Wie innovativ österreichische KMUs sind

4.7.2018 – Knapp zwei Drittel der Klein- und Mittelunternehmen mit zumindest zehn Arbeitnehmern waren 2014 bis 2016 „innovationsaktiv“, geht aus Daten der Statistik Austria hervor. Der Sektor Versicherungs- und Finanzdienstleistungen liegt etwa im Schnitt, mit „Ausreißern“ in einzelnen Teilbereichen. Nach einer Umfrage der Erste Bank wiederum bemerken 85 Prozent ein zunehmendes Innovationstempo. Knapp ein Drittel sieht Startups als Konkurrenz, ebenfalls ein Drittel denkt in naher Zukunft an eine Zusammenarbeit mit ihnen.

62 Prozent der österreichischen Unternehmen mit zehn oder mehr unselbstständig Beschäftigten haben zwischen 2014 und 2016 innovative Aktivitäten gesetzt, sei es in Bezug auf Produkte, Prozesse, Organisation oder Marketing.

Das besagen Zahlen, die die Statistik Austria aus einer Stichprobenerhebung mit freiwilliger Beteiligung von 2.900 Unternehmen hochgerechnet und am Dienstag veröffentlicht hat.

Je nach Unternehmensgröße variiert der Anteil der Innovationsaktiven aber stark. Tendenziell gilt: Je kleiner das Unternehmen, desto weniger Unternehmen sind innovationsaktiv: In der Gruppe der Unternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten beträgt ihr Anteil nur 29,4 Prozent.

Anteil der Innovatoren hat zugenommen

Im Vergleich zum Zeitraum 2012 bis 2014 ist die Anzahl der Innovativen insgesamt jedoch leicht gestiegen. Damals waren 59,5 Prozent als „innovationsaktiv“ einzustufen. Diese Zunahme ist in allen vier Teilkategorien festzustellen und betrug jeweils zwischen rund drei und fünf Prozentpunkten.

Gegenüber dem Zeitraum 2010 bis 2012, „in dem krisenbedingt die Innovationsleistung in ganz Europa zurückgegangen war“, so die Statistiker, fällt das Plus noch einmal deutlicher aus. In dieser Phase lag die Innovatorenquote bei 54 Prozent.

Wo der Sektor Versicherungs- und Finanzdienstleistungen steht

Das Datenmaterial enthält auch eine Aufschlüsselung für einzelne Wirtschaftssektoren, unter anderem für „Versicherungs- und Finanzdienstleistungen“.

Hier lag der Anteil der Innovationsaktiven 2014 bis 2016 in Summe leicht über dem Gesamtwert aller Branchen. Betrachtet man die einzelnen Kategorien, so zeigen sich teils größere Abweichungen.

In Sachen Produktinnovation bleibt der Sektor hinter der Gesamtwirtschaft zurück. Dasselbe gilt für Prozessinnovationen. In puncto Marketinginnovation reiht er sich wieder in den Durchschnitt ein.

Was organisatorische Innovationen angeht, liegt er dagegen mit 50,7 Prozent recht klar über dem Gesamtschnitt (41,1 Prozent).

Innovationsaktivitäten der Unternehmen 2014 bis 2016

Von insgesamt 16.914 KMUs waren …

Gesamt (alle Branchen) *

Versicherungs- u. Finanzdienstleist.

… Innovationsaktive (Innovationen oder laufende, noch nicht abgeschlossene bzw. abgebrochene Innovationsaktivitäten)

62,0 %

63,2 %

… Produktinnovatoren (Markteinführung eines neuen oder merklich verbesserten Produkts. Die Innovation muss neu für das Unternehmen sein, es muss sich dabei nicht um eine Marktneuheit handeln.)

34,4 %

28,3 %

… Produktinnovatoren, die auch Erstanbieter von Marktneuheiten sind (Waren oder Dienstleistungen, die für den spezifischen Markt, auf dem sie eingeführt wurden, neu waren.)

22,7 %

13,0 %

… Prozessinnovatoren (neue oder merkliche Verbesserung der Fertigungstechnik, der logistischen Verfahren, der Liefer- oder Vertriebsmethoden oder der unterstützenden Aktivitäten für ihre Prozesse)

36,0 %

32,1 %

… organisatorische Innovatoren (neue organisatorische Methoden in der Geschäftspraxis, in der Arbeitsorganisation und Entscheidungsfindung oder in den externen Beziehungen eines Unternehmens)

41,1 %

50,7 %

… Marketinginnovatoren (neues Design, neue Verpackung, neue Werbeträger oder Methoden der Produktwerbung, neue Vertriebswege, neue Methoden der Preisgestaltung, …)

35,1 %

35,8 %

12,6 Prozent der Umsätze entfielen auf Innovationen

Inwieweit wirken sich Innovationen auf den Umsatz aus? Alle erfassten Branchen zusammengerechnet, wurden 2016 geschätzte 12,6 Prozent aller Umsätze mit Produktinnovationen erzielt, heißt es von der Statistik Austria.

