WKÖ: Schutzschirm für Kreditversicherer angekündigt

1.7.2020 – Für Kreditversicherer soll es nun offenbar doch Rückendeckung geben: Geplant sei eine 85-prozentige staatliche Garantie bei einem Volumen von einer Milliarde Euro.

In den vergangenen Tagen waren Stimmen laut geworden, die Rückendeckung für die Kreditversicherungen einforderten (VersicherungsJournal 22.6.2020).

„Wir beobachten aktuell nahezu täglich ein starkes Zurückfahren der Kreditlimits“, hatte Sigi Menz, Obmann der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), vor wenigen Tagen gesagt. Dadurch werde der Export für rund die Hälfte aller Industriebranchen „nahezu unmöglich“.

Auch die Acredia Versicherung AG und die Coface SA Niederlassung Österreich hatten sich gegenüber dem VersicherungsJournal dem Ruf nach staatlicher Unterstützung angeschlossen.

85-prozentige staatliche Garantie angekündigt

Nun liegt offenbar eine Lösung auf dem Tisch. Wie die WKÖ am Dienstag unter Berufung auf die Bundesregierung sagte, sei für die heimischen Kreditversicherer eine staatliche Haftungsübernahme im Umfang von einer Milliarde Euro geplant.

Der Bund würde demnach 85 Prozent der Kredite mit staatlicher Rückgarantie übernehmen, die Kreditversicherer 15 Prozent, erklärte WKÖ-Präsident Harald Mahrer.

„Damit wird sichergestellt, dass die Kreditversicherer weiter unsere Exportwirtschaft unterstützen können“, so Mahrer. „Die Haftungen für die Kreditversicherer schützen unsere Unternehmen vor Forderungsausfällen und sichern damit auch Beschäftigung in Österreich.“

Kreditversicherungen seien für Österreichs Wirtschaft „systemrelevant“, so der Kammerchef. „Sie gewährleisten, dass Warenströme und Lieferketten erhalten werden können und Neuaufträge, die jetzt in die Betriebe kommen, auch tatsächlich abgewickelt werden.“

Vorschlag stößt auf breite Zustimmung

„Die Maßnahme war überfällig, da Deutschland und auch andere Länder ihre Kreditversicherer bereits unterstützen. Sie wird für Belebung des Exports sowie des internationalen Warenaustausches insgesamt sorgen“, kommentiert Spartenchef Menz die Ankündigung.

Beispielsweise werde in Italien auf Holz aus Österreich gewartet, das zuletzt wegen reduzierter Kreditlimits weniger geliefert worden sei. Menz: „Wenn unsere Kreditlimits nun nicht mehr gesenkt werden, sondern wieder Vor-Krisen-Niveau erreichen, sind wir endlich wieder handlungsfähig.“

Auch Alexander Klacska, Obmann der WKÖ-Bundessparte Transport und Verkehr, zeigt sich zufrieden: Es sei für den Logistikstandort Österreich sehr wichtig, „dass nun eine Lösung gefunden wurde, die das Funktionieren des Kreditversicherungssystems sicherstellt“.

„Klug und ausgewogen“

Lob kommt auch vom Präsidenten der Industriellenvereinigung, Georg Knill. Es handle sich um einen „klugen und ausgewogenen“ Vorschlag.

Knill bezeichnet Kreditversicherungen als eine „tragende Säule für den Erfolg der heimischen Exportwirtschaft, die wiederum entscheidender Treiber für Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand in Österreich ist“.

Nähere Details zu dem Plan, insbesondere zum weiteren Verfahrensverlauf, lagen der Redaktion am Dienstag nicht vor. Auf eine entsprechende Anfrage bei den Ministerien für Wirtschaft und Finanzen erreichte uns bis zum Redaktionsschluss keine Antwort.

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