WERBUNG

Versicherer und Vermittler nachhaltig gefordert

14.5.2019 – VIG-Konzernchefin Elisabeth Stadler sieht die Branche in einer guten Ausgangsposition, Nachhaltigkeits- und Ethikanforderungen zu erfüllen. Bereits unterwegs seien saubere, nachhaltige Investments, sagten Stadler und Allianz-Vorstandsvorsitzender Rémi Vrignaud beim Symposion in Velden. Rudolf Mittendorfer warnte davor, die Erwartungen an die Makler zu überspannen, was die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Ökologie in der Beratung angeht.

Ethik, Nachhaltigkeit, soziale und ökologische Verantwortung: Diese Aspekte werden auch im Versicherungsgeschäft zunehmend relevant.

Forciert wird dies durch internationale Klimaschutzvereinbarungen und Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sowie, darauf aufbauend, Pläne auf EU-Ebene (VersicherungsJournal 8.1.2019, 12.3.2018).

Versicherung „ein Geschäft auf Treu und Glauben“

Elisabeth Stadler, CEO der Vienna Insurance Group AG, sieht die Versicherungsbranche in einer guten Ausgangslage. Versicherung sei „ein Geschäft auf Treu und Glauben“, sagte sie beim Veldener Symposion letzten Freitag. „Ich glaube nicht, dass wir Jahrhunderte überleben hätten können, wenn wir nicht ethisch gehandelt hätten.“

Die wesentliche Frage sei, wie „wir mit Mitarbeitern, Partnern, Kunden umgehen“. Stadler nannte Führen auf Augenhöhe, teamorientierten Führungsstil, Kommunikation und die breite Einbindung aller in die Umsetzung ethischen Handelns als Stichworte.

Rémi Vrignaud, Vorstandsvorsitzender der Allianz-Gruppe in Österreich, schloss sich dem an. Besondere Relevanz habe Transparenz in der Kommunikation mit den Kunden. Er selbst hält es für wichtig, in sensiblen Bereichen wie etwa der Krankenversicherung von Menschen beraten zu werden.

Chatbots, Roboter und dergleichen seien „so ethisch, wie sie programmiert sind, da stecken auch Menschen dahinter“, so Vrignaud.

Mit dem Computer wird nicht alles automatisch besser

Apropos: Wie ist die „Computerisierung“ zu bewerten? Ist sie gut oder schlecht? Rudolf Mittendorfer, stellvertretender Obmann und konsumentenschutzpolitischer Sprecher des Fachverbands der Versicherungsmakler, meint, vernünftigerweise werde jedes Unternehmen auf technische Hilfsmittel zurückgreifen, wenn sie einer besseren Beratung dienen.

Das liege nicht zuletzt deshalb nahe, weil „das Leben für Versicherungsmakler schwieriger geworden“ sei, verwies er auf regulatorische Vorschriften und darauf, wie viele Seiten ein Versicherungsantrag inzwischen umfasse.

Er wehre sich aber dagegen, dass eine Erwartungshaltung genährt wird, wonach durch Digitalisierung quasi automatisch alles besser werde. Vor allem glaubt Mittendorfer nicht, dass Computer mit Gefühlen umgehen können, bestenfalls „werden sie vielleicht so tun“.

„Saubere“ Investments – und Hürden bei der Umsetzung

Wie steht es ums nachhaltige Investieren in der Versicherungswirtschaft? „Das ist natürlich wichtig, wir tun das auch schon“, sagte Stadler. Derweil warte man noch „auf die endgültigen Kriterien“. Analysen würden zeigen, dass grüne Investments sogar ertragreicher sein können als traditionelle.

Es sei allerdings „auch allen klar“, dass es gar nicht so einfach sei, Nachhaltigkeit umzusetzen. Schließlich stünden hinter Fondsinvestments mitunter lange Ketten, wo es, je weiter die Kette reicht, schwieriger wird, die Einhaltung ethischer Standards zu gewährleisten. Stadler: „Wir sind ständig aktiv am Screenen.“

Vrignaud verwies seitens der Allianz auf den Ausstieg des Konzerns aus Kohleinvestitionen (VersicherungsJournal 18.3.2019). Die Performance sauberer, nachhaltiger Investments sei nicht geringer.

Nicht nachhaltig sei dagegen etwa, die „Papierproduktion“, die § 5a VersVG verursache. Es sei „vielleicht an der Zeit, den Default umzudrehen“, meinte Vrignaud, sprich: die elektronische Kommunikation zum Standard zu machen und nur nach Vereinbarung auf Papier zurückzugreifen.

Unterschiedliche Rechtstraditionen

Stephan Korinek, Leiter der Abteilung „Behördliche Aufsicht über Versicherungsunternehmen und Pensionskassen“ in der Finanzmarktaufsicht (FMA), sagte, zur EU-Rechtssetzung, auf europäischer Ebene flössen unterschiedliche Rechtstraditionen in die Gesetzgebung ein.

So stamme zum Beispiel das in der IDD verankerte Gebot, „ehrlich, redlich und professionell“ zu handeln, aus Großbritannien; in der österreichischen Rechtstradition sei es hingegen nicht üblich, ethische Appelle ins Gesetz zu schreiben.

Vielfach habe EU-Recht auch Antwortcharakter auf Probleme, die in Mitgliedsstaaten der Union auftreten. In jenen Staaten, die von entsprechenden Problemen bis dato nicht betroffen waren, könne deshalb das Verständnis fehlen, warum es zu einer Regelung gekommen ist.

Erwartungen an den Versicherungsmakler nicht überspannen

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Ökologie als Kriterien in der Beratung rechtlich vorzuschreiben, beurteilt Mittendorfer kritisch.

Die Auswahl, welche Anlagen diesen Kriterien genügen, sei mit so vielen Unwägbarkeiten belastet, dass es eine „Überspannung der Erwartungen an den Makler“ bedeuten würde, würde man solches von ihm verlangen.

Mittendorfer stellte stattdessen die Frage in den Raum, ob es klug sei, „sorgloses Verhalten zu begünstigen“ – wenn nämlich Versicherungen grobe Fahrlässigkeit decken.

Vrignaud entgegnete, eine solche Deckung sei eine Forderung aus der Maklerschaft gewesen, sie verkaufe sich auch gut. Mittendorfer erwiderte, dass man den Kunden wegen des Best-advice-Gebots freilich auf dieses Angebot aufmerksam machen müsse. Aber: „Dass es sich gut verkauft, ist keine Bestätigung der Richtigkeit.“

 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
11.5.2018 – Aktuelle Meldungen kurz und bündig. mehr ...
 
22.12.2016 – Christoph Berghammer, Hannes Dolzer, Horst Grandits, Johannes Muschik, Alexander Punzl und Manfred Taudes haben für uns in die „Glaskugel“ geblickt. (Bild: WKÖ, ÖVM, Afpa/Raffaela Pröll, Provideas, Taudes) mehr ...