„Das entspricht einem leichten Anstieg gegenüber 2014 (12,0 Prozent) und einer starken Erhöhung gegenüber 2012 (9,8 Prozent).“

Die Innovationsausgaben stiegen von 2014 auf 2016 von 8,47 auf 8,94 Milliarden Euro. Die gesamten Innovationsausgaben 2016 beziffert die Statistik Austria mit 2,2 Prozent der Gesamtumsätze (2014: 2,0 Prozent).

Vor allem Fachkräftemangel hindert Innovation

Fragt man die innovationsaktiven Unternehmen nach bedeutenden Hürden für Innovationen, so nennen sie häufig einen Mangel an qualifizierten Mitarbeitern: Ein Viertel bezeichnete dies als wesentlichen Hemmschuh.

Die Schwierigkeit, staatliche Zuschüsse zu erhalten, fehlendes Geld und zu hohe Kosten gab jeweils rund ein Fünftel als wichtiges Hindernis an.

Innovationshindernisse mit „großer Wichtigkeit“ (Gesamtwirtschaft)

Hindernis

% aller Innovatoren

Mangel an qualifizierten Mitarbeitern

25,2 %

Schwierigkeiten, staatliche Zuschüsse für Innovationen zu bekommen

20,4 %

Fehlende Geldmittel für Innovationen im Unternehmen

20,2 %

Innovationskosten zu hoch

19,7 %

Zu hoher Wettbewerb im Markt

15,9 %

Unsichere Marktnachfrage nach Innovationen

13,0 %

Mangelnde Finanzierung durch Kredite oder ähnliches

10,4 %

Mangel an Partnern für die Zusammenarbeit

6,4 %

Jedes dritte KMU denkt an Kooperation mit Startups

Ebenfalls am Dienstag hat die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG eine Studie vorgestellt, für die die Imas-Marktforscher im März 2018 Klein- und Mittelbetriebe mit einem Jahresumsatz von zwei bis 50 Millionen Euro befragt haben. Österreichweit wurden 900 Interviews durchgeführt.

Die überwältigende Mehrheit (85 Prozent) bemerke in den letzten zehn Jahren eine steigende Innovationsgeschwindigkeit und sehe die Notwendigkeit zur Digitalisierung, berichtet die Erste. 50 Prozent finden, dass das Tempo „deutlich“, 35 Prozent, dass es „etwas“ zugelegt hat.

Drei von zehn KMUs sehen in Startups eine Konkurrenz. Ebenfalls etwa jedes dritte Unternehmen kann sich in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Zusammenarbeit mit Start-ups vorstellen: Acht Prozent erachten dies als sehr, weitere 25 Prozent als eher wahrscheinlich.

Sind Startups Konkurrenz für KMUs? (Grafik: Erste Bank)
Grafik: Erste Bank

Kooperation vor allem bei „neuen Technologien“

Besonders im Bereich neue Technologien, Software und Internet (64 Prozent). „Gerade in jenen Bereichen wird den Startups viel Know-how zugeschrieben, an dem sich immer mehr KMU beteiligen wollen.“

Weit mehr als die Hälfte (59 Prozent) der KMUs halte die Zusammenarbeit mit Startups in der Ausbildung ihrer Mitarbeiter für besonders sinnvoll.

Verbesserungspotenzial mit Hilfe von Startups sehe jedes zweite Unternehmen auch bei der Optimierung von Arbeitsprozessen (55 Prozessen) und effizientem Arbeiten (54 Prozent).

Wo KMUs Bereiche für Kooperationen mit Startups sehen (Grafik: Erste Bank)
Wo KMUs Bereiche für Kooperationen mit Startups sehen. Zum Vergrößern Grafik anklicken (Grafik: Erste Bank).

Faktor Mensch bleibt wichtig

Trotz steigender Digitalisierung bleibe der Faktor Mensch für Unternehmer weiterhin das Wichtigste, vor Innovation und Digitalisierung, betont die Erste.

Vorstandschef Stefan Dörfler: „99 Prozent sehen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Haupterfolgsfaktor. Ein gutes Signal und eine Einschätzung, die ich voll teile.“

Schlagwörter zu diesem Artikel
Ausbildung · Darlehen · Digitalisierung · Marketing · Marktforschung · Mitarbeiter · Werbung
 
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu! Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.at.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.at.

Täglich bestens informiert!

Der VersicherungsJournal Newsletter informiert Sie von montags - freitags über alle wichtigen Themen der Branche.

Ihre Vorteile

  • Alle Artikel stammen aus unserer unabhängigen Redaktion
  • Die neuesten Stellenangebote
  • Interessante Leserbriefe

Jetzt kostenlos anmelden!

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.at
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
25.9.2015 – Videoberatung und Online-Services: Wir haben nachgefragt, für welche Versicherungen das ein Thema ist und für welche nicht – 18 Assekuranzen und ihre Antworten. mehr ...
 
23.12.2016 – 28 Versicherungsvorstände sprechen in einer Umfrage über die größten Herausforderungen des ausklingenden und die wichtigsten Themen des kommenden Jahres. mehr ...