Bauversicherung für die Praxis

6.6.2018 – Neue Normen, Fortschritte bei Baumethoden oder die Begleitung von Bauprojekten durch sogenannte Claim-Manager stellen haftungsrechtliche Fragen und versicherungstechnische Lösungsansätze in den Mittelpunkt des Interesses. Der Autor, der mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Versicherungsbranche mitbringt, gibt anhand von OGH-Urteilen aus den letzten 50 Jahren und einer Vielzahl von Praxistipps, die das große Spektrum möglicher Problemfelder abdecken, eine Orientierung.

Neu im Linde Verlag: Bauversicherungen
richtig abschließen (Bild: Linde Verlag)

Spezialisierte Juristen und Bauingenieure hätten in den letzten Jahren ein neues Betätigungsfeld entdeckt, schreibt Autor Norbert Jagerhofer im Vorwort seines Buches „Bauversicherungen richtig abschließen“.

Das Schlagwort heißt Claim-Management. Dieses umfasse die Begleitung von Bauprojekten und dokumentiere jede Vertragsabweichung. Dabei entstehende Mehrkosten werden evaluiert und dann geltend gemacht.

Das zeige die Bedeutung haftungsrechtlicher Fragen und versicherungstechnischer Lösungsansätze für Bauvorhaben. In der Literatur sei dem bisher aber „vergleichsweise wenig Augenmerk geschenkt“ worden, so Jagerhofer.

Aus der Erfahrung entstanden

Der Autor ist Prokurist bei der RVM Raiffeisen-Versicherungsmakler GmbH, selbständiger Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten sowie allgemein gerichtlich beeideter und zertifizierter Sachverständiger für Versicherungswesen.

Nach eigener Aussage verfügt er über eine mehr als dreißigjährige Erfahrung auf dem Gebiet des Versicherungswesens in mehr als 60.000 Fällen. Darüber hinaus ist er auch als Vortragender und als Fachbuchautor tätig.

Im vorliegenden Buch stützt er sich auf die Judikatur des OGH in den letzten 50 Jahren zu den Themen der Bauversicherung sowie diesen vorgelagerten oder verbundenen Themen. Als Beispiel für letztere seien hier Fragen der Gewerbeberechtigung angeführt, was deshalb wichtig sei, „weil die GewO-Novelle 2002 sowie jene aus 2017 noch nicht bei allen Schadensreferenten angekommen“ sei, wie Jagerhofer schreibt.

Die ständige Änderung von Normen und Bedingungswerken sowie Fortschritte bei den Baumethoden würden ständig zu neu gelagerten Schadensfällen und Beurteilungskriterien führen, so der Autor. Eine große Anzahl von Beispielen aus der Judikatur und Praxistipps sollen hier Orientierung geben, auch wenn klar sein müsse, dass „nicht alle Schäden versichert sein können“.

Komplexe Versicherung

Schon bei Kleinschäden seien häufig Rechtsfragen zu lösen, deren Erledigung die Wirtschaftlichkeit des Projekts infrage stelle. Bei größeren Bauvorhaben würden die Vielfalt der technischen Problemstellungen und der Einsatz bedeutender finanzieller Mittel dazu führen, dass die Vertragsparteien versuchen würden, den Werkvertrag zu ihren Gunsten auszulegen.

Seien es Planungsfehler, feuchte Wände oder Schäden an Nachbargebäuden: Die an einem Projekt beteiligten Unternehmen würden häufig mit Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüchen konfrontiert und müssten sich daher gegen die entsprechenden Risiken absichern.

Das Buch, das sich selbst als Leitfaden für die Vertragsgestaltung und Schadensabwicklung bei Versicherungsschäden rund um den Bau versteht, geht umfassend auf die möglichen Problemfelder ein.

Dazu zählen die Fragen, für wen, welchen Zeitraum und welchen örtlichen Geltungsbereich der Versicherungsschutz gelte. Zu berücksichtigen sei auch, welche Gefahren versichert seien, wo Haftungsausschlüsse bestehen und welche Zusatzdeckungen es gebe. Und schließlich gehe es auch darum, welche Versicherungen notwendig und sinnvoll seien.

Was richtig versichern bedeutet

Wie wichtig es ist, die Versicherung „richtig“ abzuschließen, zeigt Jagerhofer anhand konkreter Fälle. In den Praxistipps werden dann Handlungsanleitungen gegeben. Hier können nur einige Beispiele aus dem Buch das große Spektrum möglicher Problemfälle illustrieren.

So hätten im Fall eines durch einen Bagger verursachten Schadens an einer Gasleitung ursprünglich sowohl die Betriebshaftpflichtversicherung als auch die Kfz-Haftpflichtversicherung die Deckung abgelehnt. Streitpunkt war, ob ein durch Stützen fixierter Bagger als „ortsgebundene Kraftquelle gilt“, worüber die beiden Versicherungen unterschiedliche Rechtsansichten vertraten. Jagerhofer rät daher, beide Versicherungen beim gleichen Versicherer abzuschließen.

In einem weiteren Beispiel geht es um den Verlust von Schlüsseln, was bei großen Zentralschließanlagen zu hohen Kosten führen könne. Man solle daher im Wording darauf achten, dass nicht nur der verlorene Schlüssel, sondern die gesamten Schlossänderungskosten versichert sind.

Nicht minder wichtig könne es bei Baustellen sein, auf die Ausschlussklausel „Krieg“ zu achten. Diese sei meist sehr weit gefasst, auch im Boden verborgenes Kriegsmaterial sei eine mittelbare Einwirkung von Krieg. Man solle deshalb bei Flächen, die im Krieg flächendeckend bombardiert wurden, immer das Kriegsreliktrisiko mitversichern.

Jagerhofer gibt aber zu bedenken, dass gerade bei Bauversicherungen jeder Sachverhalt individuell zu betrachten sei. Das Buch könne daher nur als Anhaltspunkt dienen und erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. „Bauversicherung ist ein Schwerpunkt für Spezialisten und wird es in Zukunft auch bleiben“, schließt der Autor sein Buch ab.

Das Buch

  • Norbert Jagerhofer: Bauversicherungen richtig abschließen
  • Linde Verlag, Wien 2018
  • 296 Seiten
  • ISBN 978-3-7073-3552-1
  • Preis: 59,- Euro
  • Link zur Produktseite beim Verlag mit Bestellmöglichkeit
 
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