Bauwesenversicherung: Streit um Versicherungsdauer

7.2.2024 – Wasser drang im Zuge eines Starkregens durch eine nicht abgedichtete Rohrdurchführung in einen Keller ein und verursachte Schäden. Weil die Abdichtung von einem Elektriker erst nach Ende der Versicherungsdauer vergessen wurde und die Ursache für einen Schadenseintritt im versicherten Zeitraum liegen muss, wies die Schlichtungsstelle der Makler den Antrag ab, dem Bauwesenversicherer eine Zahlung zu empfehlen.

Bild: Tingey Injury Law Firm
Bild: Tingey Injury Law Firm

Bei einem Starkregenereignis im August 2021 kam es in einem Wohnhaus zur Überflutung des gesamten Kellergeschoßes. Zuvor hatte sich von einem Hang fließendes Wasser an einer Metallstützwand gestaut und war dann durch eine Rohrdurchführung in den Keller eingedrungen.

In der dem Hang zugewandten Außenwand des Kellers war eine Kabeldurchführung vorhanden. Ende des Jahres 2020 hatte ein Elektrounternehmen Kabel aus dem Technikraum im Keller in den Garten gezogen, aber auf die Installation eines Rohrdurchführungssystems (RDS) vergessen.

Das RDS dient der Kabelabdichtung; diese hätte aus technischer Sicht vom Elektriker vorgenommen werden müssen. Die Schadensentstehung wurde damit durch einen Fehler des Elektrikers ermöglicht.

Die Baufirma, die das Wohnhaus in den Jahren 2019 und 2020 errichtet hat, hatte dafür eine Bauwesenversicherung mit einer Versicherungsdauer von 1. Juli 2019 bis 1. Juli 2020 abgeschlossen. Vom Versicherer fordert sie nun eine Zahlung von 20.000 Euro.

Bedingungslage

Der Versicherung lagen die BW 2014 Allgemeinen Bedingungen für die Bauwesenversicherung zugrunde. Demnach sollte sich die Versicherung auf Schadenereignisse erstrecken, die während der Wirksamkeit des Versicherungsschutzes (Laufzeit des Versicherungsvertrags) eingetreten sind.

Weiters erstreckte sich der Versicherungsschutz auch auf Schäden, die bis zu zwei Jahre nach Abnahme durch den Bauherrn im Zusammenhang mit der Beseitigung von Mängeln durch einen Versicherungsfall eintreten.

Zusätzlich war auch eine „Extended Maintenance“ vereinbart. Demnach sollten auch Schäden abgedeckt werden, deren Ursache zwar während der versicherten Bauzeit liegt, die aber erst in der Gewährleistungsfrist eintreten.

Versicherungsschutz bestand auch für Schäden durch stehende oder fließende Gewässer sowie Grundwasser, wenn sich der Versicherungsort im Einflussbereich eines solchen Wassers befindet. Voraussetzung war, dass bei Planung und Bauausführung entsprechende Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden.

Versicherungsnehmer wandte sich an RSS

Der Versicherer lehnte eine Deckung mit der Begründung ab, dass die Kabel Ende des Jahres 2020 eingezogen wurden, der Bauwesenvertrag aber schon per 1. Juli 2020 geendet hat.

Auch aus der Niederschlagsklausel bestehe keine Deckung, da das Loch in der Kellerwand bewusst offen gelassen worden sei; eine Überschwemmung im Sinne der Versicherungsbedingungen liege ebenfalls nicht vor

Der Versicherungsnehmer wandte sich daraufhin an die Rechtsservice- und Schlichtungsstelle des Fachverbandes der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungssachen (RSS) mit dem Antrag, dem Versicherer die Zahlung zu empfehlen.

Er argumentiert, die fehlende Bauwerksabdichtung sowie die Kabelöffnung seien schon bei der Errichtung des Rohbaus während der Versicherungsdauer vorhanden gewesen.

Zweck einer Bauwesenversicherung

Einleitend erklärt die RSS, dass die Bauwesenversicherung einen Bauunternehmer davor schützen soll, bei unvorhergesehenen Schäden eine bereits ordnungsgemäß erbrachte Leistung auf seine Kosten nochmals erbringen zu müssen, oder ihm zumindest das Risiko eines Regresses abnehmen soll.

Allerdings würden Baumängel nicht zu den versicherten Gefahren zählen. Die Bauwesenversicherung habe nicht den Zweck, den Unternehmer vor den Folgen eines Leistungsmangels zu sichern; Gewährleistungsmängel seien daher nicht Gegenstand der Bauwesenversicherung.

Der Versicherer habe nur Schäden zu tragen, die über den Aufwand zur nachträglichen Beseitigung des Leistungsmangels hinausgehen, so die RSS.

Schaden nicht im versicherten Zeitraum

Im vorliegenden Fall habe es sich bei dem offen gelassenen Kabelausgang nicht um ein Gebrechen oder um eine Beschädigung gehandelt, sondern um ein aus bautechnischen Gründen absichtlich offen gelassenes Loch, betont die RSS.

Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Schaden bereits vor Versicherungsende verursacht worden wäre; auch bei Vereinbarung einer Extended Maintenance müsse die Ursache aber im versicherten Zeitraum liegen.

Hier sei der Schaden erst nach Versicherungsende entstanden, als auf die ordnungsgemäße Abdichtung des Kabelkanals vergessen wurde; damit falle der Schaden nicht in den versicherten Zeitraum.

Der Antrag, dem Versicherer die Zahlung zu empfehlen, wurde daher von der RSS abgewiesen.

Weitere Informationen

Die Empfehlung der RSS kann als PDF-Dokument (182 KB) von der Website des Fachverbandes heruntergeladen werden.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Elementarschaden · Sachversicherung · Versicherungsmakler
 
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