Welche Sorgen heimische Versicherer plagen

12.1.2022 – Größte Sorge heimischer Versicherer ist die zunehmende Regulierung. Das ergab eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Im weltweiten Vergleich zeigen sich Österreichs Versicherungen weniger besorgt, gleichzeitig seien sie aber weniger auf Herausforderungen vorbereitet.

PwC-Studie Insurance Banana Skins 2021 (Cover: PwC)
PwC-Studie „Insurance Banana
Skins 2021“ (Cover: PwC)

Die international tätige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC erhebt seit 2007 im Zweijahresrhythmus gemeinsam mit dem Centre for the Study of Financial Innovation (CSFI) Risiken, Sorgen und Stolpersteine der globalen Versicherungsbranche.

Für die aktuelle Studie „Insurance Banana Skins 2021“ (auf Deutsch etwa: „Bananenschalen für Versicherungen“) wurden weltweit mehr als 600 Versicherungsexperten aus 47 Ländern befragt.

In Österreich gab es insgesamt 26 Teilnehmer, von denen 20 aus Kompositversicherungen, drei aus Sachversicherungen, eine Person aus der Lebensversicherung und zwei Personen aus anderen Bereichen stammen.

Österreich: weniger besorgt und weniger vorbereitet

Insgesamt umfasste der Fragebogen 23 mögliche Risiken. Der „Banana Skins Index“ gibt den Durchschnitt der vergebenen Werte auf einer Skala von eins bis fünf wieder. Ein höherer Score bedeutet einen höheren Grad der Besorgnis, so die Studie.

Ausgewertet wurden 18 Länder, in denen es mehr als zehn Teilnehmer gab. Weltweit den höchsten Besorgnisgrad weist Indonesien mit 3,74 aus, gefolgt von Australien (3,40) und Singapur (3,37). Österreich liegt mit einem Wert von 3,03 an 14. Stelle; der weltweite Durchschnitt liegt bei 3,19.

Daneben hat PwC auch einen „Preparedness-Index“ erstellt, der misst, wie gut die Versicherungsbranche nach Meinung des Befragten auf den Umgang mit den von ihm identifizierten Risiken vorbereitet ist, wobei „1“ für „schlecht“ und „5“ für „sehr gut“ steht.

Am besten vorbereitet fühlen sich Teilnehmer aus Spanien mit einem Wert von 3,65. Platz zwei geht an Kanada (3,44), Rang drei an Dänemark (ebenfalls 3,44). Österreich liegt mit 3,19 etwas unter dem weltweiten Schnitt von 3,22, was laut PwC auf eine geringere Vorbereitung hindeute.

Die größten Sorgen der Versicherer

Weltweit auf Platz eins und damit dir größte Sorge der befragten Teilnehmer ist die Cyber-Kriminalität. Versicherungsunternehmen würden zunehmend zur Zielscheibe von Hackerangriffen, die Auswirkungen seien „ebenso schwerwiegend wie vielfältig“, so PwC.

Grundsätzlich zeige die Branche aber Vertrauen in die Einführung neuer digitaler Lösungen zum Schutz vor Cyberangriffen, heißt es dazu in einer Presseinformation.

Hinter Cyber-Kriminalität werden Regulierung, Technologie, Klimawandel und Zinssätze von den Studienteilnehmern global als die größten künftigen Herausforderungen wahrgenommen.

Deutliche Abweichungen in Österreich

Die Reaktionen in Österreich würden sich in mehrfacher Hinsicht von der weltweiten Reaktion unterscheiden, so PwC. Hauptsorge heimischer Versicherungen ist die zunehmende Regulierung; bereits 2019 (VersicherungsJournal 27.8.2019) war diese hierzulande an erster Stelle gelegen.

Regulierung belaste die Branche mit hohen bürokratischen Kosten, erschwere vor allem für kleinere Marktteilnehmer die Geschäftsbedingungen und habe nach Ansicht der Teilnehmer einen „lähmenden Effekt“ auf die Branche, heißt es in der Studie

An zweiter Stelle wurden in Österreich die niedrigen Zinssätze genannt; Niedrigzinslage und steigende Kosten ließen heimische Branchenteilnehmer einen Rentabilitätsverlust befürchten, so PwC.

Große Sorgen bereiten den Österreichern auch der Klimawandel, der auf Platz drei landet und als unmittelbarer Risikofaktor gesehen werde. Bedenken zur Anlageperformance rangieren auf Platz vier, während Cyber-Kriminalität „nur“ den fünften Platz einnimmt.

Österreicher trotzdem optimistisch

Zwar habe die Corona-Pandemie 2021 auch in der heimischen Versicherungsbranche Spuren hinterlassen, die Grundstimmung bleibe dennoch überwiegend optimistisch, resümiert Thomas Windhager, Insurance Leader bei PwC Österreich.

Allerdings würden heimische Versicherer in den kommenden Jahren große Herausforderungen hinsichtlich der Marktbedingungen, dem Klimawandel und der Digitalisierung prognostizieren.

Sie seien im internationalen Vergleich aber weniger besorgt und würden in die Fähigkeiten der Branche vertrauen, kommende Veränderungen und Herausforderungen zu bewältigen.

Weiterführende Informationen

Der Gesamtreport (auf Englisch, 1 MB) und die Österreich-Zahlen (838 KB) können von einer Website von PwC als PDF heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Lebensversicherung · Sachversicherung
 
WERBUNG
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
21.4.2021 – Mehr Prämien in allen drei Sparten, weniger Gewinn vor Steuern: Die Wiener Städtische hat ihre Geschäftszahlen für das letzte Jahr vorgestellt und wirft einen Blick auf die nahe Zukunft. 2021 werde wohl nicht einfacher als 2020, Generaldirektor Ralph Müller gibt sich aber zuversichtlich. (Bild: Ian Ehm) mehr ...
 
26.3.2021 – Die Helvetia könne in Österreich auf ein positives Geschäftsjahr zurückblicken, sagt Vorstandschef Thomas Neusiedler. Das Strategieprogramm sei plangemäß abgeschlossen worden, Prämienvolumen und Ergebnis hätten sich erfreulich entwickelt. (Bild: Andrew Rinkhy) mehr ...
 
5.3.2020 – Helvetia Österreich hat erste Zahlen für 2019 präsentiert. Der neue CEO Thomas Neusiedler betont das Wachstum in den Zielmärkten und zeigt sich mit dem versicherungstechnischen Ergebnis zufrieden. (Bild: Andrew Rinkhy) mehr ...