Versicherungen passen sich an geändertes Umfeld an

22.6.2018 – Produkte, bei denen das Anlagerisiko vom Versicherungsnehmer getragen wird, sind die Antwort der Versicherungen auf das Niedrigzinsumfeld. Das mache Lebensversicherungen weniger attraktiv, so die OeNB, und führe zu einem Prämienrückgang. Erhöht hat sich auch die Laufzeit der Kapitalanlagen, wobei die Verschiebung bereits vor Inkrafttreten von Solvency II zu beobachten gewesen sei.

Quelle: FMA, OeNB
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(Quelle: FMA, OeNB)

Unabhängig von den verbesserten ökonomischen Bedingungen für Versicherungen stellen das anhaltend niedrige Zinsniveau und das Risiko einer plötzlichen Erhöhung der Zinsen für die Gesellschaften eine Herausforderung dar.

Vor allem Lebensversicherungen würden unter diesen Marktbedingungen leiden, so die Oesterreichische Nationalbank in ihrem jüngsten Finanzmarktstabilitätsbericht.

Aufgrund der vorherrschenden niedrigen Zinssätze hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) den Garantiezins in der Lebensversicherung für neue Verträge mit 1. Jänner 2017 von einem auf 0,5 Prozent gesenkt.

Lebensversicherungen weniger attraktiv

Lebensversicherer würden sich weiterhin an dieses herausfordernde Umfeld anpassen, indem sie ihren Business-Mix in Richtung jener Produkte verschieben, die einen direkten Zusammenhang mit der Marktentwicklung hätten und bei denen das Anlagerisiko vom Versicherungsnehmer getragen werde.

Ergebnis dieser Entwicklung sei, dass Lebensversicherungen weniger attraktiv geworden sind und die Prämien daher 2017 um rund sieben Prozent gesunken seien. Dies sei vor allem durch den Rückgang der Einmal-Prämien um 21 Prozent verursacht gewesen. Aber auch laufende Prämien hätten sich reduziert, womit es bereits das siebente Quartal hintereinander ein negatives Wachstum gegeben habe.

Trotz aller Widrigkeiten sei die Anlagenrendite der Lebensversicherungen aber ungefähr um einen Prozentpunkt über dem durchschnittlichen Garantiezins des Bestandes gelegen.

Anpassung an Herausforderungen

Der österreichische Versicherungssektor habe sich dem makroökonomischen Umfeld ebenso angepasst wie regulatorischen Herausforderungen. In einem gewissen Maße hätten sowohl die Anpassungen an die neuen Regelungen als auch jene an das Niedrigzinsumfeld das Investitionsverhalten der Versicherungsgesellschaften getrieben, stellt die OeNB fest.

Zwischen 2009 und 2017 hätten sich Investitionen in Staatsanleihen um fünf Prozentpunkte erhöht. Allerdings würden Österreichs Versicherungen einen niedrigeren Anteil ihrer gesamten Anlagen in Staatsanleihen halten als Versicherer in anderen europäischen Ländern.

Der österreichische Versicherungsmarkt sei jedoch sehr heterogen und eine kleine Zahl großer Versicherungen halte die Mehrheit der Anlagen; so würden die größten fünf Gesellschaften mehr als 70 Prozent der gesamten Anlagen besitzen.

Laufzeiten der Kapitalanlagen ändern sich

Sowohl die Kapitalanforderungen von Solvency II als auch das Management der Bilanzstruktur würden ihr Augenmerk auf Fristeninkongruenzen zwischen Aktiv- und Passivseite in den Bilanzen der Lebensversicherungen richten.

Das würde dazu führen, dass kurzfristige Anlagen aufgrund der langen Laufzeit der Verbindlichkeiten von Lebensversicherungen teilweise unattraktiv werden. Daraus resultierte eine Verschiebung der Laufzeit von kurzfristigen Anlagen (zwei bis fünf Jahre) zu Bandbreiten von zehn bis 15 oder 15 bis 29 Jahren.

Offensichtlich hätten die Versicherungen dabei die neuen Regelungen aber bereits vor ihrem Inkrafttreten vorweggenommen. Die Verschiebungen seien schon vor Inkrafttreten von Solvency II erfolgt. Dementsprechend hätten zwischen 2014 und 2016 keine größeren Änderungen der Laufzeiten mehr festgestellt werden können, so die OeNB.

 
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