29.4.2026 – Die allermeisten „Hochaltrigen“ sind mit ihrem Leben zufrieden, besagen Ergebnisse einer neuen Studie. Der Gesundheitszustand entwickle sich in dieser Altersgruppe aber stark auseinander. Mehr als die Hälfte hat mehr als eine Krankheit, mehr als ein Drittel gibt an, in irgendeiner Form Unterstützung zu benötigen. Privat krankenversichert ist der Umfrage zufolge ein Drittel.

„Die Alten“ gibt es nicht, sagt Georg Ruppe. Er hat am Dienstag in Wien Ergebnisse der „Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie (ÖIHS)“ der Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen (ÖPIA) präsentiert.
Tatsächlich seien die Lebensumstände im hohen Alter stark heterogen, stellte der Studienleiter weiter fest. Die Resultate fußen auf einer Stichprobe von 826 Personen im Alter von 80 bis 90 Jahren. Diese wurden im Zeitraum 2023 bis 2025 in sechs Bundesländern – allen außer Burgenland, Oberösterreich und Vorarlberg – befragt.
Überraschen mag, dass der Anteil jener, die sich als sehr oder eher zufrieden mit ihrem Leben bezeichnen, nämlich 90,6 Prozent, sehr hoch ist. Als „mittelmäßig“ stufen ihre Lebenszufriedenheit 8,7 Prozent ein, unzufrieden sind nur 0,6 Prozent.
Als wichtigste Faktoren, aus denen sich dieser hohe Zufriedenheitswert zusammensetzt, stellen sich bei näherem Hinsehen Familie und andere Sozialkontakte dar. 77,2 Prozent sind mit ihrer Familienbeziehung sehr zufrieden.
Der Gesundheitszustand zählt indes nicht zu jenen Faktoren, die die Gesamtzufriedenheit nach oben treiben: Nur 27,7 Prozent sind mit ihrer Gesundheit „sehr“ zufrieden, 39,5 Prozent immerhin „eher“.
Wirft man einen genaueren Blick auf den Gesundheitszustand, werden Unterschiede nach Bildung und Geschlecht ersichtlich. Tendenziell stellt er sich bei Personen mit niedrigerem Bildungsgrad als schlechter dar. Dasselbe gilt für Frauen gegenüber Männern.
Dieses „Missverhältnis“ zu Lasten der Frauen hat laut Ruppe nicht zuletzt damit zu tun, dass Männer schlicht oftmals früher sterben, also gar nicht erst dieses hohe Alter erreichen, und jene, die doch länger leben, deshalb auch „die Gesünderen ihrer Art“ sind, wie Ruppe „etwas salopp“ sagte.
Grundsätzlich gehe die gesundheitliche Schere zwischen dem 80. und 90. Lebensjahr „enorm schnell“ auseinander. „Manche Entwicklungspsychologen vergleichen das fast mit der Kleinkindphase“, so Ruppe.
Konkret befinde sich rund ein Drittel in einem „relativ guten“ Gesundheitszustand, eine „relativ große Masse“ bewege sich „in der Mitte“, nur ein sehr kleiner Anteil sei gebrechlich.
Mehr als die Hälfte der Befragten leidet unter mehr als nur einer chronischen Erkrankung. Am weitesten verbreitet ist Bluthochdruck (53,0 Prozent). Eine Erkrankung des Herzens gaben 34,6 Prozent an, Osteoporose 19,0 Prozent.
Ein beträchtlicher Anteil muss regelmäßig mehrere Medikamente einnehmen: Ein Viertel (24,6 Prozent) nimmt vier bis fünf, 28,0 Prozent nehmen sechs bis zehn, und 11,7 Prozent sogar elf oder mehr Medikamente. Nur 6,3 Prozent nehmen gar keine ein.
Etwas mehr als ein Drittel (36,7 Prozent) gab an, im Alltag alters- oder gesundheitsbedingt Unterstützung irgendeiner Form zu benötigen.
„Im engeren Sinne pflegebedürftig, d.h. angewiesen auf umfangreichere Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen bis hin zur Körperpflege, sind 16,1 Prozent der Stichprobe“, ist der Studie zu entnehmen.
Bei der Mehrheit der Pflegebedürftigen (75,2 Prozent) sei ein Bedarf an pflegebezogener Hilfe erst im Laufe der letzten fünf Jahre entstanden. Nur 8,5 Prozent sagten, schon seit mehr als zehn Jahren auf Pflege angewiesen zu sein.
„Signifikante Differenzen“ identifiziert die Studie nach dem Alter:
Ein Drittel der Teilnehmer (33,3 Prozent) verfügt laut Studie über eine private Krankenversicherung, wie Sonja Brandtmayer, stellvertretende Generaldirektorin der Wiener Städtischen, die eine der Unterstützerinnen der Studie ist, anmerkte.
„Dabei handelt es sich vor allem um Studienteilnehmer/innen aus dem höheren Bildungssegment mit Matura oder Universitätsabschluss, von denen mehr als die Hälfte (52,2 Prozent) über eine Sonderklassenversicherung verfügt“, heißt es in der Studie. Unter Personen mit niedriger Bildung treffe dies nur auf 15,6 Prozent zu.
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