Wo Firmen die größten Risiken für ihre Entwicklung sehen

24.1.2023 – Unter den Mittelstandsunternehmen fiel die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage im vierten Quartal 2022 nicht mehr so gut aus wie ein Jahr zuvor – aber immer noch deutlich besser als vor zwei Jahren. Das besagten Ergebnisse einer neuen EY-Umfrage. Was die nähere Zukunft betrifft, ist der Anteil der Skeptiker mit 26 Prozent vergleichsweise hoch. Zu den größten Hürden werden Fachkräftemangel, hohe bzw. schwankende Energie- und Rohstoffpreise sowie Inflation gezählt.

Das neue EY-Mittelstandsbarometer (Cover; Quelle: EY)
Das neue EY-Mittelstandsbarometer (Cover; Quelle: EY)

51 Prozent der Mittelständler in Österreich beurteilten ihre Geschäftslage zuletzt als „gut“, weitere 37 Prozent als „eher gut“. Die übrigen 11 bzw. 1 Prozent bewerteten sie als „eher schlecht“ oder „schlecht“.

Dies sind Ergebnisse aus der Umfrage zum aktuellen „Mittelstandsbarometer“ der Unternehmensberatung EY. Hierfür hat das Market-Institut von Oktober bis Dezember 2022 bundesweit 600 nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern befragt.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Stimmung eingetrübt: Damals hatten 62 Prozent ihre Lage als gut, 29 Prozent als eher gut beschrieben. Im Vergleich zu vor zwei Jahren (37 bzw. 25 Prozent) sind die Werte dennoch besser, im längerfristigen Vergleich „passabel“.

Zur besseren Einordnung: Die „Gut“-Werte bewegten sich in den vergangenen zehn Jahren in einer Bandbreite von 40 Prozent (vor zehn Jahren) bis 68 Prozent (vor fünf Jahren).

Einschätzung der Geschäftslage in einzelnen Sektoren

Für acht Sektoren weist die Untersuchung gesondert „Gut“-Werte aus. Der höchste Anteil derer, die ihre aktuelle Geschäftslage „gut“ finden, ist mit 60 Prozent in der Industrie auszumachen (Vorjahr: 58 Prozent). An zweiter Stelle rangieren „Finanz- und andere Dienstleister“ mit 59 Prozent (Vorjahr: 60 Prozent).

In anderen Branchen sind teils starke Rückgänge festzustellen, besonders in „Transport, Verkehr, Energie“, wo der Wert von 78 auf 45 Prozent fiel.

Bewertung der aktuellen Geschäftslage, nach Sektoren (Grafik: EY)
Bewertung der aktuellen Geschäftslage, nach Sektoren (Grafik: EY). Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Pessimistischerer Blick auf die kommenden sechs Monate

Der Blick in die nähere Zukunft ist deutlich pessimistischer als noch vor einem Jahr: Damals gingen 10 Prozent davon aus, dass sich ihre Geschäftslage in den sechs Monaten nach dem Umfragezeitpunkt verschlechtern werden. In der aktuellen Umfrage tun dies 26 Prozent.

Ähnlich hoch war dieser Wert in den letzten zehn Jahren nur vor zwei Jahren (24 Prozent), ansonsten erreichte er höchstens 10 Prozent, blieb aber überwiegend darunter.

Umgekehrt gehen nur 20 Prozent von einer Verbesserung aus – der niedrigste Wert in den letzten zehn Jahren; der höchste Wert war vor fünf Jahren erreicht worden (38 Prozent).

Immerhin: Die restlichen 54 Prozent erwarten in der aktuellen Umfrage eine gleichbleibende Entwicklung.

Einschätzung der Entwicklung in einzelnen Sektoren

Wie schätzen die einzelnen Sektoren die Entwicklung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten ein?

Im Tourismus glauben 39 Prozent an eine Verbesserung, 14 Prozent an eine Verschlechterung. Es ist der einzige Sektor, in dem es mehr Optimisten als Pessimisten gibt.

Bei „Finanz- und anderen Dienstleistern“ ist der Anteil der Optimisten mit 14 Prozent vergleichsweise gering. Ihnen stehen 19 Prozent gegenüber, die sich auf eine Verschlechterung einstellen.

Einschätzung der Entwicklung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten, nach Sektoren (Grafik: EY)
Einschätzung der Entwicklung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten, nach Sektoren (Grafik: EY). Zum Vergrößern Grafik anklicken.

Fachkräftemangel und Energiepreise als größte Gefahren

Nach den größten Gefahren für die Entwicklung ihres Unternehmens gefragt, nimmt der Fachkräftemangel einen Spitzenplatz ein. 36 Prozent sehen in ihm eine sehr große, weitere 31 Prozent eine eher große Gefahr.

Hohe oder stark schwankende Energiepreise sowie hohe oder schwankende Rohstoffpreise und Inflation nehmen ebenfalls Plätze im Spitzenfeld der Risikoliste ein.

Die derzeit größten Gefahren für die Entwicklung der eigenen Unternehmen aus deren Sicht (Grafik: EY)
Die derzeit größten Gefahren für die Entwicklung der eigenen Unternehmen aus deren Sicht (Grafik: EY). Zum Vergrößern Grafik anklicken.
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