WERBUNG

Wo Kfz-Versicherer Hebel zur Schadenminimierung sehen

23.5.2024 – Über mögliche Maßnahmen zur Prävention und zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr haben Fachleute aus der Branche am Round Table des VersicherungsJournals gesprochen. (Bild: Nabeel Syed auf Unsplash)

Autos in zwei Spuren (Bild: Nabeel Syed auf Unsplash)
Bild: Nabeel Syed auf Unsplash

Im neuesten, diese Woche erschienenen „VersicherungsJournal Spezial“ steht Mobilität im Mittelpunkt des Interesses (VersicherungsJournal 21.5.2024). Für diese Ausgabe haben wieder Fachleute aus der Branche an einem Round Table diskutiert.

Dabei ging es unter anderem darum, welche Rolle Versicherer der Prävention beimessen und welche Maßnahmen sie zur Risiko- und Schadenminimierung für notwendig erachten würden.

Gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Für Patrick Rechberger, den Leiter des Makler- und Agenturvertriebs der Ergo Versicherung AG, handelt es sich bei Prävention zunächst um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es gehe darum, ein „gesundes Risikobewusstsein“ zu verinnerlichen.

Ergo selbst unterstütze Kunden beispielsweise mit Unwetterwarnungen. Eine andere Möglichkeit für Versicherer wären höhere Selbstbehalte, weil sich auch dadurch womöglich das Risikoverhalten ändert. Das sei eine bei Kunden freilich weniger beliebte Variante.

Awareness durch den KFV

Christian Sipöcz, Mitglied im Vorstand der VAV Versicherungs-AG, hielt fest, dass das – eng mit der Versicherungswirtschaft verbundene – Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) bemüht sei, „Awareness“ zu schaffen.

Das beginnt bereits im Volksschulalter, zuletzt habe „Helmi“ wieder mehr mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, der dafür eingesetzt wird, die Straßenverkehrssicherheit für Kinder zu erhöhen.

Im KFV setze man Schwerpunkte zur Sensibilisierung in vielen verschiedenen Bereichen, von der zunehmenden E-Bike-Nutzung bis hin zum Thema Internetbetrug.

Risikobewusstsein bei Kindern, aber auch Erwachsenen

Sabine Berg, Leiterin der Kfz-Sparte der Wiener Städtischen Versicherung AG, teilt die Ansicht, dass Prävention auch in den Verantwortungsbereich der Versicherungswirtschaft fällt.

Das betreffe schon die Kleinsten. „Jeder ist Verkehrsteilnehmer, auch, wenn man keinen Führerschein hat“, deshalb sei es wichtig, allen eine „Grundausbildung“ zukommen zu lassen.

Es betreffe aber ebenso die schon etwas Größeren. Das KFV arbeite hier darauf hin, dass die Problematik von Alkohol am Steuer oder des Nichtanlegens von Sicherheitsgurten im Bewusstsein der Lenker gehalten wird.

Berg erinnerte außerdem an ein – auch von Versicherern unterstütztes – Projekt des Landes Oberösterreich, in dessen Rahmen Lenker mittels akustischer Signale vor Wildwechsel gewarnt werden.

Kooperation mit ÖAMTC

„Prävention ist immer wichtig“, betont Thomas Lackner, Vorstandvorsitzender der HDI Versicherung AG.

Er weist aber auch darauf hin, dass die Schadenfrequenz in Österreich an sich gering sei und nicht zunehme. Demgegenüber sei zu beobachten, dass die durchschnittliche Schadenhöhe ansteige.

Lackner verwies auf die schon seit einigen Jahren laufende Kooperation der HDI mit dem ÖAMTC, die der Prävention dient: den Wettbewerb „Österreichs sicherster Motorradfahrer“.

Drei Sofortmaßnahmen, die effektiv wären

Für Erwin Mollnhuber, Geschäftsführer der Garanta Versicherungs-AG Österreich, ist die Kfz-Haftpflichtversicherung schon von vornherein auf Prävention angelegt – und zwar wegen des Bonus-Malus-Systems: Je weniger Schaden, desto weniger Prämie.

Auf allfällige „Sofortmaßnahmen“ zur Senkung von Unfallzahlen angesprochen, nennt er drei Optionen, die, so Mollnhuber, nachweislich dazu führen würden, dass es weniger Unfälle gibt.

Gruppen mit erhöhtem Risiko seien – aus unterschiedlichen Gründen – besonders junge und alte Fahrer. Aus Sicht des Versicherers wäre es deshalb erstens sinnvoll, dass Lenker im Alter ab 70 Jahren eine jährliche Gesundheits- oder Fitnessprüfung machen müssen.

Zweitens könnte sich Mollnhuber vorstellen, dass junge Leute nur Autos bis zu einer gewissen kW-Leistung lenken dürfen, was freilich – ebenso wie Fitnesschecks in höherem Alter – entsprechenden politischen Willen voraussetzen würde. Von Seiten des Versicherers ließe sich so etwas über Annahmerichtlinien regeln.

Eine dritte Maßnahme wäre eine Senkung des Tempolimits auf Autobahnen auf 100 km/h. Auch dies würde allerdings den politischen Willen dazu voraussetzen, wie Mollnhuber anmerkt.

Nachvollziehbare Regeln „tragen am meisten zur Sicherheit bei“

Die Versicherungswirtschaft trage im Wege des KFV bereits einiges zu einer höheren Verkehrssicherheit bei, meint Sergius Kahr, Leiter der Abteilung Motor/Rechtsschutz bei der Generali Versicherung AG.

Kahr meint aber auch, dass „nachvollziehbare gesetzliche Rahmenbedingungen am meisten zur Sicherheit beitragen“. Sein Wunsch: dass die Mobilität in all ihren verschiedenen Ausprägungen von der Politik „mit Augenmaß“ bewertet wird.

Als ein Beispiel nennt er in diesem Zusammenhang die Einführung von Privilegierungen für Radfahrer in der Straßenverkehrsordnung, die aber unter Umständen eher zu Opfern als zu höherem Schutz führen könnten, weil Radfahrer am Ende gegenüber einem stärkeren Verkehrsmittel „immer im Nachteil“ seien.

Es sollte auch anerkannt werden, findet Kahr, dass eine Verkehrsart nicht dadurch attraktiver werde, dass man eine andere verschlechtert. Eine Straßenbahnverbindung werde schließlich nicht besser, indem man Hindernisse für Autos errichtet.

„Ich würde mir also ein Füreinander und Miteinander wünschen – und das hat noch Entwicklungspotenzial.“

Zum Herunterladen

Das „VJ Spezial Kfz-Versicherung“ kann auf der VersicherungsJournal-Website online gelesen oder als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

 
WERBUNG
Die Alternative zum Premium-Abonnement

Möchten Sie Artikel ohne Registrierung abrufen, so können Sie jeden Text über GBI-Genios Deutsche Wirtschaftsdatenbank GmbH einzeln für einen geringen Stückpreis erhalten. Direkt auf diesen Artikel bei Genios gelangen Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
20.1.2023 – Das ist der Tenor einer Analyse der europäischen Versicherungsaufsicht rund um Produktentwicklung und Vertriebsprozesse. Sie macht positive Entwicklungen aus, listet aber auch Kritikpunkte auf, die es „konsumentenzentriert“ zu beheben gelte. (Bild: Eiopa) mehr ...
 
18.12.2023 – Im ersten Teil unseres Jahresrückblicks lassen wir Ereignisse der ersten drei Monate im Zeitraffer Revue passieren. (Bild: Gerd Altmann auf Pixabay, Bearbeitung Lampert) mehr ...