Die Alternative wäre, „sich von der Zukunft zu verabschieden“

5.12.2019 – Vor allem die extrem rasche Veränderung der Rahmenbedingungen und der Kundenbedürfnisse veranlassen die Uniqa zum Konzernumbau, sagt CEO Andreas Brandstetter im Gespräch mit dem VersicherungsJournal. Für Kunden werde dies positiv sein, für den Vertrieb soll es zu keinen Änderungen kommen. Das 500 Millionen Euro teure Redesign des Geschäftsmodells sei alternativlos, werde sich aber amortisieren.

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Uniqa-CEO Brandstetter im Exklusivinterview (Bild: Uniqa)
Uniqa-CEO Andreas Brandstetter im
Exklusivinterview (Bild: Uniqa)

Der angekündigte Umbau der Konzernstruktur (VersicherungsJournal 20.11.2019) stand nahezu selbstverständlich im Mittelpunkt eines Exklusivinterviews des VersicherungsJournals mit Andreas Brandstetter, dem CEO und Vorstandsvorsitzenden der Uniqa Insurance Group AG.

Die „neue große Konstante“ auch in der Versicherungsindustrie sei die Veränderung. Diese sei ein dauerhafter Prozess, ist Brandstetter überzeugt. Von der Vorstellung, etwas schaffen zu können, was dann 15 oder 20 Jahre lang unverändert besteht, müsse man sich verabschieden.

Allerdings verspüre er einen Grundoptimismus für die Zukunft der Branche: Risiken, die ein einzelner nicht tragen kann, zu managen, sei eine „unglaublich sinnvolle Aufgabe“.

Kundenzentrierung

Grundidee der Neuorganisation sei, dass in den nächsten zehn Jahren mit mehr Veränderungen zu rechnen sei als in den hundert Jahren davor. Ein Mix aus Niedrigzins, unsicherer makroökonomischer Entwicklung, den Kosten der Regulatorik und der raschen technologischen Entwicklung sei dafür verantwortlich.

Vor allem aber gehe es um das veränderte Kundenverhalten, das durch die „Convenience digitaler Unternehmen außerhalb unserer Branche forciert“ werde. Kunden würden zunehmend ungeduldiger, wollen rascher Informationen oder auch am Samstag und Sonntag einkaufen.

Der Fokus der neuen Konzernstruktur soll deshalb auf der Kundenzentrierung liegen. Dazu müsse der Konzern schlanker und effizienter werden; so sei es geplant, Redundanzen aufzulösen und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden.

Auswirkungen auf Kunden und Mitarbeiter

Für Kunden werde sich der Konzernumbau mittelfristig also positiv auswirken, weil sie „raschere und effizientere Services“ erwarten können. Für den Vertrieb – egal ob Angestellte, Makler oder Bankenvertrieb – solle es zu keinen Änderungen kommen.

Nötig sei es, besser hinzuhören und die Sensibilität für die Bedürfnisse der Zielgruppe weiterzuentwickeln. Dabei könne es auch sinnvoll sein, neue Talente ins Team zu holen, die „die Obsession zur Kundenzentrierung“ haben.

Was interne Mitarbeiter betrifft, seien Aussagen derzeit aber noch nicht möglich. Das neue Vorstandsteam (VersicherungsJournal 21.11.2019) werde seine Pläne dazu Mitte 2020 präsentieren.

Chancen auf besseres Rating

Unmittelbar, nachdem die Uniqa den Konzernumbau angekündigt hatte, hat die US-amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s für diesen Fall eine Verbesserung des Ratings in Aussicht gestellt.

Grund dafür, so Brandstetter, sei, dass die Österreich-Tochter des Konzerns derzeit besser bewertet sei als die Holding, die ja kaum eigenes Versicherungsgeschäft betreibe, sondern von den Dividenden der Töchter lebt.

Im Fall einer Fusion würde sich dieses „Problem“ erledigen, der Gesamtkonzern würde über ein direktes operatives Geschäft verfügen, womit eine Anhebung des Ratings auf jenes, das derzeit nur für die Uniqa Österreich vergeben wird, zu erwarten sei.

Amortisierung des Redesigns

500 Millionen Euro steckt die Uniqa derzeit in das Redesign des Geschäftsmodells; ein Betrag, der die Ergebnisse des Konzerns noch bis 2025 belasten wird. Kann sich das angesichts der raschen technologischen Entwicklung überhaupt amortisieren?

Brandstetter betont dazu, dass man als Qualitätsversicherer „die Personalkosten nicht uneingeschränkt angreifen“ könne. Möglichkeiten, die Kosten zu senken, gebe es aber bei Prozessen, Automatisierung und Digitalisierung – Stichwort „Dunkelverarbeitung“.

Es werde möglich sein, dass sich die Kosten amortisieren, zeigt sich der Uniqa-Chef überzeugt, auch wenn das eine Zeit lang dauern werde. Die Alternative dazu wäre aber „nicht investieren. Und das hieße, sich von der Zukunft zu verabschieden.“

Im zweiten Teil des Gesprächs, den Sie morgen im VersicherungsJournal lesen, geht es unter anderem um Niedrigzinsen, die Zukunft der Lebensversicherung und den Umgang mit der Erderwärmung.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Lebensversicherung · Mitarbeiter · Rating · Zielgruppe
 
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