„Versicherungssteuer in der Lebensversicherung halbieren!“

15.4.2021 – Seit 1. Jänner 2021 steht Robert Lasshofer für zwei Jahre an der Spitze des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs. Im Interview mit dem VersicherungsJournal bremst er eine „IDD 2“, sieht Insurtechs als Sparringpartner und fordert gleich mehrere Vorsorgeanreize.

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VVO-Präsident Robert Lasshofer (Bild: Ian Ehm)
VVO-Präsident
Robert Lasshofer
(Bild: Ian Ehm)

Robert Lasshofer war bis Dezember des Vorjahres Generaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung AG.

Seither ist er Vorstandsvorsitzender des Wiener Städtische Wechselseitiger Versicherungsvereins – Vermögensverwaltung, des Hauptaktionärs der Vienna Insurance Group AG.

Seit Jänner dieses Jahres ist er darüber hinaus Präsident des Versicherungsverbandes (VVO) (VersicherungsJournal 11.1.2021).

In dieser Funktion stand er dem VersicherungsJournal für ein Interview zur Verfügung.

VersicherungsJournal: Seit 28. Jänner 2019 wird in Österreich die Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) in der Praxis umgesetzt. Welche Bilanz ziehen Sie?

Robert Lasshofer: Wir haben in den letzten Jahren gelernt, damit leben zu müssen, auch wenn man betonen muss, dass der Verwaltungsaufwand für die Versicherer und Vermittler deutlich gestiegen ist.

Grundsätzlich haben Versicherungen und Vermittler auch schon vor der IDD die wesentlichsten Punkte erfüllt, vor allem, dass der Versicherungskunde ganzheitlich betrachtet und seine Gesamtrisikosituation, das Vermögen geprüft und seine Bedarfswelt definiert werden muss.

Mit der IDD wurde das standardisiert und auch bürokratisiert. IDD ist allerdings noch nicht so alt, dass schon jetzt wieder über Überprüfungen nachgedacht werden soll. Die Zeit für eine IDD 2 ist noch nicht reif.

VersicherungsJournal: Wie lautet Ihrer Meinung nach die „Digital story“ von Versicherungsgesellschaften und die Strategie im Wettbewerb mit InsurTechs?

Lasshofer: Durch Corona gab es einen zusätzlichen Schub, Digitalisierungsprojekte auch in der Versicherungswirtschaft voranzutreiben. Die Branche hat große Modernisierungsschritte bereits vorgenommen und wird sie weiter verstärken.

Das wird kein revolutionärer, sondern ein evolutionärer Prozess werden. Daher brauchen wir uns vor den InsurTechs nicht fürchten, ganz im Gegenteil, wir können mit ihnen als Sparringpartner gemeinsam innovative Lösungen entwickeln.

Das Ziel ist es, den digitalen Kundenservice noch weiter ausbauen, ganz nach dem Motto: Convience first. Da können wir Versicherer uns noch in dem einen oder anderen verbessern, etwa was einfachere Prozesse oder userfreundliche Plattformen betrifft.

VersicherungsJournal: Wie ist eine, schon vor der Pandemie lange geforderte, staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge trotz Rekordbudgetdefizit möglich?

Lasshofer: Die ergänzende Altersvorsorge muss ein anerkannter Baustein werden, um den zunehmenden Finanzierungsdruck vom staatlichen Vorsorgesystem zu nehmen.

Eine Forderung ist, die Versicherungssteuer in der Lebensversicherung von vier auf zwei Prozent zu senken. Diese Senkung ist insofern notwendig, als durch das anhaltende Niedrigzinsumfeld Versicherungsnehmer durch die Versicherungssteuer in der Höhe von vier Prozent unverhältnismäßig stärker belastet werden, als wenn die Erträge mit einer KESt besteuert werden würden.

Die zweite Forderung ist, bei nachhaltigen Investments ein Level Playing Field zwischen Wertpapieren, Fonds und Versicherungen sicherzustellen. Konkret heißt das, analog zur im Regierungsprogramm vorgeschlagenen KESt-Freiheit für Wertpapier- und Fondsprodukte sollten Lebensversicherungen mit ökologischer und ethischer Veranlagung ebenfalls steuerfrei sein.

Eine weitere Forderung ist, die Zukunftsvorsorge wieder attraktiver zu gestalten. So sollte die staatliche Förderung erhöht werden. Der Wifo-Pensionsexperte Thomas Url hat jüngst den Vorschlag gemacht, die staatliche Förderung wieder zu verdoppeln (VersicherungsJournal 12.3.2021, Anm.). Dem kann ich mich nur anschließen.

 
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