Versicherungen verlieren bei Wissensvermittlung an Bedeutung

3.9.2020 – Rund die Hälfte der Österreicher glaubt, dass ihr Finanzwissen gut ist – genauso viele sind der Meinung, über schlechte Finanzkenntnisse zu verfügen. Elternhaus und Familie sowie Banken und Versicherungen sind weiterhin die wichtigsten Quellen, letztere haben allerdings in den vergangenen drei Jahren deutlich an Bedeutung verloren. Für die Vermittlung von Finanzwissen zuständig sollte die Schule sein, meinen mehr als 60 Prozent der Befragten in einer aktuellen Studie.

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Gallup-Geschäftsführerin Andrea Fronaschütz (Bild: www.beahasler.at)
Gallup-Geschäftsführerin 
Andrea Fronaschütz
(Bild: www.beahasler.at)

Das Österreichische Gallup Institut hat im Mai dieses Jahres in persönlichen Interviews tausend Österreicher ab 14 Jahren befragt, wie sie ihr Finanzwissen einschätzen, was die Quellen für ihr Finanzwissen sind und wer ihrer Meinung nach für die Vermittlung von Finanzwissen zuständig ist.

Die Studie sei bevölkerungsrepräsentativ, so Gallup. Ziel sei unter anderem ein Vergleich mit der letzten derartigen Erhebung im Juni 2017 gewesen.

Als Finanzwissen sollten die Befragten ihr Wissen über Sparen, Vorsorge und Investitionen sowie über spezielle Begriffe wie Erträge, Inflation, Zinseszinsen, Risikostreuung oder die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen einschätzen.

Wissen laut Selbsteinschätzung verbessert

Als sehr oder eher gut schätzten demnach 49 Prozent der Studienteilnehmer dieses Wissen ein. Im Jahr 2017 waren es nur 42 Prozent gewesen. Als schlecht oder sehr schlecht beurteilen nun ebenfalls 49 Prozent ihr Wissen, nach 55 Prozent vor drei Jahren.

Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschlechtern: 56 Prozent der Männer aber nur 41 Prozent der Frauen glauben, dass ihr Finanzwissen sehr oder eher gut sei (2017: 38 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen).

Die Überzeugung, über gute Finanzkenntnisse zu verfügen, steigt mit dem Nettoeinkommen und der Bildung: 58 Prozent jener, deren Haushaltsnettoeinkommen über 3.000 Euro beträgt, sowie 67 Prozent der Maturanten und Akademiker schätzen ihr Finanzwissen als sehr oder eher gut ein.

In Relation zur Gesamtbevölkerung glauben 44 Prozent der Befragten, ein viel oder eher besseres Finanzwissen zu haben als der Durchschnitt. Männer sind hier selbstbewusster: 51 Prozent schätzen ihre Finanzkenntnisse als überdurchschnittlich ein, bei Frauen sind es nur 38 Prozent.

Woher Finanzkenntnisse kommen

Nach wie vor sind Elternhaus und Familie sowie Banken und Versicherungen die wichtigsten Quellen des Finanzwissens, wobei Mehrfachantworten erlaubt waren. Seit 2017 sei es hier allerdings zu deutlichen Verschiebungen gekommen, so Gallup.

Sind vor drei Jahren Banken und Versicherungen noch für 44 Prozent der Befragten und die Medien für 39 Prozent wichtige Quellen beim Erwerb von Finanzkenntnissen gewesen, so sanken diese Werte nun auf 38 Prozent (Banken und Versicherungen) bzw. 29 Prozent (Medien).

Deutlich wichtiger als Wissensquellen wurden Elternhaus und Familie (2020: 40 Prozent; 2017: 36 Prozent), die Schule (2020: 32 Prozent; 2017: 24 Prozent) sowie allgemeine Internetrecherchen (2020: 26 Prozent; 2017: 19 Prozent).

Unter-30-Jährige nutzen andere Quellen

Studienteilnehmer zwischen 14 und 30 Jahren beziehen Finanzwissen zu 51 Prozent von Elternhaus und Familie, zu 41 Prozent in der Schule. Diese Zahlen haben sich seit 2017 nur geringfügig geändert; damals gaben 50 Prozent Elternhaus/Familie und 37 Prozent Schule als Quelle an.

Deutlich abgenommen hat bei den Jüngeren vor allem die Relevanz von Banken und Versicherungen: Nur noch 29 Prozent beziehen Wissen aus diesen Quellen, vor drei Jahren waren es noch 38 Prozent.

Während auch Freunde und Bekannte (2020: 21 Prozent; 2017: 38 Prozent) sowie Medien (2020: 21 Prozent; 2017: 28 Prozent) bei den Unter-30-Jährigen weniger wichtig geworden sind um Finanzwissen zu erwerben, stieg die Bedeutung von Internetrecherchen deutlich (von 18 auf 29 Prozent).

Eher geringe Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang unabhängigen Finanzberatern zu: Nur für acht Prozent der Befragten unter 30 Jahren (2017: neun Prozent) sind diese für die Vermittlung von Finanzwissen wichtig; in der Gesamtbevölkerung nennen immerhin 16 Prozent diese Quelle.

Wer Finanzwissen vermitteln sollte

63 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen wollen, dass die Schulen den Bürgern Finanzwissen vermitteln. In der Gesamtbevölkerung stieg dieser Prozentsatz von 50 Prozent vor drei Jahren auf nunmehr 61 Prozent.

Andrea Fronaschütz, Leiterin des Gallup Instituts, meint dazu, dass Finanzbildung in die Schule gehöre. Sie sei der einzige Ort, an dem institutionalisierte Ausbildung für alle über die Zusammenhänge zwischen Einkommen, Steuern, Zinsen, Sparen und Pensionsvorsorge möglich sei.

Nach wie vor an zweiter Stelle liegen Banken und Versicherungen, wenn um die Zuständigkeit für die Vermittlung von Finanzwissen geht. Das sehen 46 Prozent der Befragten so (2017: 44 Prozent).

Und je 35 Prozent sind der Meinung, dass Interessenvertretungen und Medien die Aufgabe hätten, sich um Aufklärung und Informationen zu Finanzthemen zu kümmern. Immerhin 26 Prozent erwarten das auch von unabhängigen Finanzberatern.

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Ausbildung · Steuern
 
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