Vier Schwerpunkte: Der Fahrplan des VVO für 2019

1.3.2019 – Von der Steuerreform erwartet sich die Versicherungswirtschaft Anreizsysteme für die zweite und dritte Säule. Kritik übt der Verband am regulatorischen Tempo und macht dies speziell an DSGVO und „Pepp“ fest. Die Digitalisierung biete große Chancen, auch hier sei aber der Gesetzgeber gefordert, Hürden aus dem Weg zu räumen. Naturkatastrophen solle mit „gemeinschaftlicher Risikovorsorge“ entgegengetreten werden.

Vier Schwerpunkte sind es, die die heimische Versicherungswirtschaft 2019, aber auch darüber hinaus „lange begleiten“ werden, wie der Präsident des Versicherungsverbandes (VVO), Kurt Svoboda, am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz (VersicherungsJournal 1.3.2019) in Wien sagte.

Anreize für die Alters- und Pflegevorsorge schaffen

Als erstes führte er das Thema Vorsorge an – und bedauerte die rückläufige Geschäftsentwicklung in der Lebensversicherung. Die Menschen würden immer älter, die Lebenserwartung liege bei über 80 Jahren, 2040 werde mehr als ein Viertel der Bevölkerung älter als 65 sein, die Anzahl der Pflegebedürftigen werde steigen.

Die Versicherungswirtschaft erwarte deshalb, dass im Zuge der Steuerreform „Anreizsysteme“ geschaffen werden, die die private und betriebliche Vorsorge stärken. Das sei gewissermaßen eine „Vorinvestition“, um die staatlichen Sozialsysteme in Zukunft zu entlasten.

Ein Anreizsystem heute entlastet die Sozialleistungen in der Zukunft.

VVO-Präsident Kurt Svoboda

Der VVO sieht verschiedene Anreizmöglichkeiten. Sie könnten monetärer Natur in Form von Zuschüssen sein oder etwa als Steuerbefreiung bei der Auszahlung gestaltet sein. Für die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge wünsche man sich „mehr Flexibilität“, auch eine garantielose Variante wäre vorstellbar.

Auf ein bestimmtes Anreizsystem festgelegt habe sich die Versicherungswirtschaft nicht. Wichtig, so Svoboda, sei, „gemeinsam zu überlegen, wie Anreize finanzierbar und wie sie erklärbar sind“. Denn je komplexer sie wären, desto schwieriger seien sie in der Praxis anzuwenden und umso mehr gingen sie „am Ziel vorbei“.

„Pepp“: Die Idee ist gut, die Umsetzung weniger

Apropos Vorsorge: Auf EU-Ebene ist derzeit die rechtliche Grundlage für das „paneuropäische Pensionsprodukt“ („Pepp“) im Werden (VersicherungsJournal 12.2.2019). Die Eckpfeiler sind bereits eingeschlagen, es fehlen aber noch rechtliche Details. Es wird also noch etwas dauern, bis Pepps tatsächlich das Licht der Welt erblicken.

Svoboda hegt allerdings grundlegende Zweifel, inwieweit das Pepp für die potenziellen Anbieter überhaupt attraktiv sein wird. Kritisch sieht er etwa den Kostendeckel von einem Prozent. „Es ist schwer vorzustellen, dass das jemand abbilden kann und verkaufen wird.“ Für realistisch hält er angesichts der Kapitalmarktbedingungen eher „zwei Prozent und mehr“.

Offen sei auch, wie mit dem Pepp angesichts unterschiedlicher Steuersätze in den EU-Ländern steuerlich umzugehen sein wird – etwa, ob man als Österreicher ein Pepp in einem Land mit niedrigerem Steuersatz erwerben können wird.

Die Idee des Pepp an sich findet Svoboda grundsätzlich „sehr gut“. Es sei aber zugleich ein gutes Beispiel für eine Form von Regulierung, die „zu wenig durchdacht“ und „viel zu früh“ beschlossen worden sei. Große Hoffnungen setzt er ins Pepp daher nach aktuellem Stand der Dinge nicht. Er erwartet sich davon „wenig bis nichts“.

Regulierung „wird sich anpassen müssen“

VVO-Präsident Kurt Svoboda sieht in der Art und Weise der Regulierung Optimierungspotenzial (Bild: VVO/APA-Fotoservice/Hautzinger)
VVO-Präsident Kurt Svoboda sieht
in der Art und Weise der Regulierung
Optimierungspotenzial (Bild:
VVO/APA-Fotoservice/Hautzinger)

Ähnlich beurteilt der VVO-Präsident die Realisierung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) durch den Gesetzgeber.

In der Sache selbst sei die DSGVO gut und ihr Zweck richtig; allerdings habe die Umsetzung und deren Tempo zu einer Überforderung geführt – nicht nur in Unternehmen, sondern auch bei Konsumenten – und letztlich dazu, dass das Thema „derzeit leider negativ besetzt“ sei.

Die Art und Weise der Regulierung bleibt für den VVO deshalb generell ein Thema; die „Spannung“ zwischen Schutzvorschriften und Innovation nehme zu.

„Wir bekennen uns zum Konsumentenschutz“, betonte Svoboda. Eine „gut designte“ Regulierung schütze aber sowohl Kunden als auch Versicherungs- und Volkswirtschaft. Die Regulatorik werde sich anpassen müssen.

Digitalisierung: Große Chance, rechtliche Bremsen

Dritter inhaltlicher Schwerpunkt: die Digitalisierung, die Svoboda als große Chance für die Zukunft sieht, da sie neue Geschäftsmodelle und einen neuen Zugang zu den Kunden ermögliche. Die Interaktion erfolge schneller und anders als bisher. Dementsprechend müsse man die bisherigen Angebote überdenken und sie einfacher gestalten.

Hier sieht er auch die Politik gefordert. Wenn es im VersVG oder VAG Bestimmungen gebe, die nach wie vor den Versand von Papier per Post vorschreiben, so ziehe das für die Digitalisierung Grenzen, die mit Blick auf Kosten und Nachhaltigkeit nicht von Vorteil seien.

Gemeinschaftliche Risikovorsorge gegen Naturkatastrophen

Gemeinsamkeit von Staat und Privat mahnt Svoboda auch im Problembereich Naturkatastrophen ein. Regionale Unwetter träten in immer knapperen Abständen auf. Der Sommer 2018 sei der viertwärmste seit 1767 gewesen. Die größten Risiken: Stürme, Hochwasser, Schnee und Hagel.

Gemeinschaftliche Risikovorsorge könne hier zum einen in dem Natkat-Modell bestehen, das auf dem Public-Private-Partnership-Prinzip (PPP) aufbaut und an sich schon seit langem in der Schublade liegt. Zum anderen plädierte Svoboda für „proaktives Risikomanagement“.

Mit Letzterem sind Infrastrukturmaßnahmen gemeint, die ebenfalls in PPP-Form finanziert und umgesetzt werden könnten, beispielsweise in Gestalt von Lawinenverbauung und Hochwasserschutz. „Auch das kann zur Vorsorge beitragen.“

 
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