fondsgebundener und hybrider Produkte.

Kosten und Preis-Leistungs-Verhältnis

Insbesondere geht es darum, dass die Produktgeber den Nutzen („value“) ihrer Produkte prüfen sollen und Konsumenten keine „unangemessenen“ Kosten aufgebürdet werden.

Außerdem sollten Produkte, die für Kunden schwer verständlich sind, nach Ansicht der Eiopa „granularere“ Zielmärkte und adäquate Maßnahmen zur Verringerung „komplexitätsbezogener Risiken“ aufweisen.

Die Eiopa sieht das vorgeschlagene „Framework“ als ersten Schritt hin zu einem breiteren „Werkzeug-Set“, welches Anbieter und Aufseher dabei unterstützen soll, zu eruieren, ob Kosten zu hoch sind und Kunden ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis geboten wird.

Branchenverband verweist auf IDD

Insurance Europe, Dachverband europäischer Versicherungsverbände, hat dazu am Dienstag eine Stellungnahme veröffentlicht.

Die Interessenvertretung betont, dass Entwicklung, Vertrieb und Überprüfung solcher Produkte bereits durch die Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) „sorgfältig reguliert“ seien.

Die Richtlinie habe „solide Regeln“ zu Produktaufsicht und -lenkung (POG; „product oversight and governance“), professioneller Beratung, Wünsche-und-Bedürfnis-Tests und Transparenz eingeführt.

Verband: Nötige Werkzeuge schon vorhanden

Das bestehende Regelwerk biete bereits „alle notwendigen Werkzeuge, um ein hohes Niveau an Konsumentenschutz sicherzustellen“. Die Aufsicht solle sich auf deren korrekte Anwendung konzentrieren. Neue Auflagen würden „unnötige zusätzliche Bürokratie“, Rechtsunsicherheit und Compliance-Kosten erzeugen, so Insurance Europe.

Eine der 26 Fragen in der Konsultation lautet, ob es bei fondsgebundenen Produkten im Massenmarkt eine „begrenzte Anzahl an Optionen“ in Bezug auf unterliegende Investments, Kapitalgarantien und Konfigurationen geben sollte. Eine solche Limitierung würde würde über den Aufgabenbereich der Aufsicht hinausgehen, so Insurance Europe.

Zum Herunterladen

Das Papier zur Konsultation (18 Seiten, englisch) kann von einer Eiopa-Webseite heruntergeladen werden

Die Stellungnahme von Insurance Europe (16 Seiten, englisch) steht auf deren Website ebenfalls zum Herunterladen bereit.

Schlagwörter zu diesem Artikel
IDD · Kapitalgarantie · Vermittlerrichtlinie · Versicherungsaufsicht · Versicherungsvertrieb
 
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