Wo der Wohlstand nicht ankommt

28.9.2020 – Für private Geldvermögen war 2019 ein Boomjahr. Das hat allerdings dazu geführt, dass die Ungleichheiten global gestiegen sind. Die Corona-Pandemie wird den Aufholprozesse ärmerer Länder verzögern, Millionen dürften wieder in extreme Armut fallen.

Neben der Analyse von Wohlstand und privater Geldvermögensbildung (VersicherungsJournal 25.9.2019) behandelt die Allianz SE in ihrem „Global Wealth Report 2020“ auch Fragen der Ungleichheit, des Wohlstandsgefälles und der Armut in der Welt.

Im Vorjahr habe sich das Wohlstandsgefälle zwischen reichen und armen Ländern wieder vergrößert. Die Reichen seien reicher geworden, der Aufholprozess ärmerer Länder sei ins Stocken geraten.

Mit ein Grund dafür sei, dass 2019 das Vermögenswachstum in Nordamerika und Ozeanien am größten gewesen sei, während in den Jahren zuvor die Schwellenländer das Ranking angeführt hätten.

49 Millionen zurück in extreme Armut

1,9 Milliarden Menschen müssen mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag (International poverty line) auskommen, so die Allianz in ihrem Report. War vor der Pandemie in vielen Ländern eine substantielle Reduktion dieser Zahl bis 2030 erwartet worden, so dürfte sich Corona massiv auf die globale Armut auswirken.

Vor der Corona-Krise waren Schätzungen davon ausgegangen, dass der Anteil armer Menschen an der Weltbevölkerung bis 2021 auf 7,6 Prozent sinken werde. Nun dürfte die Entwicklung um drei Jahre zurückgeworfen werden, aktuell werde ein Anteil von 8,3 Prozent und damit mehr als 2019 erwartet

Die Weltbank rechne damit, dass heuer rund 49 Millionen Menschen weltweit zurück in extreme Armut fallen. Vor allem in Afrika (25,4 Millionen Menschen) und Asien (20,1 Millionen) werden die größten Auswirkungen erwartet, während Europa mit 900.000 zusätzlichen extrem Armen relativ glimpflich davon kommen dürfte.

Mittelklasse geschrumpft

Deutlich gesunken ist im Vorjahr laut Allianz die Zahl der Mitglieder der globalen Vermögens-Mittelklasse, die von einer Milliarde auf knapp 800 Millionen Menschen zurückgegangen sei.

Nunmehr besitze ein Prozent der Menschen 44 Prozent des gesamten Geldvermögens. Die reichsten zehn Prozent kommen demnach auf 84 Prozent des Vermögens. Dass sich die Kluft zwischen reichen und armen Ländern noch vor Covid-19 vergrößert habe, sei beunruhigend, so die Allianz.

Sehr wahrscheinlich werde die Pandemie nämlich dazu führen, dass die Ungleichheit weiter ansteigen wird. Sie stelle nicht nur einen Rückschlag für die Globalisierung dar, sondern beeinträchtige auch Bildungs- und Gesundheitswesen vor allem in Ländern mit niedrigem Einkommen.

Vermögen ungleich verteilt

Der von der Allianz heuer zum zweiten Mal errechnete Indikator der Vermögensverteilung (Allianz Wealth Equity Indicator, AWEI) sieht Österreich auf Rang 37 unter 53 untersuchten Staaten; im Vorjahr lag unser Land sogar noch weiter hinten: auf Platz 41.

Innerhalb der Eurozone ist die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung nur in Deutschland noch größer, so die Allianz. Allerdings sind es nur diese beiden Länder, in denen die Ungleichheit sich im letzten Jahr reduziert hat – bei allen anderen Eurozonen-Staaten ist sie gestiegen.

Am besten schneiden heuer die Slowakei, Belgien und Japan ab. Am letzten Platz liegen die USA, nur wenig ausgeglichener ist die Vermögensverteilung in Dänemark, das am vorletzten Platz landete.

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Gesundheitsreform · Ranking
 
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